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Kurzbeschreibung
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Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
16. Juli 2006, 02:45 Uhr Ortszeit
Moondog 505 glitt in fast 7000 Metern Höhe elegant über die grauen, von den Sternen beleuchteten Wolken hinweg. Unter der Cockpithaube des Jagdbombers vom Typ F/A-22-Sea-Raptor saßen der Pilot und seine Waffensystem-Offizierin eher entspannt in ihren Schleudersitzen. Es war ein Routineeinsatz, zu dem man sie heute Nacht losgeschickt hatte, so dass sie ihre Aufmerksamkeit auch anderen Dingen widmen konnten. Was eine günstige Gelegenheit für sie bedeutete, ein Thema aufzugreifen, über das sie schon des öfteren diskutiert hatten.
»Verdammt! Du bist eine Frau, du solltest mir doch ein paar Tipps dazu geben können.«
»Ich bin eine Frau, das stimmt. Ich bin aber auch ein erwachsener Mensch mit der Fähigkeit, vernünftig zu denken. Deine Frau dagegen ist völlig unberechenbar, wie ein boshaftes kleines Kind.«
»Jetzt übertreibst du aber, Bubbles.«
»Ich bin's ja nicht, die dich zum Wahnsinn treibt. - Wir erreichen Waypoint Echo in zehn Sekunden. Kurs Backbord, null-eins-null, in fünf Sekunden ... drei... zwei ... eins ... jetzt.«
»GPU-Bestätigung für Waypoint Echo. Kurs null-eins-null auf Waypoint Foxtrot. - Die Sache ist die: Sie sagt, sie hat nichts dagegen, wenn ich in der Navy bleibe.«
Lieutenant Alan >Digger< Graves war in letzter Zeit vor allem damit beschäftigt gewesen, seine angeschlagene Ehe doch noch zu retten. Seine Waffensystemoffizierin Lieutenant J.G. Beverly >Bubbles< Zellerman wiederum hatte mit ganz anderen Dingen zu kämpfen: Sie hatte nämlich einige Mühe, das in der Navy vorgeschriebene Verhältnis von Gewicht und Körpergröße einzuhalten. Die beiden flogen jetzt seit fast zwei Jahren miteinander. In dieser Zeit waren sie nicht nur Freunde geworden - sie verstanden sich auch als Fliegerteam nahezu blind.
Einmal, während eines feuchtfröhlichen Aufenthaltes in Singapur, waren sie so weit gegangen, miteinander zu schlafen. Danach waren sie jedoch übereinstimmend zur Auffassung gelangt, dass es kein wirklich weltbewegendes Ereignis gewesen wäre, und kehrten fast erleichtert zu ihrer früheren rein freundschaftlichen Beziehung zurück. Der Vorfall hatte jedoch zur Folge, dass sie nun noch mehr Verständnis für die Schwächen des anderen aufbrachten.
»Dig, sie kann sagen, was sie will - du weißt verdammt gut, dass sie eine Woche lang ungenießbar ist, wenn du das Thema aufs Tapet bringst.«
»Aber was zum Kuckuck will sie denn dann?«
»Sie will, dass du die Navy verlässt - und dass du es völlig freiwillig tust. In fünf Jahren, wenn's dir dann Leid tut, dass du deine Karriere hingeschmissen hast, wird sie dich anlächeln und sagen: >Du hast es selbst so gewollte«
Graves seufzte. »Ja, das traue ich ihr durchaus zu.«
Während er antwortete, betätigte er die Ruderpedale und vollführte mit dem Steuerknüppel ein leichtes Pendelmanöver. Dabei drehte er sich in den Gurten um und blickte nach hinten, um einen eventuellen Verfolger entdecken zu können.
Er hatte jedoch nicht wirklich erwartet, etwas zu sichten. Seine Instrumente zeigten keinerlei Bedrohung an - außerdem befand die Sea Raptor auf dem neuesten Stand der Stealth-Technologie, und es war nicht zu erwarten, dass die hiesigen Luftabwehrsysteme in der Lage waren, die Maschine unter ihrer >Tarnkappe< zu entdecken. Doch auch wenn es sich um einen Routineeinsatz handelte, war es sicher kein Fehler, vorsichtig zu sein - besonders da in unmittelbarer Nähe ein Krieg tobte.
