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Der Scherz: Roman
 
 
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Der Scherz: Roman [Taschenbuch]

Milan Kundera , Susanna Roth
4.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (12 Kundenrezensionen)

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Produktinformation

  • Taschenbuch: 352 Seiten
  • Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag (1. April 1998)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3423125217
  • ISBN-13: 978-3423125215
  • Größe und/oder Gewicht: 19,4 x 11,9 x 1,9 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (12 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 182.524 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Milan Kundera
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Produktbeschreibungen

Der Spiegel

Als Ironie gefährlich war
Im Jahr 1968, als Milan Kunderas erster Roman „Der Scherz“ auf Deutsch erschien -- damals im österreichischen Molden-Verlag, er hatte das Buch 1967 in Prag veröffentlicht -- war es einmal wieder so weit: Sowjetische Panzer und zumindest ideell ihre zwangsverpflichteten Verbündeten im Warschauer Pakt (darunter auch die Nationale Volksarmee der DDR, die ich gerne noch nachträglich in Gänsefüßchen schreiben würde, wenn es denn der Geschichtsschreibung etwas nützte) hatten den „Prager Frühling“ niedergewalzt; dem „Sozialismus mit menschlichem Antlitz“, wie sich der Aufbruch des Dubček-Sozialismus hoffnungsfroh titulierte, ein Ende gesetzt; alle Hoffnungen der Koexistenz, des „Wandels durch Annäherung“ unter Panzerketten und durch die wiederkehrende Willkür zahlreicher illegaler Verhaftungen mit den nötigen Begleiterscheinungen des Terrors und mundtot Machens jeglicher Opposition zunichte gemacht.

Die Rezensenten des fulminanten Romanerstlings des Brünners Kundera (Mitglied des oppositionellen tschechoslowakischen Schriftstellerverbands), der essayistische Klarheit – durchaus auf den Spuren Montaignes -- mit erzählerischem Schwung und einer geschickten Perspektiven-Konstruktion verbunden hatte – diese Rezensenten von ’68 hatten durchaus das erneute Tottreten jeder Hoffnung zum Motiv.

Dabei hatte der Roman „Der Scherz“ von solcher Hoffnung gar nicht gezehrt, erst recht nicht auf sie gesetzt. Nach 1968, als der Prager Frühling wieder einer neuen kommunistischen Eiszeit hatte weichen müssen, hatte der große mährische Erzähler den privat-öffentlichen Schlüsselroman dieser Epoche geschrieben: „Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins“, der nun nicht einmal mehr zuerst in der Muttersprache Kunderas erscheinen konnte. Fortan musste sich der große Erzähler, der sich stark aus den sprachlichen, ja folkloristischen Wurzeln seiner Herkunft speist, auf die er sich gerne, wäre sie nicht von den Kommunisten mit Füßen getreten worden, berufen hätte, im Französischen eine neue Sprachheimat suchen – was seiner Prosa ihre melancholisch-skeptische Eleganz gibt: Er schreibt fortan als abgeklärter Rebell, wobei die Betonung auf der Rebellion, dem Aufbegehren des individuellen Gefühls liegt.

Damals, im „Scherz“, hatte er nicht etwa optimistisch auf den Aufbruch zu neuen sozialistischen Ufern gesetzt. Nein, dazu war der 1929 geborene Menschenkenner, der sich auch glänzend auf die Satire versteht, zu gescheit, zu lebensgeprüft.

Er hatte vielmehr seine Geschichte, die 1948 begann, beim kalten, durch die Sowjetunion bewerkstelligten Staatsstreich, der sich als Jugendrevolution gab und eine stalinistische Kader-Veranstaltung war, in den sechziger Jahren in einem Sumpf sozialistischer Banalitäten enden lassen: Fett gewordene, glatzköpfige, sich in ihrer Karrieristen-Eitelkeit erschöpfende Teilhaber der angeblichen proletarischen Revolution vor der Schwelle des paradiesischen Sozialismus erlebten eine erschlaffte Epoche, die vor sich hin wurstelte -- ohne echte Antworten, mit einem grässlich grauen Alltag, der immer noch aus missmutigen Kellnern, frustrierten Frauen, angeekelten, aber opportunistischen Jugendlichen und den alten Intrigen der alt gewordenen Funktionäre untereinander bestand. Brünn (übrigens auch meine Geburtsstadt, weshalb ein spießiger Funktionär vorkommt, der meinen Namen, Karasek, trägt; auch der tschechischen Linie meiner Verwandten blieb wenig erspart) offenbart alle Schrecken, oder soll man besser sagen: spießig-kulturfeindlichen Schrecknisse, wie sie den real existierenden Sozialismus in jener Zeit kennzeichnen; nichts von Zukunft, alles von Verkommenheit, die sich im Elend einrich¬tete und nicht einmal mehr, so möchte man mit einem gewissen Zynismus sagen, zu der terroristischen Willkür der stalinistisch-idealistischen Schreckensjahre fähig ist.

