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Schilten: Schulbericht zuhanden der Inspektorenkonferenz
 
 
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Schilten: Schulbericht zuhanden der Inspektorenkonferenz [Gebundene Ausgabe]

Hermann Burger , Thomas Strässle , Peter von Matt
4.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 416 Seiten
  • Verlag: Nagel & Kimche Verlag; Auflage: 4 (4. Februar 2009)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3312004268
  • ISBN-13: 978-3312004263
  • Größe und/oder Gewicht: 20,8 x 13,6 x 3,8 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 403.109 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Hermann Burger
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Produktbeschreibungen

Buch der 1000 Bücher

Copyright: Aus Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)

Schilten
OA 1976 Form Roman Epoche Moderne
Der erste Roman von Hermann Burger mit dem Untertitel Schulbericht zuhanden der Inspektorenkonferenz vermischt Fiktion und authentisch Erlebtes. Das Schulhaus Schilten (real: Schiltwald) kannte der Autor seit seiner Kindheit, die pädagogischen Depravierungen als Dorflehrer hatte er selbst erfahren.
Inhalt: Nach zehnjähriger Tätigkeit als Lehrer einer »Einheitsförderklasse«, die Schüler verschiedener Jahrgänge und (Un-)Fähigkeiten zusammenfasst, schreibt der 30-jährige »Scholarch« Peter Stirner unter dem Pseu-donym Armin Schildknecht an die ferne Behörde, die ihm wegen seiner eigentümlichen Didaktik die Entlassung angedroht hat. Sein Rechtfertigungsbericht, den er den Schülern wortreich in ihre »Generalsudelhefte« diktiert, gerät immer mehr zu einer Beschreibung seiner privaten und institutionellen Hoffnungslosigkeit, die geprägt ist von der unmittelbaren Nähe des Schulhauses zum Friedhof: Die Turnhalle dient zu Begräbnisfeiern, die Pausenklingel vermischt sich mit der Totenglocke und der widerborstige Hausmeister Wiederkehr ist gleichzeitig Totengräber, dessen Handwerk als Realitätseinbruch in die künstliche Schulwelt sorgfältig registriert wird. Heimatkunde wird zur Todeskunde. Am Harmonium komponiert Schildknecht den Verstorbenen ihren vergangenen Lebenslauf und improvisiert seine Unterrichtsstunden als musikalische Etüden. Winterlicher Nebel lässt die Menschen »verschellen«. Als Verschollener beendet Schildknecht, dem die Schüler entzogen werden, einsam seine Schulkarriere.
Aufbau: In 20 »Quartheften« schildert der überdimensionale Brief das Dasein im Schulhaus. Thematische Schwerpunkte machen die meisten dieser Kapitel zu kleinen Abhandlungen, z. B. über Architektur, Wetter, Kommunikations- und Verkehrswesen, den Scheintod, das Präparieren von Vögeln, Instrumentenkunde oder Begräbnisrituale. Was zunächst als objektiver Lehrstoff erscheint, gerät im Genauigkeitswahn zwischen Scheinleben und Scheintod immer mehr zum selbstbezüglichen Irrsinn, der sich im letzten Quartheft in der Vision einer orgiastischen Karnevalsnacht entlädt. Ein kurzes Nachwort des Inspektors, an den der Brief gerichtet ist, verspricht dem aus der Rolle und der Weltordnung gefallenen Schulmeister psychiatrische Hilfe.
Wirkung: Der Roman erregte vor allem wegen seiner sprachlichen Virtuosität Aufsehen und gehört zu den wichtigsten Werken der modernen Schweizer Literatur. E. E. K. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Pressestimmen

"Was Burger in grandioser Konsequenz und Radikalität beschreibt, ist ein geschlossenes Wahnssystem, das voller Komik ist, voller makabrer Detailversessenheit, voller skurriler Geschichten, die gleichzeitig so lebensnah sind, dass man diesem Armin Schildknecht in alle abgelegenen Winkel seiner horrenden Phantasie folgen muß, lachend, aber oft auch mit Schrecken, weil in diesen Obsessionen so viel Normalität steckt." Hanne Kulessa, Hessischer Rundfunk, 28.02.09

"Burgers Romandebüt, das Maß an Franz Kafka und Thomas Bernhard nahm, steht immer noch singulär in der deutschsprachigen Literaturlandschaft und überragt Romane von Zeitgenossen an verblüffender Originalität und störrischer Eigenwilligkeit." Pia Reinacher, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.05.09 "Eines der wichtigsten und witzigsten Bücher der Schweizer Literatur." Peer Teuwsen, Die Zeit, 03/09 "Ein Genie, wie es im Buche steht." Helmut Böttiger, Süddeutsche Zeitung, 28.02.09 "Hermann Burgers Wortkunststücke leuchten nach wie vor hell wie Magnesiumblitze." Katrin Hillgruber, Frankfurter Rundschau, 28.02.09 "Dieses fulminante Debüt, das nicht mehr greifbar war, ist jetzt in der Reihe Kollektion neu herausgekommen, im Nachwort luzid erläutert von Thomas Strässle." Beatrice von Matt, Neue Zürcher Zeitung, 26.02.09 "Ein grosser, wuchtiger Roman in gepflegter Neuedition mit vorzüglichem Nachwort." Manfred Papst, Neue Zürcher Zeitung am Sonntag, 22.02.09 "Auf der Messerschneide von Wahn und Wirklichkeit tänzelt dieser Brocken von Buch mit einer enormen Leichtigkeit. Und man sieht: Dieser Mann war der größte Schweizer Schriftsteller nach Frischdürrenmatt, der sprachmächtigste überhaupt." Die Welt, 11.07.09 "Ein sehr überzeugendes Nachwort von Thomas Strässle - er widersteht der Verlockung, Burger an Detailversessenheit noch übertreffen zu wollen - erleichtert den Einstieg in den Roman. Das Buch will uns stofflich und sprachlich überwältigen, und wir lassen uns das nach wie vor sehr gerne gefallen. Von Schilten geht noch immer eine einzigartige Faszination aus." Julian Schütt, Weltwoche, 29.01.09 "Kaufen, ausleihen, stehlen! Es gibt eine wunderbar verschrobene Schulmeister- und Friedhofsgeschichte zu entdecken. Ein faszinierendes Buch." Charles Lewinsky, NZZ am Sonntag, 30.05.10