Für eine bewaffnete Auseinandersetzung, die sich im Zeitalter der Telekommunikation abspielte, hörte man weltweit erstaunlich wenig darüber - vor allem, wenn man bedachte, dass dieser Krieg einer der blutigsten in der gesamten Menschheitsgeschichte zu werden drohte.
Die Medien berichteten nur sehr spärlich über das Ereignis; es gab keine Journalisten, die ins Kampfgebiet geschickt wurden, um von dort ihre Live-Berichte in alle Welt zu schicken. Auch in den Zeitungen war nur wenig darüber zu lesen, wenn man einmal von den Artikeln in politischen oder militärischen Fachzeitschriften absah.
Man hatte sich noch nicht einmal auf einen Namen für diesen Konflikt geeinigt, was ebenfalls bewies, wie wenig präsent er in der internationalen Öffentlichkeit war. Der einzige Punkt, in dem allgemeine Übereinstimmung herrschte, war, dass alles auf dem Tienanmen-Platz in Peking begonnen hatte. Die Weltöffentlichkeit war auf die Unruhen erst aufmerksam geworden, als die Volksrepublik China einige Provinzen für ausländische Touristen sperrte. Man erklärte diese Maßnahme mit einem >Programm zur staatlichen Neuorganisation<. Dann kamen nach und nach die sorgfältig formulierten Presseaussendungen aus Peking, in denen von der Bekämpfung von >Banditen< und konterrevolutionärem die Rede war.
Den Satelliten jedoch blieb die Wahrheit nicht verborgen. Auf ihren Bahnen hoch über dem asiatischen Kontinent beobachteten die Aufklärungssatelliten der anderen Großmächte die Dörfer, die nachts in Flammen aufgingen, und die wachsende Zahl an Todesopfern in den Städten. Im Sommer des Jahres 2006 war es dann offensichtlich, dass das letzte große kommunistische Reich im Begriff war, auseinander zu fallen.
Doch die Machthaber würden sich nicht so ohne weiteres in ihr Schicksal ergeben. Sie hatten den Untergang des Warschauer Paktes und der Sowjetunion miterlebt und daraus ihre Lehren gezogen. Und jetzt, wo der Augenblick der Entscheidung nahte, waren sie bereit, all ihre Macht einzusetzen, um ihre Gegner zu besiegen. Die Opferbilanz dieses zweiten chinesischen Bürgerkrieges drohte sogar jene des Zweiten Weltkrieges zu übersteigen. Genaue Zahlen waren jedoch nicht einmal im Land selbst bekannt.
Moondog 505 hatte in dieser Nacht wieder einmal die Aufgabe erhalten, einen Blick über die Mauer des Schweigens zu werfen, um dem Westen bessere Informationen hinsichtlich des tobenden Krieg zu vermitteln.
Digger und Bubbles waren vor einer Stunde von ihrem Flugzeugträger, der U.S.S. Enterprise, gestartet, der etwa 800 Kilometer weiter südöstlich stand. Sie hatten in der Nähe von Shantou erstmals Festland gesichtet und waren dann nach Norden in den Luftraum über der Formosastraße eingeschwenkt, jenen schmalen Meeresstreifen, der das chinesische Festland von der Insel Taiwan trennte.
In einer Entfernung von gut 30 Kilometern flogen sie die Küste entlang, um ihre Aufklärungsmission zu erfüllen. Dabei setzten sie vor allem ihre ELINT (Electronic Intelligence)-und SIGINT (Signal Intelligence)-Systeme ein, mit denen sie jede Funk- und Radarsendeanlage in der Umgebung aufspüren konnten.
Nach der Rückkehr der Maschine zum Flugzeugträger würde das Datenmaterial an verschiedene Stellen weitergeleitet werden, insbesondere an das Office of Naval Intelligence, die Defense Intelligence Agency und die CIA, wo man es dann mit den bereits gesammelten Informationen vergleichen konnte. Auf diese Weise hoffte man, ein weiteres Teil in das riesige Puzzle einfügen zu können, das China für die restliche Welt darstellte.
»Also, was schlägst du vor, soll ich tun, Bub?«
»Gesteh dir endlich ein, dass du nichts mehr tun kannst, und beende das Ganze, bevor es zu spät ist. Warte nicht so lange, bis ein Kind da ist und die Sache noch komplizierter wird.«
»Ach, Scheiße, das alles!«
»Ganz meine Meinung!«
Sie schwiegen eine Minute, und Graves starrte in die Nacht hinaus.
