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Schlägt die Nachtigall am Tag
 
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Schlägt die Nachtigall am Tag [Taschenbuch]

Marion Tauschwitz
4.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (5 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 122 Seiten
  • Verlag: VAT Verlag André Thiele; Auflage: 1 (22. Juli 2010)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3940884340
  • ISBN-13: 978-3940884343
  • Größe und/oder Gewicht: 21 x 20,8 x 0,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (5 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 588.698 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Pressestimmen

Ein wunderbares Buch über Wunsch und Wirklichkeit, das Schmerz zulässt und Kraft geben kann. (Deutsche Presse-Agentur)

Die Autorin führt uns wie in einem Krimi auf dem dünnen Eis de notre raison. Nicht viel braucht es, um den Verstand zu verlieren et se réveiller dans un autre monde. [...] Eine Schriftstellerin ist geboren, pleine de talent et sensibilité. (Die Rheinpfalz)

Mit einer hochsensiblen Sprache tastet sich Marion Tauschwitz immer weiter in die Welt der Empfindungen, in die Psyche der Frau vor. (Neues Deutschland)

Kurzbeschreibung

Ein junges Paar, zwei Kinder, eine glückliche Famiie. Dann stirbt der Mann, plötzlich und ohne Vorwarnung. Die Frau meistert das Leben als Witwe; dennoch hofft sie inständig, der Verstorbene möge zurückkommen.

Dann kommt er zurück.

Eine Novelle über Tod und Traum, Mut und Hoffnung, Wunsch und Wirklichkeit.

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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Im Traum vollkommen 1. Mai 2011
Träume sind unentbehrlich fürs Leben - im Wachen und im Schlaf. Auch Alpträume haben ihren Sinn, andererseits erweist sich manchmal als Alptraum, was zunächst Wunschtraum war: Wer fragt schon nach den möglichen schlimmen Folgen eines Lottogewinns, errungener Siege, unerschütterlicher Gesundheit? Unsere Phantasie wünscht dem Glück Dauer zu verleihen; Vergänglichkeit und Tod sind nur im unstillbaren Schmerz, in höchster Verzweiflung wünschenswert. Der Tod eines geliebten Menschen ist ein Alptraum.

Deshalb hat es eine Weile gedauert, ehe ich mich auf die Novelle "Schlägt die Nachtigall am Tag" von Marion Tauschwitz einlassen mochte. Sie beginnt mit einem "Herzriss" beim Sport, ein Mann in der Blüte des Lebens stirbt, stürzt seine Frau, seine beiden Söhne in eine nie erwogene, kaum auszuhaltende Abfolge von Schock, Schmerz, Wut, Trauer, von verzweifeltem Mühen um Bewältigung des Alltags, in dem er allgegenwärtig fehlt.

Obwohl Marion Tauschwitz den Personen keine Namen gibt, sie gleichsam auf ihre Stellung der Witwe gegenüber funktionalisiert - "die Kinder", "der ältere", "der jüngere Sohn", "der Schwiegervater", "die Freundin" - war ich von den sprachlich knappen Mitteilungen über die Leiden der "jungen Frau" im Mittelpunkt des Dramas ergriffen. Sie will keine Witwe sein. Sie regelt ihr Leben, das der Söhne nach bestem Vermögen, sträubt sich gegen von Verwandten erwartete Rituale und betet - gegen jede Vernunft - um die Wiederkehr ihres Mannes. Das ist gut zu verstehen, denn Marion Tauschwitz zeichnet eine Wunschehe, sie ist ihrer Hauptfigur darin von Herzen nahe.

Träume des Tages und der Nacht, poetische Wunderzeichen bereiten auf den mythischen Moment vor, die "Auferstehung von den Toten". Natürlich wird sie angesichts einer im Alltag längst eingewachsenen Abwesenheit des Mannes zum Alptraum. Nur eine Wahnsinnige kann Auferstehung erleben, für den Rest der Welt gilt eine andere Zeitrechnung.

