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Schiefer eröffnet spanisch
 
 
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Schiefer eröffnet spanisch [Gebundene Ausgabe]

Kai Weyand
4.1 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (8 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 216 Seiten
  • Verlag: Wallstein (5. August 2008)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 383530318X
  • ISBN-13: 978-3835303188
  • Größe und/oder Gewicht: 20,4 x 12,8 x 2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.1 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (8 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 378.853 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Kai Weyand
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

»Klug und witzig erzählt Kai Weyand von Alkohol, Schach, Musik und dem Elend der Schulen. (...) Selten wurde so klug und vergnüglich von einem Missstand erzählt, den offenbar niemand beheben kann.« (Meike Feßmann, Süddeutsche Zeitung, 10.11.2008) »Wäre sie keine Stereotype, müsste man auf Weyand die Formel vom großen Talent anwenden, von dem noch viel zu erwarten ist. Tatsächlich verfügt er über etwas in der heutigen Literatur Rares: eine erfrischende Sprache, Witz und Verve. Kai Weyand eröffnet seine Karriere spektakulär.« (Der Sonntag, 21.9.2008)

Susanne von Mach, Main Echo 23./24.8.08

»Kai Weyand erzählt skurrile, beklemmende und tragikkomische Geschichte. Ziemlich gut, ziemlich realistisch, ziemlich echt.«

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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Aus der Perspektive des Ich-Erzählers - eines Privatdetektivs, der sich mit den üblichen Schnüffeleien im Auftrag betrogener Ehefrauen und überforderter Teenager-Eltern über Wasser hält - lernen wir in diesem Roman den gescheiterten, frühpensionierten Lehrer Schiefer kennen.

Schiefer - ungepflegt und mit der Empathiefähigkeit eines Tsunami ausgestattet - drängt sich dem Erzähler in dessen Lieblingskneipe ungefragt als Schachpartner auf. Von diesem Moment an ist er regelmäßiger Gast in der Wohnung des Erzählers, wo er ihn üblicherweise im Schach besiegt und nach Unmengen von Rotwein gelegentlich volltrunken auf der Couch seines Gastgebers einschläft.

Aus dieser alkoholgetränkten Lethargie löst sich Schiefer erst, als er aus finanziellen Gründen ein Zimmer untervermieten muss und erfährt: der neue, sympathische Mieter Theo Mal ist ein junger Lehrer, der seine erste Stelle antritt!

Schiefer sieht die Gelegenheit, sein eigenes Scheitern zu analysieren: war wirklich er der Verlierer oder ist das System Schule derart unmenschlich, dass er nur scheitern konnte. Das soll eine Untersuchung klären in der der neue Mieter - selbstverständlich ohne dessen Wissen oder gar Einwilligung - als Forschungsobjekt dienen soll.

Schiefers indirekter Angriff auf das Schulsystem beginnt - die Analogie zur Spanischen Eröffnung im Schach.

Im Verlauf der Untersuchung weitet Schiefer die Beobachtung mithilfe von Überwachungskameras, die sein Privatdetektiv-Freund installiert, auch auf die Schule aus.

Die beiden müssen so mit ansehen, wie sich der idealistische Junglehrer Mal in ein angstgepeinigtes Nervenbündel verwandelt, das sich schon beim Gedanken an die Schule permanent übergeben muss. Als Theo Mal eines Tages Schiefers dringenden Rat ignoriert, zum Fasching auf keinen Fall mit "lustigen Hasenohren" in der Schule zu erscheinen, ist dem Internet-unterstützten Psychoterror durch die Schüler keine Grenze mehr gesetzt.

Angesichts dieser menschlichen Tragödie entwickelt Schiefer einen Plan, in dessen Verlauf Mal die weitere Ausübung seiner Unterrichtsverpflichtung einfach vor Ort verweigern soll. Die Spanische Eröffnung geht in den direkten Angriff über! Das System muss reagieren...

