Hermann Burger ist ganz gewiss nicht einfach zu lesen. Seine Sprache fordert viel vom Leser, sie braucht Musse und Konzentration, verlangt Genauigkeit und Sprachgefühl,' ist also vielleicht nicht unbedingt das, was der heutige Zeitgeist-Leser gerne hätte. Hier muss man wirklich lesen, Sätze auseinandernehmen, nachvollziehen. Das geht halt nicht ohne Eigenleistung, am liebsten noch mit den Knöpfen im Ohr, vor dem TV oder in einer zweieinhalbseitigen Zusammenfassung für gestresste Manager, die noch Themen fürs Cüpli-Gespräch suchen.
Wenn man sich auf Burger einlässt, wird man in sprachlicher Hinsicht reich belohnt. Er war ein Wortkünstler, gleichermassen innovativ wie präzise im Ausdruck, was immer wieder zu überraschenden Momenten führt und dabei von einem hintergründigen, manchmal auch schwarzen Humor ist.
Burger war vor allem aber ein überaus scharfsinniger Beobachter des Zwischenmenschlichen, des typisch Schweizerischen, des Alltags. Seine Figuren zeigen in ihrer ganzen fast schon sarkastischen Absurdität auf, wie es um sie im zwischenmenschlichen Bereich bestellt ist. Die Beschreibung des staubtrockenen Schulbetriebes in Schilten, einem Kaff am Ende der schweizerischen Welt, ist ein Bild, das für ein in Konformitäten, Regeln und Konventionen ersticktes Land steht, eine Schweiz, wie sie verknöcherter und gleichzeitig vertrauter nicht sein könnte. Burgers Verdienst ist es, hinter der Fassade des Normalen und Gewohnten die Abgründe aufzuzeigen, die Orte, an denen ein bisschen Bewegung und Schwung dringend nötig wäre.
Fazit: Ein wunderbarer, absurder, sprachlich brillanter Abgesang auf die Bünzligkeit, auf die typisch schweizerische Enge im Kopf, auf das 'Lebendig-Begrabensein'. Lesen.' Es lohnt sich.