Tja, ich habe gerade die vorstehenden Rezensionen überflogen und muss feststellen, dass die Meinungen zu dem Film "Schicksalsjahre" doch sehr auseinandergehen.
Ich für mich kann nur sagen, dass der Film mich heute noch beschäftigt und das u.a. auch wegen einer hervorragend agierenden Maria Furtwängler (gut, ich mag diese Schauspielerin sowieso). Aber auch ihre Kollegen (Rosel Zech, G.-M. Halmerm, Dorka Gryllus)haben tolle schauspielerische Leistungen gezeigt.
Der Film war sicher keine Dokumentation über das Leben von Frau Heye, aber es war realistisch umgesetzt. Gerade habe ich in einer Kritik gelesen "Frau Furtwängler spielte Frau Furtwängler". Dies kann ich nicht so sehen. Sie schlüpfte in die Rolle der Ursula Heye und verkörperte diese sehr gut.
Dass die Emotionen auf der Strecke blieben, kann ich so nicht sagen. Ich denke, die Gefühle dieser Frau waren zum Schluss so verschüttet, dass sie sie nicht mehr zeigen konnte. Bei so viel Leid, das ihr widerfahren ist, bei dem ewigen Hoffen und dann dem ewigen Erinnern an wenige glückliche Momente, wie soll ein Mensch das noch Emotionen zeigen können? Für U. Heye gab es irgendwann nur noch das Existieren, sich um die Kinder kümmern und irgendwie durchkommen. Das wurde nach meiner Meinung sehr deutlich gezeigt und auch, wie man sich schuldig machen kann, ohne wirklich Schuld auf sich geladen zu haben. In dem einen System beobachtet, weil der Mann aus der Armee desertiert ist, im nächsten Regime gleich wieder unter Beobachtung, weil sie ja "irgendwie" auch die Vorteile des Hitlerregimes genossen hatte (nur weil sie als Sekretärin in so einem Schifffahrtsamt - war es doch, oder- gearbeitet hatte). Es ist die Tragik dieses Lebens, die uns deutlich vor Augen geführt wurde und sicher war dies nur ein Beispiel von Hunderten.
Dass es nicht mehr zärtliche Szenen gab ... gut das muss nicht sein, die Andeutungen sprachen für sich. Ich bin nicht prüde und mag schon auch erotische Szenen, aber es hätte hier nicht so gepasst.
Bezüglich dieser Szenen möchte ich jedoch einen Unterschied machen zwischen der Verunsicherung der Ursula Heye, in die sich eine Frau verliebt hatte und U.Heye nicht wusste, wie sie mit den Gefühlen, die das in ihr hervorrief umgehen sollte. Letzlich hing sie immer noch an ihrem Mann. Die Unsicherheit hatte also letztlich nicht unbedingt etwas mit dieser lesbischen Liebe zu tun.
Die Darstellung von Maria Furtwängler fand ich diesbezüglich eher durchschnittlich bis schlecht, obwohl sie mich sonst voll überzeugte. Aber das Küssen von Frauen muss Frau Furtwängler in jedem Fall noch lernen. Da gibt es Schauspielerinnen, die das weitaus besser können, wie man an Frau Gryllus sehen konnte). Es ist Beruf und da müssen solche Szenen eben auch überzeugend gespielt werden.
Kleine Fehler sind der Regie auch unterlaufen, aber das passiert wohl bei (fast) jedem Film.
Mein Fazit: ein sehr gelungener Film, ich werde ihm mir sicher schon bald noch einmal anschauen.