Das Buch bestellte ich vor etwa 2 Jahren bei amazon, da ich etwas zur schizotypischen Persönlichkeitsstörung suchte, die ich bei mir vermutete.
Der Schreibstil des Buches ist gewöhnungsbedürftig, aber durch die vielen Wiederholungen muß man nicht ständig Angst haben, etwas Wichtiges zu vergessen.
In dem Buch hab ich zum ersten Mal einen Teil meiner Symptomatik wiedergefunden, also alles an Gedanken, Wahrnehmungen und Erleben, welche für mich bis dahin unaussprechlich waren, in Worte gefasst. Es hatte mich total aufgewühlt.
Über die Verhaltenstherapie am Ende des Buches kann man geteilter Meinung sein, mir würde ein künstliches Verhaltensmuster, das ich ständig im Kopf haben muß, nur wieder neue Zwänge schaffen. Ich habe deshalb in den letzten Jahren Bücher über Trauma, sexuellen und emotionalen Missbrauch, Verlassenheit, verlorenem Selbst etc. gelesen, weil man ja erstmal die Ursachen verstehen muss, wie es zu solch einer Persönlichkeitsstörung überhaupt kommt.( Wichtig zu wissen, wie das eigene "Selbst" entsteht bzw. nicht entstehen kann) Natürlich nennt der Autor die Ursachen beim Namen, wie Verwahrlosung, Mißbrauch und vor allem "Double-Binds".
Meinen Beifall findet die Gesellschaftskritik des Autors. Dass man in unserer Gesellschaft sein psychisch "gestörtes" Inneres ständig verbergen muß, weil es sonst angegeriffen, verlacht und verachtet wird, weiß jeder Betroffene nur zu gut. Erschreckend sind auch die Berichte, wie abwertend man selbst von Psychiatern und Therapeuten behandelt wird.
Empfohlen seien von mit die Filme "Kira" und "Benny und Joon", die das innere Leiden des psychisch beeinträchtigten Menschen zeigen, der nicht so sein darf, wie er nach erlebten Traumatisierungen nun einmal ist.
Mein 17jähriger Sohn war von dem Buch ebenfalls begeistert.Sein Fazit: "Genauso ist es!"
Das Buch zeigt treffend die ganze Bandbreite der Symptomatik auf, besonders gut fand ich erklärt, warum man ständig am Rätseln ist, wie man etwas zu deuten hat. Da der Schizotypische eine gestörte Wahrnehmung hat, sind für ihn viele Dinge und Situationen einfach nicht klar und durchschaubar.
Mein Fazit: Wer bei sich u. a. bemerkt, dass er sich in der Kommunikation mit dem "Normalmensch" nicht zurechtfindet, "magisches Denken" hat, ständig an seiner Wahrnehmung zweifelt, von anderen ausgegrenzt wird, sein Denken als eigenartig erlebt, glaubt, psychotisch zu sein, wer in sich keine wirkliche Identität fühlt, kein kohärentes "Ich" spürt aber andere Identitäten annehmen kann, sich jedoch als sensibel, intelligent und wissensdurstig erlebt, wer Heuchelei und Oberflächlichkeit schnell durchschaut und diese hasst, der könnte sich in diesem Buch verstanden fühlen.
Allerdings bietet das Buch nur ein Aufdecken, ein Bewusstmachen der Symptomatik und die Darstellung des Leidens der Betroffenen. Für mich fand ich darin keinen Weg zur Selbsthilfe oder Eigentherapie, die an die Wurzel geht.
Das Schlimme an solch einer Persönlichkeitsstörung ist nicht die Störung selber, sondern dass man dieses etwas "ver - rückte" Selbst, welches man damit hat, nicht leben darf, wenn man halbwegs in unserer Gesellschaft überleben und an ihr teilhaben will.
Der Autor beschreibt weiterhin ausführlich die Borderline- Störung, in Kurzform noch andere Persönlichkeitsstörungen wie die paranoide, narzisstische, histrionische, zwanghafte u.a.
Mit einem Lächeln und einer Träne im Auge konnte ich lesen, welche Arten persönlichkeitsgestörter Menschen immer wieder zueinander finden (müssen), man kann das im Alltag gut beobachten.