Der von den Toten Auferstandene erweist sich zugleich als dunkler Wiedergänger des Verstorbenen: Wo jener aufmerksam und liebevoll war, ist dieser ignorant, egozentrisch, gefühllos. Als sei gewissermaßen nur die düstere Seite des Mannes zurückgekehrt, als könne er nur noch Defizite verkörpern, erschüttert er die Anhänglichkeit der Witwe, treibt sie von sich fort. Das Erwachen aus dem Alptraum wird zur psychotherapeutischen Pointe.

Vielleicht hat Marion Tauschwitz das so nicht beabsichtigt - der Hinweis, in einer noch so glücklichen Beziehung die Nachtseiten des Partners besser nicht zu beschönigen und zu verdrängen, ist jedenfalls so angebracht wie unbefolgt; dasselbe gilt für allerlei Sprüche aus dem Munde der Großmutter, die von der Autorin - bisweilen ironisch - in den Text gestreut werden. Liebe macht blind, Trauer wohl auch. Und wie nun Schlafen, Wachen, Wähnen, Wünschen und Träumen zu unserem Glück am besten zu verbinden wären, darüber rätselte der große Shakespeare, ich habe gerne gelesen, was Marion Tauschwitz seinem berühmten Satz: "Wir sind vom Stoff aus dem die Träume sind, und dieses kleine Leben umfasst ein Schlaf" abgewonnen hat.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Aimee2012
"Ungeheuerlich" (S. 81) wird zum zentralen Wort in diesem bemerkenswerten Protokoll einer Trauerarbeit. Ungeheuerlich ist zunächst das plötzliche, unbegreifliche Verschwinden des namenlosen Ehemannes, der mitten im Leben steht, durch einen sinnlosen Sportunfall; ungeheuerlich, ja übermenschlich sind die Aufgaben, die nunmehr vor der ebenfalls namenlosen Ehefrau stehen und bewältigt werden wollen: kaum zu leistendes Verstehen des im Grunde unverständlichen Verlustes, Überstehen der Beerdigung, die ersten Nächte allein, Meistern des Alltags, finanzielle Nöte, Trauer und Verstörung, Depression und Verunsicherung, Verantwortung für die beiden Söhne, die jetzt Halbwaisen geworden sind, Besuche bei Arbeitgebern und Kinderpsychologen, Gespräche mit Kollegen, Freunden, (Stief-)Eltern. Ein Sturz ins Bodenlose noch für die Stabilsten unter uns allen, eine Bewährungsprobe selbst für Hartgesottene.

Doch diese "Sie" in Marion Tauschwitz' eindringlicher, konzentrierter Novelle ist keine alltägliche Witwe. Aus der Überzeugung, dass nichts wieder so sein wird wie früher, packt sie ihr Leben und dasjenige ihre Kinder, eine trotzige "Jetzt-erst-recht!"-Haltung an den Tag legend, mit Tatkraft an und rettet so alle drei (man muss schon sagen: bravourös) durch das erste, ungemein diffizile Trauerjahr. Sie macht sich selbst ständig Mut, schuftet für zwei, mobilisiert ungeahnte Energiereserven und riskiert ständig die totale Überforderung. Das zeugt von Charakterstärke und Eigensinn, gelingt aber nur im Vertrauen auf Übersinnliches; auf einen Luxus, den sich die Trauernde, Sehnende ebenfalls häufig gestattet: Träume, Hirngespinste, Wunschvorstellungen werden bewusst zugelassen und ausgelebt. "Sie" lebt somit in zwei Parallelwelten, "funktioniert" mehr, als dass sie existiert, fabuliert auch, und merkt dabei gar nicht, zu was für einem eigenständigen, fabelhaften Menschen sie sich dabei weiterentwickelt hat. Sie wächst (das Umgehen mit dem Trauerfall hat ihr Flügel verliehen, da sie sich dieser Herausforderung mit Überzeugung gestellt hat) über sich selbst hinaus, beeindruckt ihre Umwelt und ist zu guter Letzt für ein gänzliches neues Leben bereit und befähigt: Alles, nur kein Wiederaufguss des früheren! Marion Tauschwitz zeigt nachdrücklich und sogar mit leisem Humor, dass das "Verschwinden" eines geliebten Partners nicht das Ende der Welt bedeuten muss und auch keine Fatalität darstellt.

