Eigentlich mag ich es nicht, wenn ein Buch aus Fragen und sehr viel unbedrucktem Papier besteht, in das ich etwas eintragen soll. Bei diesem Buch ist das anders. Es enthält neben einer allgemeinen Einführung in das Thema Biografiearbeit neun Kapitel über jeweils ein Jahrsiebt, eine kurze Darstellung der Zeit nach dem 63. Geburtstag und ein paar ergänzende Fragen zum Beruf.
Die Charakterisierungen dieser zehn behandelten Lebensphasen sind kurz, aber so prägnant, dass es sich schon allein deswegen lohnt, das Buch zu kaufen. An diese meist nur drei oder vier Seiten schließen sich Fragen an, die so angeordnet sind, dass man seine Antworten bzw. seine Erinnerungen handschriftlich eintragen kann. Ich habe es dennoch vorgezogen, das am Computer zu machen, weil mich die "Schlüsselfragen zur Biografie" so inspirierten, dass der Platz bei weitem nicht ausreichte - obwohl es am Kapitelende immer eine komplett unbedruckte Seite "für weitere Eintragungen" gibt.
Der kurze Einführungstext verwendet zwar ab und zu einen anthroposophischen Fachausdruck, doch solche Stellen sind eher selten und nerven nicht besonders. Ein Beispiel: Das 6. Jahrsiebt, also die Jahre von 35-42 werden als "Phase der Entwicklung der Bewusstseinsseele" bezeichnet und dann folgt das, worum während dieser Zeit geht: In der zweiten Hälfte des Lebens beginnt ein "gradueller Abbau des Leibes". Sportler haben dann schon längst gemerkt, dass ihre Leistungen nachlassen. "Ein Teil der vitalen Kräfte löst sich vom Leib und kann zu einer höheren Entfaltung des Bewusstseins führen." Nun komme es darauf an, die Lebensintentionen immer mehr zu verwirklichen. In der Arbeit gehe es immer stärker um echte Teamarbeit und darum, die Begabungen an den richtigen Stellen einzusetzen und die Begabungen anderer anzuerkennen. "Um das 37. Lebensjahr gehen wir durch den zweiten Mondknoten, und es eröffnen sich neue Möglichkeiten, Vergangenes umzugestalten, den Beruf zu wechseln oder im alten zu neuen Aufgaben durchzustoßen. Die Entschuldigung, die Eltern oder die Erziehung seien schuld daran, dass dies oder jenes nicht zu schaffen sei, gilt nicht mehr. In dieser Zeit sollte man die Eltern akzeptiert haben und ihnen die Erziehungsfehler, die sie bei uns gemacht haben, vergeben haben." usw. usf.
Daran schließen sich jene Fragen an, die helfen können, ein größeres Bewusstsein von dieser Phase zu erlangen. Das finde ich nützlich und hilfreich. Aber all die Fragen zu beantworten, braucht sehr viel Zeit und ist eine verdammt arbeitsintensive Sache. Doch es lohnt sich. Nirgendwo habe ich bisher so viel lernen können, wie während des Erinnerns und Aufschreibens der Ereignisse und meiner beruflichen bzw. privaten Entscheidungen während all der Jahre meines Lebens.