Grönemeyer scheint es satt zu haben, der Alibi-Deutsche in der Radiolandschaft zu sein, der immer dann dran kommt, wenn irgendwer meckert, es würde nur englischsprachige Musik gespielt. Um aus seiner Rolle auszubrechen, scheint er diesmal ein Album gemacht zu haben, das die Erwartungen vieler seiner Fans nicht erfüllt: Eigenwillige Arrangements, ein paar fremd klingende Rhythmen, und wie immer diese poetisch-nebulösen Textzeilen, die man oft erst beim zwanzigsten Anhören durchleuchtet (oder auch niemals). Grönemeyer macht eben eine Art von Kunst-Pop.
Ich lobe ihn für den Schritt, auf "Schiffsverkehr" nicht die Lieder zu bringen, die der Radio-DJ in den nächsten Monaten gerne auflegen wird. Andererseits ertappe ich mich dabei, dass ich dieses lobende Urteil nur mit dem Kopf fällen kann, denn so richtig gefallen tun mir die Lieder trotzdem nicht. Das Herz sagt nein, das Hirn sagt ja. Die beiden treffen sich in der Mitte bei 3 Sternen.