»Das Problem ist, dass ich sie immer noch irgendwie liebe.«
»Na und - ich liebe zum Beispiel Nougateis mit Schokostreusel, aber ich bin nicht abhängig davon«, erwiderte Bubbles und fügte in nachsichtigem Ton hinzu: »Dig, sieh es doch ein - es klappt einfach nicht mehr zwischen euch.«
Lieutenant Zellerman wollte ihren Gedanken noch weiter ausführen, als sie sich plötzlich vorbeugte und auf ihren Bildschirm starrte.
Graves sah es in seinem Rückspiegel. »Was ist denn los?«, fragte er in plötzlicher Anspannung.
»Keine Ahnung.« Ihre...
Prolog. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
16. Juli 2006, 02:45 Uhr Ortszeit
Moondog 505 glitt in fast 7000 Metern Höhe elegant über die grauen, von den Sternen beleuchteten Wolken hinweg. Unter der Cockpithaube des Jagdbombers vom Typ F/A-22-Sea-Raptor saßen der Pilot und seine Waffensystem-Offizierin eher entspannt in ihren Schleudersitzen. Es war ein Routineeinsatz, zu dem man sie heute Nacht losgeschickt hatte, so dass sie ihre Aufmerksamkeit auch anderen Dingen widmen konnten. Was eine günstige Gelegenheit für sie bedeutete, ein Thema aufzugreifen, über das sie schon des öfteren diskutiert hatten.
»Verdammt! Du bist eine Frau, du solltest mir doch ein paar Tipps dazu geben können.«
»Ich bin eine Frau, das stimmt. Ich bin aber auch ein erwachsener Mensch mit der Fähigkeit, vernünftig zu denken. Deine Frau dagegen ist völlig unberechenbar, wie ein boshaftes kleines Kind.«
»Jetzt übertreibst du aber, Bubbles.«
»Ich bin's ja nicht, die dich zum Wahnsinn treibt. - Wir erreichen Waypoint Echo in zehn Sekunden. Kurs Backbord, null-eins-null, in fünf Sekunden ... drei... zwei ... eins ... jetzt.«
»GPU-Bestätigung für Waypoint Echo. Kurs null-eins-null auf Waypoint Foxtrot. - Die Sache ist die: Sie sagt, sie hat nichts dagegen, wenn ich in der Navy bleibe.«
Lieutenant Alan >DiggerBubblesDu hast es selbst so gewollte«
Graves seufzte. »Ja, das traue ich ihr durchaus zu.«
Während er antwortete, betätigte er die Ruderpedale und vollführte mit dem Steuerknüppel ein leichtes Pendelmanöver. Dabei drehte er sich in den Gurten um und blickte nach hinten, um einen eventuellen Verfolger entdecken zu können.
Er hatte jedoch nicht wirklich erwartet, etwas zu sichten. Seine Instrumente zeigten keinerlei Bedrohung an - außerdem befand die Sea Raptor auf dem neuesten Stand der Stealth-Technologie, und es war nicht zu erwarten, dass die hiesigen Luftabwehrsysteme in der Lage waren, die Maschine unter ihrer >TarnkappeProgramm zur staatlichen NeuorganisationBanditen< und konterrevolutionärem die Rede war.
Den Satelliten jedoch blieb die Wahrheit nicht verborgen. Auf ihren Bahnen hoch über dem asiatischen Kontinent beobachteten die Aufklärungssatelliten der anderen Großmächte die Dörfer, die nachts in Flammen aufgingen, und die wachsende Zahl an Todesopfern in den Städten. Im Sommer des Jahres 2006 war es dann offensichtlich, dass das letzte große kommunistische Reich im Begriff war, auseinander zu fallen.
Doch die Machthaber würden sich nicht so ohne weiteres in ihr Schicksal ergeben. Sie hatten den Untergang des Warschauer Paktes und der Sowjetunion miterlebt und daraus ihre Lehren gezogen. Und jetzt, wo der Augenblick der Entscheidung nahte, waren sie bereit, all ihre Macht einzusetzen, um ihre Gegner zu besiegen. Die Opferbilanz dieses zweiten chinesischen Bürgerkrieges drohte sogar jene des Zweiten Weltkrieges zu übersteigen. Genaue Zahlen waren jedoch nicht einmal im Land selbst bekannt.