Am Ende deutet sich ein abschließender "regelwidriger Zug" des Ich-Erzählers an...

Weyand ist mit "Schiefer eröffnet spanisch" trotz der bitteren Endlos-Thematik Schule ein höchst amüsanter Roman gelungen. Skurril und liebenswert in den Details, gut komponiert und kurzweilig ohne trivial zu sein. Mit der Figur Schiefer hat Weyand einen herrlichen Soziopathen geschaffen, alles andere als sympathisch aber ungemein einprägsam.

In der Häufung der grotesken Zustände ist Weyands Roman zwar - hoffentlich! - überzeichnet aber nichts davon ist wirklich undenkbar: der überidealisierte Junglehrer in Anzug und Krawatte (gibt es Lehrer mit Krawatte?) der in Rekordtempo in die Psychose schlittert ebenso, wie die vollkommen maroden, uringeschwängerten Schulgebäude und das unfassbare Ausmaß des durchorganisierten, internetgestützten Psychoterrors, den die Schüler gegen die Lehrer organisieren. Diesen - im Kern leider sehr realen und dringend änderungsbedürftigen - Zuständen eine amüsante Facette abzugewinnen, ist bemerkenswert. Weyand ist es gelungen.

Eine Leseempfehlung.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Winfried Stanzick HALL OF FAME REZENSENT TOP 10 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
In seiner Stammkneipe, dem "Schmalen Wurf" hatte er gesessen, der namenlose Ich - Erzähler des neuen Romans von Kai Weyand, und an seinem batteriebetriebenen Schachcomputer gespielt, als ein Mann plötzlich an seinem Tisch stehen bleibt. Als Detektiv, der sich mehr schlecht als recht mit Aufträgen betrogener Ehefrauen und um ihre jugendlichen Kinder besorgten Eltern über Wasser hält, ist er einiges gewohnt, und hat gelernt, in Sekundenschnelle eine Entscheidung zu treffen. Er hat sich gerade entschieden dafür, den fremden Mann zu ignorieren, als dieser plötzlich vorschlägt, eine Partie Schach zu spielen.

Sie spielen gegeneinander und der Fremde zeigt sich haushoch überlegen. Als sie Stunden später nach Hause gehen ( sie haben einen gemeinsamen Weg), stellt sich heraus, dass der bisher unbekannte Schachspieler Schiefer heißt und schräg gegenüber vom erzählenden Detektiv wohnt. Der kann Schiefer sozusagen direkt in die Wohnung blicken. Sie lernen sich kennen und spielen Schach gegeneinander.

Das geht das einige Jahre. Schiefer liebt die Musik, vor allem Jimi Hendrix und spielt selbst noch als Hochzeitsmusiker. Dort ist Hendrix allerdings weniger gefragt. Er hat erhebliche Probleme mit dem Alkohol. Ohne ein bis zwei Flaschen Wein beim Schachspiel geht gar nichts. Trafen sich die beiden zunächst alle paar Wochen einmal, steht Schiefer am Ende fast täglich mit einer Flasche in der Hand vor dem Fenster des Detektivs. Plötzlich bricht diese Routine ab.

Nachdem sich Schiefer einige Tage nicht gemeldet hat, ruft er den Erzähler an und schildert ihm aufgeregt ein Problem. Er ist seit Jahren als Lehrer frühpensioniert und knapp bei Kasse. Deshalb hat er überlegt, ein Zimmer seiner Wohnung unter zu vermieten.
Seine Wahl ist auf einen jungen Mann gefallen namens Theo Mal. Alles sei soweit gut gegangen in den Mietverhandlungen, berichtet Schiefer atemlos, bis er ihn nach seinem Beruf gefragt habe. Er sei Lehrer, habe Theo Mal geantwortet und trete bald eine neue Stelle an. Da sei Schiefer schwarz vor Augen geworden. Sein eigenes, wenig ruhmreiches Berufsschicksal steht ihm mit diesem neuen Mieter vor Augen - dunkel und drohend.

