Eso-Bücher zur Thematik "2012" / "Neue Zeit" / "Goldenes Zeitalter" haben gewöhnlich drei Dinge gemeinsam:
1. Sie sind in Lila oder sonst einer augenermüdenden Farbe gedruckt.
2. Sie triefen vor "Liebe" und "Licht", garniert mit Endzeit-Panikmache und/oder Erlösungsphantasien, vermeiden aber tunlichst, irgendetwas mitzuteilen, was auf diesem Planeten a) verwertbar und b) noch nicht tausendfach wiedergekäut wäre.
3. Sie sind von "St. Germain" oder sonst einem gaaaanz "hohen" Geistlosen, äh, "Geistwesen" "gechannelt", weil entweder der Autor zu feige ist, zu seinen Ideen und Thesen zu stehen, oder seinem Erguß mit der fiktiven Urheberschaft mehr Gewicht verleihen möchte bei der glaubenssehnsüchtigen Zielgruppe...
Seid beruhigt: bei Shoukeenas "11 Schlüsseln" ist nichts davon der Fall.
Punkt 1 habe ich selbst sichergestellt - ich war an der Entstehung des Buches in Punkto Layout/Typographie/Satz beteiligt (WaldWort digital publishing) und habe dafür gesorgt, daß es s/w und in einer angenehm lesbaren Schriftart (Neutraface Slab) gedruckt wurde ;-)
Aber zu Autorin und Inhalt: Shoukeena, anderen besser als Alea Höstermann bekannt, hat einen soliden Hintergrund aus Coaching/Therapie, Kinesiologie und Familienstellen, kann mit Menschen (und Pferden!) umgehen, und ist bei aller Geistigkeit ein fest und "erdig" hier auf diesem Planeten anwesendes Wesen. Auch ihre schamanisch/indianischen Wurzeln sind nicht von der üblichen substanzlos-selbstaufwertenden Art ("oh, ich war bestimmt auch mal so ein toller Indianer-Schamane..."), sondern echt und fühlbar.
Entsprechend ist auch das Buch geraten: weder verschwurbelt-substanzloses Geistwesen-Gechannele, noch abgehoben-arrogantes, manipulatives, mit Platitüden gespicktes 'Lichtarbeiter'-Gesabbel. Erfreulich konkret und noch auf diesem Planeten verwurzelt. Elf "Schlüssel" geben wichtige Impulse für die eigene Entwicklung und Potential-Entfaltung. Außerdem werden wichtige Lebensbereiche von Beruf(ung) bis Partnerschaft betrachtet, wie sie in der bisherigen "alten" Zeit gelebt wurden, was sich nun in der Zeit des Übergangs tut, und wie es künftig möglich sein könnte, diese Lebensbereiche zu leben und gemeinsam zu gestalten.
Kritikpunkte:
- bei der Betrachtung der Themenbereiche Partnerschaft/Sexualität rutscht mir Shoukeena für meine (naturgemäß männlich geprägte) Sicht zu sehr in die weibliche Opfermentalität. Die Strukturen des "Patriarchats" wurden nicht nur duldend, sondern sehr aktiv von nutznießenden, manipulativen, emotional erpressenden Steinzeitweibchen miterschaffen - und über die Auswahl der "falschen" Fortpflanzungspartner haben sich Frauen über die Jahrtausende systematisch die Sorte "Mann" gezüchtet, deren vermeintliche Dominanz heute beklagt wird. Solange wir (= BEIDE Geschlechter) nicht beinhart der (mittlerweile) dümmlichen und überflüssigen evolutionären Prägung und hormonellen Steuerung ins Auge sehen und uns bewußt und ehrlich selbstreflektierend davon wegentwickeln, wird nicht viel passieren. Aber das ist ein sehr umfassendes Thema - und wird noch in Buchform ausführlicher von mir ausgewalzt werden... ;-) Bei der Zielrichtung und dem Idealbild echter Partnerschaft bin ich mir dagegen mit Shoukeena sehr einig.
- manchmal ist nicht ganz klar, an wen sich das Buch richtet. Die Breite der Themen, die klare, nachvollziehbare Sprache und die Praxisorientiertheit des Buches richtet sich eher an Menschen, die ihre ersten Erfahrungen im Bereich "Spiritualität" und "Selbstentwicklung" machen. Dafür werden allerdings recht viele Techniken und Zusammenhänge bereits vorausgesetzt und nicht grundlegend erklärt, so daß einiges an Grundwissen nötig wäre bzw. parallel aus anderen Quellen angelesen werden muß. Aber diese eigenwillige Mischung führt gleichzeitig dazu, daß das Buch sowohl "Anfängern" grundlegende und gute Orientierung gibt, als auch "älteren Seelen" noch einiges mitgeben kann, z.B. in der Darstellung der Magie und der Loslösung aus alten magischen Verstrickungen - dieses Thema habe ich bisher nirgends besser und offensichtlich aus eigenem altem Wissen heraus dargestellt gefunden!
Fazit: wer sich nicht nur in sanft-lilanem Opium-Duft ins vermeintliche Goldene Zeitalter träumen will, sondern in aktiver und selbstverantwortlicher Entwicklungsarbeit sich auf den Weg dorthin machen möchte, findet in Shoukeenas Buch wertvolle Anleitungen und Anregungen. Und während manche der dargestellten Prozesse und Themen schon bekannt sind, enthält das Buch viele originäre Sichtweisen und Ansätze, die man noch nicht dutzendfach gelesen hat. Lohnend! Auch und gerade für Menschen geeignet, deren Interesse für "spirituelle" Dinge durch das in der "Szene" übliche Gesabbel eher wieder gedämpft wurde...
Lesen!
P.S.: die fünf Sterne sind ein halber Stern Vorschußlorbeeren für eine irgendwann anstehende zweite Auflage. Der Produktionsprozeß des Buches war zeitlich sehr gedrängt, sowohl in Sachen Lektorat als auch beim Satz könnte man noch nachoptimieren. Aber ich stelle meinen Perfektionismus mal hinten an - der Inhalt wird durch ein paar übersehene Fehler und eine verrutschte Seitenzahl im Inhaltsverzeichnis nicht schlechter... ;-)