"La France, doit-elle rester en Algérie? Si vous répondez encore "Oui", vous devez en accepter toutes les conséquences necessaires."
("Soll Frankreich in Algerien bleiben? Wenn Sie immer noch mit "Ja" antworten, müssen Sie alle notwendigen Konsequenzen akzeptieren.")
Als Michael Haneke 2005 seinen mit diversen Preisen ausgezeichneten Film "Caché" herausbrachte, waren die begeisterten Reaktionen der internationalen Presse von einer Art, als habe sich noch nie zuvor ein Filmemacher mit der in Frankreich noch heute weitgehend tabuisierten Algerienfrage beschäftigt.
Dabei entstand bereits 1966, nur vier Jahre nach Kriegsende und der algerischen Unabhängigkeit, Gillo Pontecorvos im Stil des italienischen Neorealismus gedrehter Film "Schlacht um Algier", der neben dem Goldenen Löwen von Venedig und diversen anderen nationalen Auszeichnungen auch drei Oscarnominierungen erhielt.
Der Film zeichnet nicht den gesamten Algerienkrieg nach, sondern beschränkt sich auf die titelgebende "Schlacht um Algier" 1957, während der die französischen Einheiten unter Colonel Mathieu (Jean Martin) in den verwinkelten Gassen der Casbah unerbittliche Jagd auf die Aufständischen der algerisch-nationalen Rebellenorganisation FLN unter der Führung des ehemaligen Kleinkriminellen Ali La Pointe machten.
Dabei macht Pontecorvo aus der Not eines schmalen Budgets und der schwierigen Drehbedingungen in der Casbah eine Tugend:
Abgesehen von Jean Martin in der Hauptrolle sind fast sämtliche Rollen mit (hervorragenden!) Laiendarstellern besetzt und der Film wurde weitgehend mit einer in den schmalen Gassen der Altstadt wendigeren Handkamera gedreht, was dem Film zusätzlich eine enorme Authentizität verleiht.
Obwohl der Film aus seiner antikolonialistischen Grundhaltung keinen Hehl macht, ist er bemerkenswert objektiv und zeigt die Anschläge der FLN, denen bewusst in Kauf nehmend auch zahlreiche französische Zivilisten zum Opfer fielen sowie deren Morde an "Verrätern", genauso ungeschminkt wie die Vergeltungsschläge der französischen Armee, die schwerste Folter, zahlreiche Hinrichtungen und ein extrem rücksichtsloses Vorgehen auch der arabischen Zivilbevölkerung gegenüber beinhalteten.
Obwohl der Film keinen klassischen dramaturgischen "Spannungsbogen" aufbaut, sondern ganz bewusst dokumentarisch angelegt ist, fesselt er über die gesamte Laufzeit von etwa zwei Stunden und ist noch heute ein ebenso kraftvolles wie erschütterndes Plädoyer gegen den Krieg und den Kolonialismus und für die Freiheit, welches jedoch auch ungeschminkt den dafür zu zahlenden Preis aufzeigt.
Traurigen Ruhm erlangte der in Frankreich bis in die 70er Jahre verbotene Film dadurch, daß er in Lateinamerika bis in die 80er Jahre als "Lehrmittel" hinsichtlich der Bekämpfung Aufständischer benutzt wurde.
Obwohl der Film aus Finanzierungsgründen mit eher einfachen Mitteln realisiert werden musste und ohne die finanzielle Hilfe der algerischen Regierung nicht zustandegekommen wäre, konnte Ennio Morricone für die stimmige und effektvolle Musik gewonnen werden.
Eine ganz klare Empfehlung und ein Muss für Alle, die sich auch nur ein wenig für die Thematik interessieren.