Schiefer zeigt ein fast fanatisch sich entwickelndes Interesse an diesem jungen Mann, der sich, gut ausgebildet und mit hoher Motivation versehen, anschickt, in der Schule des Viertels eine Klassenführung zu übernehmen. In zahllosen Gesprächen, die die beiden Schachfreunde vor, während und nach ihren Partien führen, wird Schiefers Bedürfnis, alles über Theo Mal zu erfahren, immer größer, zumal ihn der Detektiv dabei unterstützt. Sein erkenntnisleitendes Interesse daran ist dunkel, später wird deutlich, dass er für Schiefers geschiedene Frau, mit der er Kontakt aufnimmt, Gefühle entwickelt, die er aber nicht mir ihr auslebt. Als er Schiefer fragt, ob dieser schon einmal von einer teilnehmenden Beobachtung" gehört habe, ist der Deal unausgesprochen perfekt. Der Detektiv unterstützt Schiefer beim Ausspionieren des Junglehrers. Der wiederum, man hat es die ganze Zeit schon kommen sehen, scheitert, in Schlips und Anzug vor seine Klasse tretend, mit jeder Woche mehr und ist bald schon das psychische Wrack, in dem Schiefer seine eigene Geschichte wieder erkennt.
Immer wieder benutzten die beiden Schachfreunde die Metapher vom Hamster in seinem Laufrad und denken darüber nach, wie es zu einer solchen Entwicklung kommen kann,
Schiefer will begreifen, endlich begreifen, was damals geschehen ist,
und seine Ehe hat zerbrechen lassen. Beim Detektiv ist es wohl eher das Motiv, das die Schule und das Schulsystem gänzlich in Frage stellt.

Die Beobachtungsmethoden werden immer radikaler, auch ungesetzliche zählen dazu, und irgendwann weihen sie Theo Mal in ihre konspirativen Aktivitäten ein. Der versucht es daraufhin mit einer ganz anderen Taktik. Hier hat das Buch seine amüsantesten Stellen, beobachtet haarscharf die Situation an unseren Schulen und wendet sie zynisch in Sarkasmus.
Eine besondere Rolle in diesem unterhaltsamen Roman über Schule, Burn-Out und Schach spielt ein vom "Detektiv Ketchup" genannter Obdachloser, der mehr weiß über die ganze Sache, als die beiden Schachfreunde vermuten, und der am Ende die Lösung gefährdet,
die der Detektiv für das ganze Problem anvisiert.

Kai Weyand hat einen tragikkomischen Roman geschrieben über den Lehreralltag und seine Probleme und die katastrophalen Zustände an unseren Schulen, zumindest an einigen von ihnen.
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6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Ziel der spanischen Eröffnung beim Schach ist ein indirekter Angriff auf den Bauern e5. Um diesen Bauern zu schlagen, wird zunächst der Damenspringer auf c6 angegriffen. Gerade starke Spieler und Großmeister eröffnen gern mal spanisch. So auch Schiefer, der seinem Nachbarn beim Schach haushoch überlegen ist. Sonst aber ist es eher der Freund, der die Fäden in der Hand hält. Zumindest am Anfang, später läuft dann sowieso alles aus dem Ruder.

