Christopher Burtons erster Gedanke, nachdem er vom Selbstmord seines Sohnes erfahren hat, ist, dass er seine Frau nach 30 Ehejahren endlich verlassen kann.
Jedes Geschehen, jede Übereinkunft zwischen zwei Menschen hat nicht nur zwei Seiten, sondern mindestens zwei mal zwei, und mit jedem weiteren Menschen, der in das Geschehen und die Bindungen verstrickt ist, potenziert sich die Zahl.
Der englische Journalist Chris möchte zuallererst Karriere machen; seine italienische Frau ermöglicht ihm dies, und er kann die Welt bereisen, ohne sich Gedanken um sein Zuhause und seine Familie zu machen. Der abwesende Vater wird so gut ersetzt, dass er als Person überhaupt nicht mehr nötig ist. Chris wehrt sich nicht gegen die Lösung: Sie ist für ihn die bequemste. Aber ein zufriedenes Leben führt keiner der beiden; jeder hat seine Affären, seine Fluchtpunkte, seine Methode, den anderen zu verletzen. Gegen diese klammernden und gleichzeitig distanzierten Eltern setzen die Kinder ihre eigenen Lebensstrategien: Die Adoptivtochter Paola bricht den Kontakt zur Familie ab, der Sohn Marco wird schizophren.
Erst die Krankheit des Sohnes bringt die Eltern zu gemeinsamem Handeln: In den ersten Monaten fahren sie Hunderte von Kilometern pro Woche, um den Sohn zu besuchen, später verlassen sie auf Anraten des Arztes sogar zusammen Italien, um in England den größtmöglichen Abstand zwischen Marco und sich selbst zu legen. Aber selbst Marcos Selbstmord fördert zunächst die bekannten Rollenmuster: Chris arbeitet weiterhin hartnäckig an der Idee seines Buches über Nationalcharakter, die Inkompatibilität der Sprachen und die Vorhersehbarkeit menschlichen Verhaltens, also Themen, die in seiner Biographie begründet, aber darin auch z.T. vor der Niederschrift schon widerlegt sind. Die Ehefrau schließt Chris von Abschied und Trauer aus, auch die Beerdigung des Sohnes scheint ihr alleiniger Besitz.
Es gibt wenige Bücher, in denen das Thema der Verstrickung zweier Menschen in ihrer Beziehung so geradlinig und schnörkellos behandelt wird. Parks seziert ohne zu zerfleischen, er setzt auf Gedanken und Sprache, hinter denen der Leser die Gefühle und ihre Macht erkennt. Ein Buch, das erschüttert, denn das "Schicksal" des Titels ist nicht eine Gewalt, die von außen einbricht, sondern hausgemachtes Unheil. Und letztlich - und das ist das eigentlich Tragische - resultiert dieses Schicksal aus anfänglich großer Liebe und Uneigennutz.