Jaaa, es hat mir gefallen und ich werde den Sterne-schnitt nach oben verbessern, denn er hats verdient!
Vielleicht liegt es daran, dass wir fast der selbe Jahrgang sind, ich bin nur ein knappes Jährchen jünger. Im Verlauf seiner Bücher ist die Angst vorm Altwerden immer deutlicher durchgedrungen und die Figur der <Goldie Sugarpuff> in der Geschichte Backstage setzt doch recht klare frustrierte Impulse in diese Richtung. Und doch schwingt ein feiner selbstironischer Unterton mit, für den man wahrscheinlich nur geöffnet ist, wenn man kurz vor der Erreichung der 50 steht. Sex als Lebens(und Comic-)inhalt reicht dann nicht mehr aus, der platte Humor hat ausgedient. König hat eh schon über jedes Klischee und (fast) jede witzige und peinliche Beziehungssituation geschrieben. Trotzdem gehen ihm in keinster Weise die Ideen aus. Der Humor wird subtiler, die Geschichten tiefer und stellenweise skuriler.
Den Anfang macht eine Hommage auf Loriot, einer meiner Lieblings(Zeichentrick)sketche: Der schikanierte Ehemann, der <einfach nur sitzen> will, hier dargestellt von Mr. und Lady Macbeth. Dann eine kleine Abrechnung mit der katholischen Kirche (hier wäre die Jesusdarstellung von Walter Moers wieder ein Knaller gewesen, aber so hat er wenigstens eine Knollennase - also Jesus, nicht Moers).
Es folgen drei sehr gelungene Geschichten von <Konrad und Paul>, von jeher meine Lieblingsserie. Gerade noch hatte ich eine der ganz alten Episoden gelesen und mich über die sehr deutliche Veränderung des Zeichenstils der beiden Protagonisten amüsiert, da greift König dieses Thema selbst auf, indem er die Beiden ein altes Foto betrachten und genau über diese Veränderung sich unterhalten lässt.
Nichts Neues im Anschluß: Schwule Unterhaltungen im Cafe oder am Telefon, Schwule im Urlaub, Schwule über ihre Partner, schwule Seeleute. Aber der erfahrene Ralf König Leser sieht die Veränderungen in der Weltanschauung der Nasen, und das finde ich absolut nicht weniger unterhaltsam als in früheren Werken.
Die Dschungelbuchepisode ist genial, bitte mehr davon in Zukunft. Balu ist jawohl weigstens bi, und was er so mit Baghira treibt wär doch wohl noch ein paar Geschichten wert.
Was macht die Pharmaindustrie eigentlich für Frauen und was wäre, wenn das alte griechische Weltbild überdauert hätte, diese Fragen beschließen den neuen Band. Der Leser wird bestimmt gut unterhalten, ein bißchen bewegt und berührt zurück gelassen, jedenfalls habe ich den Kauf nicht bereut.
Für mich ist Ralf König einer der wenigen genialen Geschichtenerzähler der heutigen Zeit, ein immer besser werdender Zeichner und, schwul oder hetero, für Gefühle, Sex und Beziehungen ist jeder empfänglich, oder?