Moondog 505 hatte in dieser Nacht wieder einmal die Aufgabe erhalten, einen Blick über die Mauer des Schweigens zu werfen, um dem Westen bessere Informationen hinsichtlich des tobenden Krieg zu vermitteln.
Digger und Bubbles waren vor einer Stunde von ihrem Flugzeugträger, der U.S.S. Enterprise, gestartet, der etwa 800 Kilometer weiter südöstlich stand. Sie hatten in der Nähe von Shantou erstmals Festland gesichtet und waren dann nach Norden in den Luftraum über der Formosastraße eingeschwenkt, jenen schmalen Meeresstreifen, der das chinesische Festland von der Insel Taiwan trennte.
In einer Entfernung von gut 30 Kilometern flogen sie die Küste entlang, um ihre Aufklärungsmission zu erfüllen. Dabei setzten sie vor allem ihre ELINT (Electronic Intelligence)-und SIGINT (Signal Intelligence)-Systeme ein, mit denen sie jede Funk- und Radarsendeanlage in der Umgebung aufspüren konnten.
Nach der Rückkehr der Maschine zum Flugzeugträger würde das Datenmaterial an verschiedene Stellen weitergeleitet werden, insbesondere an das Office of Naval Intelligence, die Defense Intelligence Agency und die CIA, wo man es dann mit den bereits gesammelten Informationen vergleichen konnte. Auf diese Weise hoffte man, ein weiteres Teil in das riesige Puzzle einfügen zu können, das China für die restliche Welt darstellte.
»Also, was schlägst du vor, soll ich tun, Bub?«
»Gesteh dir endlich ein, dass du nichts mehr tun kannst, und beende das Ganze, bevor es zu spät ist. Warte nicht so lange, bis ein Kind da ist und die Sache noch komplizierter wird.«
»Ach, Scheiße, das alles!«
»Ganz meine Meinung!«
Sie schwiegen eine Minute, und Graves starrte in die Nacht hinaus.
»Das Problem ist, dass ich sie immer noch irgendwie liebe.«
»Na und - ich liebe zum Beispiel Nougateis mit Schokostreusel, aber ich bin nicht abhängig davon«, erwiderte Bubbles und fügte in nachsichtigem Ton hinzu: »Dig, sieh es doch ein - es klappt einfach nicht mehr zwischen euch.«
Lieutenant Zellerman wollte ihren Gedanken noch weiter ausführen, als sie sich plötzlich vorbeugte und auf ihren Bildschirm starrte.
Graves sah es in seinem Rückspiegel. »Was ist denn los?«, fragte er in plötzlicher Anspannung.
»Keine Ahnung.« Ihre Finger glitten rasch über die Tastatur, um die Anzeige des in Flugrichtung blickenden Infrarot-Sensors (FLIR) aufzurufen.
»Ich glaube, wir sind soeben über einen Schwärm Cruise-Missiles hinweggeflogen.«
»Bist du sicher?«
»Ziemlich ... Es hat ausgesehen wie drei kleine Mantelstromtriebwerke ... Sie schießen im Abstand von eineinhalb Kilometern über den Wellen dahin. Geschwindigkeit etwa 600 Knoten ... Verdammt ... da kommt noch ein Schwärm! Diesmal sind es vier Stück! Sie fliegen von Ost nach West, wie die anderen zuvor.«
»Wer schießt da auf wen?«, fragte Graves.
»Keine Ahnung. Es müssen Chinesen sein - aber welche Seite, das kann ich dir nicht sagen. Schwer vorstellbar, dass die Rebellen oder die Rotchinesen von da draußen auf das Festland feuern. Achtung! Kontakt in der Luft!«
»Wo denn?« Graves drückte den Steuerknüppel instinktiv nach vorn und ließ die Maschine abtauchen wie ein Unterseeboot.
»Unter uns. Es sind zwei Gruppen zu je vier Maschinen. Zweimotorige Fighter, Typ noch unbekannt. Sie fliegen mit 550 Knoten von Ost nach West. Das ist ein Luftangriff, Digger!«