Der Ich-Erzähler hat Schiefer in einer Kneipe kennengelernt, ihn zunächst wegen seines verwahrlosten Erscheinungsbildes für einen Penner gehalten, dann aber doch eine Partie Schach mit ihm gespielt (die er natürlich verloren hat). Seitdem sehen sich die beiden immer öfter, spielen Schach und trinken literweise Bordeaux, Chianti oder Merlot. Schiefer ist gescheiterter Lehrer und nun Musiker in einer Hochzeitsband, sein Spielpartner ist Privatdetektiv und nicht gerade glücklich damit. Eines Tages kommt es ihm plötzlich so vor, als wäre Schiefer, der besoffen auf dem Sofa lag, "ein Bildnis für meinen eigenen Zustand. Als läge auf dem Sofa meine eigene Bankrotterklärung." Offenbar will er "Schiefers Leben eine neue Richtung geben", weil er eigentlich sein eigenes ändern will. Er überredet Schiefer ein Zimmer seiner Wohnung zu vermieten. Als sich der einzige Interessent Theo Mal als Lehrer entpuppt, engagiert und voller Ideale, eben so, wie Schiefer auch mal war, will dieser einen Rückzieher machen, aber wird vom Freund sanft manipuliert. Schließlich entschließt Schiefer sich, Theo als Forschungsobjekt zu betrachten. Fanatisch verfolgt er die Idee, er sei der Wissenschaftler und Theo der Hamster. Das ist die spanische Eröffnung, denn Schiefer geht es nicht um Theo, sondern um die Schule. Darum, ob ihre achten Klassen aus jedem das machen, was sie aus ihm gemacht hat: einen Gescheiterten. Da es nicht ausreicht, den Hamster zu Hause zu beobachten, holt er den Ich-Erzähler und sein Kamera-Equipement ins Boot und sie verwanzen das Laufrad: die Schule. Und dann wird es erst richtig absurd.

Die große Stärke von Weyands Roman liegt darin, dass nichts vorhersehbar ist, weder Figuren noch Handlung. Schiefer wird als eine absolut bedauernswerte Figur eingeführt. Er ist nicht nur als Lehrer gescheitert, sondern auch als Ehemann und Vater, was sich unmittelbar in seinem eingefallenen und ungepflegten Äußeren widerspiegelt. Der Ich-Erzähler jedoch erscheint zunächst als der Überlegene, als derjenige, der sein Leben im Gegensatz zu Schiefer noch im Griff hat. Nicht zuletzt durch die absurde Beziehung zur Alkoholikerin "Stola", die übrigens Schiefers Ex-Ehefrau ist, wird aber nach für nach klar, dass der Ich-Erzähler eigentlich noch viel bemitleidenswerter ist. Ihre Zuneigung will er sich durch eine Lüge erschmeicheln: "Ich habe heute Geburtstag, sagte ich spontan. (...) Du kommst an deinem Geburtstag zu mir, fragte sie ungläubig. Stola hatte Tränen in den Augen." Ähnlich steht es um Schiefers Mitbewohner Theo Mal. Er, der enthusiastische Junglehrer, verwandelt sich zunehmend in einen zweiten Schiefer, der seine Ideale verloren hat. Und seine Würde sowieso, spätestens seit man ihn mit Hasenohren im Internet sehen konnte. Der Penner Ketchup wird zum Mitwisser, dann zum Erpresser, dann wieder zum Mitwisser. Manche Schüler wollen plötzlich von Theo unterrichtet werden, andere landen geknebelt auf dem Schulhof. Theo wird gefeuert. Und der Ich-Erzähler? Der zwinkert dem Mond zu und trinkt seine Wein am offenen Fenster. "Ich würde nie ein wirklich guter Schachspieler werden. Aber einmal würde ich noch eröffnen. Jetzt kam ich an die Reihe. Diesmal nicht spanisch, nein, ein direkter Angriff, der Gegner soll gleich wissen, was Sache ist."

Ja, "Schiefer eröffnet spanisch" rückt die Schule in ein kritisches Licht, aber langweilig ist das ganz und gar nicht. Die "teilnehmende Beobachtung", wie Schiefer sein wissenschaftliches Vorgehen präzisiert, entwickelt unmerklich eine Eigendynamik, bis schließlich jeder von jedem beobachtet und trotzdem jeder von dem Handeln des anderen überrascht wird. Der Leser sowieso. Ein brillant konstruierter Roman.
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