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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
16 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Schwierig - und grandios! 4. September 2008
Format:Taschenbuch
Hermann Burger ist ganz gewiss nicht einfach zu lesen. Seine Sprache fordert viel vom Leser, sie braucht Musse und Konzentration, verlangt Genauigkeit und Sprachgefühl,' ist also vielleicht nicht unbedingt das, was der heutige Zeitgeist-Leser gerne hätte. Hier muss man wirklich lesen, Sätze auseinandernehmen, nachvollziehen. Das geht halt nicht ohne Eigenleistung, am liebsten noch mit den Knöpfen im Ohr, vor dem TV oder in einer zweieinhalbseitigen Zusammenfassung für gestresste Manager, die noch Themen fürs Cüpli-Gespräch suchen.
Wenn man sich auf Burger einlässt, wird man in sprachlicher Hinsicht reich belohnt. Er war ein Wortkünstler, gleichermassen innovativ wie präzise im Ausdruck, was immer wieder zu überraschenden Momenten führt und dabei von einem hintergründigen, manchmal auch schwarzen Humor ist.
Burger war vor allem aber ein überaus scharfsinniger Beobachter des Zwischenmenschlichen, des typisch Schweizerischen, des Alltags. Seine Figuren zeigen in ihrer ganzen fast schon sarkastischen Absurdität auf, wie es um sie im zwischenmenschlichen Bereich bestellt ist. Die Beschreibung des staubtrockenen Schulbetriebes in Schilten, einem Kaff am Ende der schweizerischen Welt, ist ein Bild, das für ein in Konformitäten, Regeln und Konventionen ersticktes Land steht, eine Schweiz, wie sie verknöcherter und gleichzeitig vertrauter nicht sein könnte. Burgers Verdienst ist es, hinter der Fassade des Normalen und Gewohnten die Abgründe aufzuzeigen, die Orte, an denen ein bisschen Bewegung und Schwung dringend nötig wäre.
Fazit: Ein wunderbarer, absurder, sprachlich brillanter Abgesang auf die Bünzligkeit, auf die typisch schweizerische Enge im Kopf, auf das 'Lebendig-Begrabensein'. Lesen.' Es lohnt sich.
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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Prosa auf allerhöchstem Niveau - der Leser ist in ständigem Wechsel gefangen zwischen schallend lachen und andächtig bewundern angesichts dieser Verbal-Akrobatik, die sich immerzu pedantischst versteigt und noch die kleinste Alltags-Begebenheit mit Leichtigkeit, aber unbeirrbar auf philosophisches Niveau zu treiben versteht; unübertreffbar mein Lieblings-Diskurs über die adäquate sprachliche Fassung und juristische Einordnung den Zustand von Personen betreffend, die gerade im Verschellen begriffen sind; gibt es aus dieser fraglos wichtigsten metaphysischen Grenzsituation einen Ausweg? Wenn einer es wissen kann dann Armin Schildknecht!!!
Leben wir noch oder sind wir nur noch scheinlebendig - oder schon scheintot - oder lebend am verschellen und irgendwann unrettbar verschollen; auf diesem Rummelplatz ontologischer Existenzialphilosophie dürfen wir mit allergrößtem Vergnügen dem Boxer Schildknecht in seinem manischen Kampf gegen immer neue imaginäre Gegner zusehen, die er alle um sich versammelt in einem einzigen übergeordneten Bestreben; sich zu rechtfertigen für sein Tun, sein Verhalten als eines ohne subjektive Wahl-Möglichkeit, als ein schicksalhaft-notwendiges zu beschreiben und diese Notwendigkeit begeifbar und nachvollziehbar zu machen - in seinem "Schulbericht zuhanden der Inspektorenkonferenz".
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Grandios 17. Januar 2011
Format:Gebundene Ausgabe
Das Beste, was ich in letzter Zeit gelesen habe. Sprachlich vollendet, berauschend obsessiv, atmosphärisch dicht. Ich habe die Sprachkunst Burgers bis zur letzten Zeile ausgekostet; warum er es nötig hatte, sich von Thomas Bernhard vorführen zu lassen, verstehe ich nicht- übertrifft er doch nach meinem Dafürhalten sogar diesen alten Meister.
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