In diesem Buch geht es um die Begriffe Karma und Wiedergeburt aus der Sicht buddhistischer Lehren. Der Autor schildert die historisch-kulturelle Entstehung und Entwicklung dieser Begriffe durch die verschiedenen buddhistischen Schulen. Er schrieb sein Werk wohl mehr als Theologe denn als Weisheitslehrer oder Esoteriker. Wer Lebenshilfe erwartet, ist hier falsch.
Nagapriyas Buch trägt den verwirrenden Untertitel "Warum die Welt gerechter ist als sie erscheint". Abgesehen davon, dass ich zwischen den Buchdeckeln dieses Werkes die abschließende Erklärung dieser Aussage nicht finden konnte, erscheint eine gemeinsame Sicht aller Menschen auf die Welt und eine angebliche Gerechtigkeit eine höchst fragwürdige Prämisse zu sein. Selbst ein einzelner Mensch sieht doch die Welt je nach Tagesform und persönlichem Zustand in ganz verschiedenem Licht. Die Welt ist einfach so wie sie ist. Wir können ihr zwar unsere Begriffe anheften und damit das illusionäre Gefühl der Kontrolle oder eines menschlichen Ordnungsprinzips erzeugen. Doch damit schaffen wir nur neue Probleme, denn diese Illusionen werden früher oder später zerplatzen. Wir wären glücklicher, wenn wir loslassen und akzeptieren könnten. Das ist übrigens eine der zentralen Lehren des Buddhismus.
Weil aber die Menschen nicht loslassen können und den unermüdlichen Drang haben, die Welt erklären und ordnen zu müssen, schaffen sie mit ihrem Verstand immer neue Begriffe. Davon ist auch der Buddhismus selbst nicht verschont geblieben worden, denn er entstand als die immer wieder zu beantwortenden Fragen nach Gerechtigkeit oder dem Leben nach dem Tode schon da waren. Also mußte Buddha sie beantworten. Er tat das widerwillig, was jedoch seine Nachfolger nicht daran hinderte, es um so eifriger zu tun. So entstanden ganze Theorien von Karma und Wiedergeburt, deren Entstehung und Entwicklung uns der Autor vorführt. Letztlich aber sind dies alles theologische Kopfgeburten, mit denen die Welt nicht anders wird als sie vorher bereits war.
Als Mälunkyaputta, ein Schüler Buddhas, diesem Fragen nach der Ewigkeit der Welt oder der Identität von Körper und Seele stellte, bekam er keine klaren Antworten. Vielmehr erklärte ihm Buddha, dass er ein irregeleiteter Mensch sei und trug ihm dann die berühmte Parabel vom vergifteten Pfeil vor. In ihr geht es kurz gesagt darum, dass ein von einem vergifteten Pfeil Getroffener dem zu Hilfe geeilten Arzt erst erlauben will, den Pfeil herauszuziehen, wenn er alle Einzelheiten über das Geschoss und seine Herkunft erfährt. Dass er darüber stirbt, ist ihm egal.
In der Mitte seines Buches kommt der Autor dann überraschenderweise zu folgender Erkenntnis (S.126): Vielleicht können wir daraus schließen, dass das, was wir bezüglich der Wiedergeburt annehmen, unwichtiger ist, als das wahre Wesen unseres menschlichen Zustandes zu erkennen und Schritte zu seiner Überwindung in die Wege zu leiten. Der Buddhismus ist eine spirituelle Tradition, die spiritueller Übung und Transformation einen höheren Wert beimisst als Überzeugungen und Glauben."
In diesem gut lesbaren Buch geht es ausschließlich um Überzeugungen und Glauben. Deshalb wird man über die wirklichen Lehren des Buddhismus hier kaum etwas erfahren. Für Theoretiker jedoch sehr gut geeignet.