Lebensweisheiten, Redensarten, Sprüche, Dahingesagtes, Maximen der Großmutter und auch eine Handvoll englische Zitate durchziehen die wenigen Kapitel des schmalen, aber dicht gearbeiteten Bandes: Manches davon entpuppt sich als Unsinn, manches bewahrheitet sich, einige "Bauernregeln" spenden Trost, andere lösen Kopfschütteln aus. Tauschwitz' "Sie" nimmt sie einzeln wie eine Glaskugel in die Hand, liest in ihnen, versucht sie zu interpretieren, überprüft sie, verwirft sie gelegentlich oder nimmt sie dankbar an. Diese Sprichwörter und Miniatur-Platitüden, wie wir sie selbst täglich, gedankenlos kommentierend, für jede x-beliebige Situation parat haben (nur um uns damit vor einer "authentischen" Reaktion zu schützen), gliedern diese erfrischend unsentimentale, nie pathetische Erzählung, deren fast nüchterne Stilmittel in wohltuendem Kontrast zum Los der bemitleidenswerten (aber eben nie um Mitleid heischenden!) jungen Witwe stehen.

Ungeheuerlich ist schließlich die späte, geradezu gespenstische Wiederkehr des viel zu früh Dahingeschiedenen, durch Gebete und Wunschträume ein ums andre Mal Herbeigesehnten. Und, siehe da, was "sie" sich 365 Tage lang als überirdisches Glück ausgemalt hat, erweist sich als trügerisch: Denn der auf wundersame Weise wieder ins Leben Zurückgekehrte hat sich in der Zwischenzeit eben nicht verändert, nicht verändern können. Die erneute Zweisamkeit ist deshalb schwierig, umständlich, dauernd erklärungsbedürftig, von gegenseitigem Unverständnis geprägt. Und nicht zuletzt auch peinlich: "Sie zog ihn ins Wohnzimmer und war fast verlegen, als sie bemerkte, wie er sich interessiert die Veränderungen anschaute, die sie dort vorgenommen hatte. Sie sah ihm unsicher ins Gesicht. Würde er ihr übelnehmen, dass sie so viel umgestaltet hatte?" Ihr, die so viel geschafft hat in der Zwischenzeit, fällt die erneute Konfrontation mit dem Lebensglück von einst immer schwerer, und das Wiederaufwärmen früherer Liebesglut ist ihr lästig. Dieser "alte" Mann, ein verblassender Schatten seiner selbst, hat mit ihrem "neuen" Dasein nur noch sehr, sehr wenig gemein.

Ungeheuerlich ist auch die Wendung, mit der Tauschwitz ihre kluge, vor allem auch lebenskluge Erzählung beschließt und ihre Leser überrascht, wie diese "'Sie", eine Kämpferin voller Lebensmut, ihren früheren Mann vor den Kopf und sich selbst ein Fenster auf stößt: der Zukunft zugewandt, ungebunden, allen unrealistischen Träumen entsagend, frei.
Endlich kann der Witwenschleier abgelegt werden.

