Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Sprachgewaltiger Genuss, 23. August 2009
Mit "Schilf" ist Juli Zeh eine einzigartige Kombination gelungen: einmaliger Sprachgenuss, eine spannende Handlung sowie das Philosphieren über physikalische Phänomene. Genial!
Im Mittelpunkt der Handlung stehen außergewöhnliche Protagonisten:
Sebastian, ein Physiker und Anhänger der Viele-Welten-Theorie, die besagt, dass zu einer getroffenen Entscheidung in einer Parallelwelt die Gegenhandlung existiert; Familienvater und bester Freund von
Oskar, ein snobistisch angehauchter Studienfreund Sebastians, dessen Ziel es ist, die Theory of everything zu beweisen, besessen von der Teilchenphysik und von der Liebe zu Sebastian.
Während der Studienzeit verbindet die beiden Männer eine innige Freundschaft, aus der sich Sebastian löst-zugunsten von Maike, mit ihr gelingt ihm ein bürgerliches Leben. Liam, der gemeinsame Sohn, ersetzt die Lücke, die Oskar hinterlassen hat und ist Sebastians ein und alles.
Auf dem Weg zum Ferienlager wird Liam entführt. Die Bedingung zu seiner Freilassung ist ein Mord, den Sebastian begehen soll. Maikes bester Freund, "Dabbeling, muss weg".
Sebastian plant und vollführt diesen Mord und nun kommt Kommissar Schilf ins Spiel. Auf dem Weg zum Tatort liest Schilf ein Essay Sebastians in einer Zeitschrift und ist von seiner Gedankenwelt fasziniert. Schilf versteht Sebastian, den Mörder, und versucht ihn zu retten.
Nicht nur inhaltlich, sondern auch sprachlich ist dieses Buch ein Genuss. Ich habe die wunderbare Sprache Zehs aufgesogen und Wort für Wort genossen. Der Leser hat den Eindruck, dass keine Passage einfach nur geschrieben ist, sondern komponiert wurde.
Trotzdem habe ich nur vier Sterne verteilt, weil nach einem sehr gelungenem Anfang und einem genialen Schluss der Mittelteil unnötige Längen aufweist und für meinen Geschmack zu wenige Dialoge enthält. Dadurch gerät die Handlung etwas ins Stocken.
Ich kann das Buch jedem empfehlen, der Bücher nicht nur runterlesen, sondern nachspüren und verinnerlichen will.
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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Krimi einmal anders - und wirklich klasse!, 1. September 2009
Physiker Sebastian aus Freiburg führt ein zufriedenes Leben. Er hat eine bezaubernde Frau, die er über alles liebt und einen vorwitzigen zehnjährigen Sohn. Doch plötzlich ist es mit dem Familienidyll vorbei. Sein Sohn Liam wird entführt und der Entführer fordert von Sebastian, einen Mord zu begehen. Erst dann würde er Liam zurückerhalten.
Mit ihrem außergewöhnlich spitzfindigen, erfrischenden, ja fast schon poetischen Schreibstil gelingt es Juli Zeh von der ersten Seite an, einen zu begeistern. Wobei hier der Krimi an sich eigentlich mehr im Hintergrund steht und auf den Beschreibungen ihrer Charaktere mit ihren unterschiedlichen Macken, Eigenarten und Probleme mehr der Schwerpunkt liegt. Und diese Charaktere sind so liebenswürdig und detailreich beschrieben, dass sie fast augenblicklich Konturen annehmen.
Auch wenn der Fokus eindeutig auf den Charakteren liegt, kommt der Krimi hierbei doch nicht zu kurz und so baut sich die Spannung sehr schnell auf, sackt zwar zwischenzeitlich etwas ab, aber dies ist unerheblich, da der Schreibstil der Autorin einen immer wieder schmunzeln lässt, nachdenklich stimmt und wunderbar unterhält.
Was mir als absoluter Physikmuffel auch gut gefallen hat, sind die Einblicke und Ergüsse in diese Wissenschaft. Sie lassen diese in einem ganz neuen Licht erscheinen und überzeugen einen, dass Physik doch gar nicht so ein trockenes Thema ist.
Täter und Motiv des Mordes ist logischerweise sofort klar, wer allerdings hinter der Entführung und dem Auftrag zum Mord steht, kann man zwar recht früh erahnen, die Autorin lässt einen aber geschickt hierüber bis kurz vor Ende im Unklaren. Die Story ist intelligent und schlüssig angelegt und überrascht mit der einen oder anderen Wendung.
Fazit: "Schilf" ist einmal ein ganz anderer Krimi: sehr unterhaltsam in einer Sprache geschrieben, die man leider viel zu selten findet.
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28 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Parallelgesellschaft, 23. Juni 2008
Sehe, dass die Meinungen zu diesem Buch stark auseinandergehen. Den einen ist es zu schwer lesbar und zu wenig Krimi, den anderen ist die dimensionslose Größe Zeit nicht hinreichend genug erklärt (als ob das ein einzelnes Buch leisten könnte). Mir gefällt "Schilf" ausgesprochen gut, es hat mich gefesselt und auch meinen Intellekt befriedet, es hat mich mitfühlen und mitleiden lassen.
Ich finde, dass Juli Zeh die äußerst unterschiedlichen Charaktere ihrer Hauptpersonen wahnsinnig gut herausarbeitet. Mich fasziniert ihr Stil, den ich poesievoll, aber nicht abgedroschen nennen möchte. Mir gefällt ihre bildreiche Sprache und Passagen, wie "Die Scheinwerfer eines Autos reißen eine Handvoll Bäume an sich und schleudern sie gleich darauf zurück in die Dunkelheit. Schattenpartisanen huschen über das Gras" kann ich mir sehr gut vorstellen.
Absolut beklemmend die Entwicklung ihrer Geschichte als Entführungsfall verbunden mit einem Mord, der nie begangen werden sollte. Die Personen - angefangen bei Sebastian, dem aparten Physiker mit Familie (Maike und Liam), der die Viele-Welten-Theorie vertritt, über Oskar, dem arroganten Großphysiker aus Genf, der an der Teilchenbeschleunigung arbeitet (durchaus als Mephisto zu sehen), über Rita (ob)Skura, der grobschlächtigen Polizeibeamtin, bis zu Schilf, dem totgeweihten Kommissar, sind sehr detailliert beschrieben. M.E hat Juli Zeh eine sehr genaue Beobachtungsgabe und ein erstaunliches Vermögen, sich in andere hineinzuversetzen.
Es ist sehr spannend zu lesen, dass der Mörder einmal nicht nur gejagt und der Fall auf 380 Seiten gelöst wird, sondern dass es um ein Hineinfühlen dessen geht, was Gefühle, Erwartungen und Enttäuschung aulösen können. Für Sebastian verwandelt sich das Paralleluniversum in eine Parallelgesellschaft. Dummheit, Hysterie und Heuchelei regieren und verwandeln das Leben in ein Karussell.
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