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Schiffbruch mit Tiger: Roman [Taschenbuch]

Yann Martel , Manfred Allié , Gabriele Kempf-Allié
4.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (361 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

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Der Roman Schiffbruch mit Tiger von Yann Martel entstand, weil der Autor Hunger hatte. Hunger, weil sein zweiter Roman ein Misserfolg zu werden drohte. Eigentlich wollte Martel ein Buch schreiben, das im Jahr 1939 in Portugal spielte. Aber dann flog der erfolglose Schriftsteller nach Bombay, weil "eine Dosis Indien" jedes Lebewesen "die Unruhe austreibt" -- ein Land zudem, das von der Kolonialisierung erzählt und von der Befreiung, nicht nur im politischen Sinn.

Was soll man sagen -- Indien hat Yann Martel sehr gut getan. In Bombay nämlich hat er nicht nur meditative Kraft gewonnen, sondern, so scheint es, auch die unbeschwerte Lust am Fabulieren gelernt. Auf der Reise durch die Fremde fiel ihm eine ganz und gar eigentümliche Geschichte in den Schoß, die von den merkwürdigen Abenteuern des hinduistischen Zoobesitzersohnes Pi Martel erzählt, der nicht nur mit dem Titel gebenden Tiger namens Richard Parker, sondern auch mit einer Hyäne und einem veritablen Orang-Utan an Bord Schiffbruch erlitt. Eine Odyssee, auf der der Tiger alles verschlingt -- bis auf Pi, der immer neue Geschichten zu berichten weiß.

Zu den begeisterten Lesern von Martel gehören Alberto Manguel und Margaret Atwood, und in Großbritannien hat Schiffbruch mit Tiger den renommierten Booker Preis 2002 eingeheimst. Und das mit Recht, denn fantasievoller, unabhängiger und präziser hat in diesem Jahr kaum jemand geschrieben. --Isa Gerck -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .

Werbetext

»Alle, die glaubten, die Kunst des Erzählens sei tot: lasst sie voll Erstaunen und Freude Yann Martel lesen.«
Alberto Manguel

Über den Autor und weitere Mitwirkende

Yann Martel wurde 1963 in Spanien geboren. Seine Eltern sind Diplomaten. Er wuchs in Costa Rica, Frankreich, Mexiko, Alaska und Kanada auf und lebte später im Iran, in der Türkei und in Indien. ›Schiffbruch mit Tiger‹ ist sein zweiter Roman, er war nominiert für den Governor General Award und den Commonwealth Writers Prize und gewann den Booker Prize 2002. Yann Martel lebt mit seiner Familie in Saskatoon, Kanada. >Schiffbruch mit Tiger< wurde 2012 von Ang Lee verfilmt und mit vier Oscars ausgezeichnet.

