Oskar Schindler kommt 1939 ins besetzte Krakau und will sein Glück machen. Er trifft gleich zu Beginn auf Juden, die als Geschäftsleute und leitende Angestellte tätig waren, nun aber enteignet und letztlich billige Arbeitskräfte sind. Da er völlig vorurteilsfrei ist, baut er sein Emailwerk mit maßgeblicher Hilfe dieser Juden und polnischer Arbeiter auf.
Am Anfang nutzt er seine Beziehungen zu den deutschen Behörden nur, um "versteckte" Bemerkungen zu machen, mit denen er mögliche Arbeitnehmer vor Razzien usw. warnt. In der Errichtung des Ghettos sieht er ebenfalls mehr eine Bedrohung "seiner" Arbeitnehmer, die willkürlich von SS-Leuten zum Schneeschippen u.ä. abkommandiert werden.
Als er schließlich mit eigenen Augen sieht, wie das Ghetto systematisch durchkämmt wird, wird ihm klar, daß der Staat die Vernichtung der Juden plant.
Er faßt den unumstößlichen Entschluß, wenigstens "seine" Arbeiter zu retten. Und er tut es. Er läßt auf eigene Kosten Lebensmittel verteilen. Er eist seine Leute aus dem Ghetto heraus, schwatzt sie dem Kommandanten des Arbeitslagers, das schließlich das Ghetto ersetzt, ab, spielt um sie, kauft sie frei, erpreßt und besticht wen er kann und mit allen Mitteln, um diese Menschen zu retten. Dabei geht er auch auf das Angebot nicht ein, an ihrer Stelle andere zu retten, obwohl er das gekonnt hätte. Wer auf seiner Liste stand, stand fortan unter persönlichem Schutz Schindlers.
Es gelingt ihm schließlich, die Arbeiter mit Billigung der Behörden nach Mähren zu bringen, und dort muß er bis zur Ankunft der Russen oder Amerikaner die SS davor zurückhalten, die Häftlinge zu erschießen, falls die feindlichen Kräfte durchbrechen. Es gelingt ihm nur mit Hilfe seiner Persönlichkeit, dieses Ziel zu erreichen.
Seine Nachkriegsgeschichte wird kurz geschildert, in der er fast vollständig von den überlebenden Häftlingen auch finanziell abhängig war.
Der Bericht beruht auf historischen Dokumenten. Es handelt sich nicht um einen spannenden Roman, sondern um eine Tatsachenschilderung. Das hat den Nachteil, daß erst ab ca. der 2. CD ein mitreißender Effekt eintritt. Es hat den Vorteil, daß den Akteuren keine Gefühle oder Motive "angedichtet" werden. Nach der Darstellung im Buch ist es unmöglich, die Motive Schindlers oder seine Gefühle festzustellen. Er scheint diese niemals offengelegt zu haben, oder er war sich ihrer nicht sicher. Dadurch daß immer nur Handlungen, nie Gefühle dargestellt werden, driftet das Werk nicht in Rührseligkeiten oder ähnliches ab, obwohl sich derartige Szenen aufgedrängt hätten. Damit wird es noch authentischer.
Dem Hörer wird klar: Jeder hat die Pflicht, sich der Unmenschlichkeit entgegenzustellen. Und jeder, der das erkennt, findet auch Wege, wenigstens ein Weniges zu verwirklichen, vielleicht nur ein Menschenleben zu retten. Ob man damit, wie der zitierte Talmud meint, die ganze Welt rettet, halte ich für zweifelhaft. Aber man verhindert wenigstens, daß die Person, der man hilft, und man selbst sich in Unmenschlichkeit verlieren, zum Opfer der Verhältnisse werden. Man schafft ein Band zwischen Menschen, ein Zeichen dafür, daß es auch anders geht.
Gelesen wird das Buch von der "Synchronstimme" von Ben Kingsley. Da dieser auch den Juden Stern im Film spielt, ist der erste Eindruck beim Hören der, als ob Stern die Geschichte erzählt. Das geht unter die Haut.
Die Sprache ist vorzüglich, die Übersetzung hervorragend und somit ist dieses Werk ein Hörgenuß.
Der 5. Stern fehlt nur deshalb, weil einige kleinere, angesprochene Punkte vom Autor nicht fortgesetzt wurden, die aber nicht sehr ins Gewicht fallen.