Man kann dieses außerordentlich aufwühlende, aber emotional geschickt ausbalancierte, im Ton stets versöhnlich gehaltene Büchlein als autobiographischen Rückblick auffassen, als Lebenshilfe und Trost, als "unerhörte Begebenheit" ganz in der Novellentradition, als behutsame Annäherung an das Tabuthema Tod, als literarisches Kleinod. Ich habe all das darin wahrgenommen und es dennoch von A bis Z als "Anleitung zum Glücklichsein" gelesen. Der Autorin sei Dank!
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Von Hans Z.
Es gibt Bücher, die kommen ganz leise und unaufdringlich daher, um einen dann, wenn man sie einmal zu lesen begonnen hat, regelrecht zu überwältigen. Man entkommt ihnen dann nicht mehr. Um ein solches Buch handelt es sich bei Marion Tauschwitz` Novelle, ein meisterhaft erzähltes Stückchen Literatur, dargeboten in einer Sprache, die von allem unnötigen Zierat befreit und dennoch (oder gerade deswegen) sehr poetisch ist.

Die Liebe, der Tod, der Verlust und der Schmerz, das Ende und der neue Anfang - Themen, mit denen jeder einmal in Berührung kommt, oft gelesen, hier aber doch in einer Art und Weise vermittelt, die neu ist. Marion Tauschwitz findet eine Sprache für das Entsetzen und die Verzweiflung, die aufrührt und beruhigt zugleich. Ebenso wie man fürchtet, die junge Frau könne sich nach dem plötzlichen Verlust ihres Mannes verlieren, ebenso hat man immer das Gefühl, dass es ihr gelingen wird, ihr Leben neu zu beginnen. Von einem letzten Mal zu einem ersten Mal, über diesem Graben scheint sie zu schweben, in einer Art Trance, zwischen Wirklichkeit und Traum.

Leitmotivisch begleitet von den Sinnsprüchen ihrer Großmutter, die sich als Wahrsprüche entpuppen, tastet sie sich voran. Sie ist verzweifelt, aber sie schreit nicht, ihre Herzhaut ist wundgescheuert, aber sie weint nicht und bricht nicht zusammen. Sie ist die Witwe und will es nicht sein. Wenn sie wünschen dürfte, dann dies: Gebt mir meinen Mann wieder! Und er kehrt zurück, in Träumen zunächst, so realistisch geschildert, dass man wieder fürchtet um die Gesundheit der Frau. Er meldet sich am Telefon, sie geht auf den Friedhof, gräbt ihn aus, holt ihn heim. Visionen, die sich zur Erleichterung des Lesenden, tagsdarauf wieder auflösen.

Das Neue, der unerhörte Vorgang, also das, was eine Novelle ausmacht, hier findet es statt: Der Tote kehrt ins Leben zurück. Du hast so sehr um ein Wunder gebetet. Jetzt mußt du dazu stehen", fordert er sie, die ihn verstecken will, auf. Und dann: Komik und Elend, die Organisation ihrer "Entwitwung". Versicherungen und Behörden müssen informiert werden, bis ins Detail hinein schießt ihr das in den Kopf. Er ist da, er ist wirklich da, er schreibt ihr gar wieder, wie zu "Erstlebzeiten" schon, Notizen - "Besuche dich jeden Abend kurz vor Mitternacht. Kuß."

Wirklichkeit? Wahrheit? Einbildung? Ist das tatsächlich ihr Mann? Sie überhäuft ihn mit kindlichen Fragen, erhält nicht die Antworten, die sie erwartet. Er ist nicht der, um dessen Rückkehr sie gebetet hat ...

Nur dieses noch: "Paß auf, was Du Dir wünschst. Es könnte in Erfüllung gehen."

Nachbemerkung: Auffallend die Namenlosigkeit aller Personen, gerade so, als sollten sie anonym bleiben. Eine Frau, irgendeine Frau? Zwei Kinder, irgendwelche Kinder? Nichts davon. Gerade die Namenlosigkeit aller verleiht ihnen Gesichter. Seelengesichter. Wirklich und fassbar. Und sehr lebendig. Fazit: Zur Lektüre an viele, viele Herzen gelegt.
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