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Es war Richard Parker, durch den ich Ruhe fand. Das ist die Ironie dieser Geschichte, dass gerade der, der mich zu Anfang so sehr ängstigte, dass ich darüber fast den Verstand verlor, am Ende derjenige war, der mir innere Ruhe und Lebenssinn gab, ja ich möchte fast sagen: Harmonie.
Er sah mich forschend an. Nach einer Weile erkannte ich diesen Blick. Ich war damit aufgewachsen. Es war der Blick eines zufriedenen Tiers, das von seinem Käfig oder seiner Grube aus die Welt betrachtet, so wie unsereiner vom Restauranttisch nach draußen sehen würden, wenn nach einem guten Essen die Zeit gekommen ist, wo man plaudert oder dem Treiben auf der Straße zusieht. Offensichtlich hatte Richard Parker eine gute Portion Hyäne vertilgt und so viel Regenwasser getrunken, wie er wollte. Diesmal bleckte er nicht die Zähne, und er knurrte und fauchte auch nicht. Er betrachtete mich einfach, sah mir zu, ernst, doch nicht drohend. Er drehte die Ohren und legte den Kopf schief, bald in die eine, bald in die andere Richtung. Es war alles so, nun, katzenhaft. Er sah wie eine große, liebe, wohlgenährte Hauskatze aus, ein 450 Pfund schwerer Kater.
Er stieß einen Laut aus, ein Schnauben durch die Nasenlöcher. Ich spitzte die Ohren. Er schnaubte noch einmal. Ich staunte. War das das Prusten?
Tiger können eine ganze Reihe von Geräuschen machen. Es gibt mehrere Formen von Knurren und Fauchen, das lauteste darunter wohl das Aaonh aus vollem Halse, das Männchen und läufige Weibchen vor allem in der Brunstzeit ausstoßen. Es ist ein Schrei, der noch in größter Entfernung zu hören ist, und er lässt das Blut in den Adern gefrieren, wenn man ihn aus nächster Nähe hört. Tiger kommentieren es mit einem Wuff, wenn man sie überrascht, einer kurzen, klaren Explosion der Wut, heftig genug, dass man sofort das Weite suchen würde, wären die Beine nicht starr vor Schreck. Beim Angriff brüllt ein Tiger in kurzen, kehligen Stößen wie ein Husten. Ebenfalls guttural, doch in anderer Tonlage, ist das drohende Knurren. Außerdem zischen und fauchen Tiger, was je nach der Stimmung, die sie damit ausdrücken wollen, klingen kann wie raschelndes Herbstlaub, nur ein wenig kräftiger, oder, wenn es ein wütendes Fauchen ist, wie eine riesige Tür, die sich langsam in rostigen Angeln dreht - und in beiden Fällen läuft es einem dabei kalt den Rücken herunter. Und das sind noch nicht alle Tigerlaute. Sie können brummen und stöhnen. Sie schnurren auch, wenn auch nicht so melodisch und so häufig wie Kleinkatzen und nur beim Ausatmen. (Nur die Kleinkatzen schnurren beim Ein- und beim Ausatmen. Das ist eines der Merkmale, an denen man die beiden Gruppen unterscheidet. Ein Zweites ist das Brüllen: Nur Großkatzen brüllen. Worüber man froh sein kann. Die Hauskatze würde wohl viel von ihrer Beliebtheit einbüßen, wenn eine Mieze ihr Missfallen durch Brüllen zum Ausdruck bringen könnte.) Selbst miauen können Tiger, mit einer ähnlichen Intonation wie die Hauskatze, allerdings lauter und tiefer, sodass es kaum jemand als Aufforderung ansehen würde, das Kätzchen auf den Arm zu nehmen. Und natürlich können Tiger auch majestätisch schweigen.
All diese Laute hatte ich in meiner Kindheit gehört. Nur das Prusten nicht. Dass es so etwas gab, wusste ich nur, weil Vater mir davon erzählt hatte, und der wusste es aus seinen Fachbüchern. Nur ein einziges Mal hatte er es selbst gehört, auf einem Arbeitsbesuch im Zoo von Mysore, von einem jungen Tiger, der mit Lungenentzündung auf der dortigen Veterinärstation lag. Das Prusten ist unter allen Tigerlauten der leiseste, ein leichtes Schnauben, mit dem sie zu verstehen geben, dass sie friedlich und guter Absicht sind.
Noch einmal hörte ich Richard Parker prusten, und dies-mal rollte er mit dem Kopf dazu. Es sah aus, als wolle er mich etwas fragen.
Ich sah ihn an, bestaunte ihn, so sehr er mich auch schreckte. Da keine unmittelbare Gefahr bestand, wurde mein Atem allmählich gleichmäßiger, mein Herz schlug mir nicht mehr ganz bis zum Halse, und mein Verstand kehrte nach und nach zurück.
Ich musste ihn zähmen. Das war der Augenblick, in dem ich begriff, dass es keine andere Möglichkeit gab. Es ging nicht darum, ob er oder ich durchkam, sondern wir mussten beide durchkommen. Wir saßen, und das nicht nur im übertragenen, sondern auch im wahrsten Sinne des Wortes, im selben Boot. Wir mussten miteinander leben - oder miteinander sterben. Es war denkbar, dass er durch einen Unfall umkam oder dass er an natürlichen Ursachen starb, aber es wäre abwegig gewesen, sich auf einen so unwahrscheinlichen Fall zu verlassen. Eher war das Schlimmste zu erwarten: dass einfach nur die Zeit verstrich und seine robuste Natur mein schwächliches Menschenleben mühelos über-dauern würde. Nur wenn ich ihn zähmte, konnte ich ihn vielleicht überlisten und es so einrichten, dass er vor mir starb, wenn denn nun wirklich einer von uns sterben musste.
Aber das ist nicht alles. Ich will es nicht verschweigen. Ich will das Geheimnis verraten: Etwas in mir war froh, dass Richard Parker da war. Etwas in mir wollte nicht, dass Richard Parker starb, denn dann blieb ich allein zurück, allein mit meiner Verzweiflung, und das war ein Feind, der noch unbezwingbarer war als ein Tiger. Wenn ich überhaupt noch den Willen zum Leben hatte, dann verdankte ich ihn Richard Parker. Er sorgte dafür, dass ich nicht zu viel an meine Familie dachte, an das entsetzliche Unglück, das mir widerfahren war. Er drängte mich zum Leben. Ich hasste ihn dafür, aber zugleich war ich ihm auch dankbar. Ich bin ihm dankbar. Die simple Wahrheit ist: Ohne Richard Parker wäre ich heute nicht hier. Dass ich heute mei-ne Geschichte erzählen kann, verdanke ich Richard Parker.
Ich blickte in die Runde, hinaus zum Horizont. War das denn nicht die perfekte Manege, kreisrund, nirgends eine Ecke, in die er sich drücken konnte? Ich blickte hinunter zum Meer. War das nicht ein unerschöpflicher Vorrat an Leckerbissen, mit denen ich ihn belohnen konnte, wenn er gehorchte? An einer der Schwimmwesten baumelte die Pfeife. War das nicht eine gute Peitsche, mit der ich ihn in Schach halten konnte? Was fehlte mir denn, um Richard Parker zu dressieren? Die Zeit? Es konnte Wochen dauern, bis ein Schiff vorbeikam. Ich hatte alle Zeit der Welt. Entschlossenheit? Die schiere Not würde für Entschlossenheit schon sorgen. Die Sachkenntnis? War ich denn nicht der Sohn eines Zoodirektors? Der Lohn? Gab es einen größeren Lohn als das Leben? Eine größere Strafe als den Tod? Ich blickte Richard Parker an. Meine Panik war verflogen, die Angst bezwungen. Wir würden es schaffen.
Tusch. Trommelwirbel. Die Vorstellung beginnt. Ich richtete mich auf. Richard Parker beobachtete mich. Nur mit Mühe hielt ich mein Gleichgewicht. »Hereinspaziert, meine Damen, meine Herren!«, brüllte ich, »Jungs und Mädels, sucht euch einen Platz, aber schnell! Herein mit euch! Ihr wollt doch nicht zu spät kommen! Nehmen Sie Platz, Damen und Herren, und seien Sie gespannt. Öffnen Sie die Augen, öffnen Sie die Herzen, warten Sie auf die Wunder, die wir Ihnen zeigen.
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