Mit denen beginnt der Roman. Mit einer jungen Generation, die es nach der Errichtung der Volksherrschaft an die Universitäten und die Spitze ihrer Fachschaften spült, wo sie mit dialektischer und zynischer Rücksichtslosigkeit unter Zuhilfenahme der Gehirnwäsche und der Auslöschung des Privaten ihre Minderheitendiktatur im Namen der besseren Menschheit einzurichten beginnt.

Ludvik, der Held, Sohn eines von den Faschisten ermordeten Arbeiters, ist prädestiniert, an der Spitze dieser Entwicklung mitzumarschieren. Aber er ist ein Individualist, der seinen privaten Lust- und Liebesgewinn nicht der Arbeiterklasse unterordnen will. Er ist also ein ironischer Mensch, und das ist in totalitär-gläubigen Zeiten gefährlich, lebensgefährlich. Als eine schöne, von ihm umschwärmte und umworbene Kommilitonin, statt mit ihm die Semesterferien zu verbringen, lieber in einen Schulungslehrgang geht, reitet den verliebten Individualisten der Teufel: Auf offener Postkarte schreibt der in seiner Libido Gekränkte der parteigläubigen Angebeteten: „Optimismus ist Opium für die Menschheit. Ein gesunder Geist stinkt nach Dummheit! Es lebe Trotzki! Ludvik.“

Diese Karte, diese Parole in der Hoch-Zeit des Kalten Krieges, das konnte nur zur Katastrophe führen. Und so wird Ludvik Jahn, eine Hoffnung auf eine wissenschaftliche und politische Karriere, total aus der Bahn geworfen; er wird zum Geächteten. Seine Freundin wie seine besten Freunde verraten ihn, stimmen gegen ihn ab, und nehmen dabei natürlich billigend in Kauf, dass der Tritt gegen Ludvik ihren Aufstieg befördert.

Er fällt tief. Von der Universität relegiert, von der Partei ausgeschlossen, landet er bei einem Strafbataillon von Soldaten, den „Schwarzen“, die man so misstrauisch beäugt, dass sie keine Waffen tragen dürfen. Sie malochen als Arbeitssklaven in Kohlebergwerken, sie werden geschliffen, schikaniert, misshandelt, sie wissen nicht, wie viele Jahre sie derart entrechtet in einer Art Gulag bei Ostrava zwangsarbeiten müssen.

Und doch wird das Ludviks wesentlichste Zeit. Weil er sich nämlich in ein Mädchen aus einer Anstalt für Schwererziehbare verliebt und mit ihr, die ihm ihre Zuneigung durch Blumengeschenke, die sie auf dem Friedhof stiehlt, beweist, eine Liebe erleben könnte, würde er nicht wie besessen und wie ein Vergewaltiger auf sie eindrängen. Also verspielt er auch diese Chance; genauso, wie er sieht, dass die Solidarität unter den Entrechteten auch nur auf purem Egoismus beruht.

Der Roman erzählt das aus den Blickwinkeln und Erzählperspektiven der Betroffenen. Am Ende, als Ludvik nach langjähriger Fron im Bergwerk doch noch sein Studium beendet hat, will er sich rächen. Auf seine Weise. Und die Rache gilt, nach fünfzehn Jahren, der Ehefrau des damals als strahlend blonder Saint-Just gegen ihn auftretenden Zemanek. Sie ist Radioreporterin und er macht sie verliebt in sich -- so will er an seinem ehemaligen Freund-Feind, der ihm das Leben verpfuscht hat (War er es nicht selber mit seinem Scherz auf der Postkarte?), Rache üben.

Es kommt zu einem Tête-à-Tête in der Wohnung eines Freundes, es ergibt sich eine sadomasochistische Beziehung, die sich mit Wodka und Hilfe von Schlägen vollzieht. Schon denkt er, seinen Feind mit dem Raub des Intimsten (seiner Frau) gedemütigt zu haben: Da erfährt er, dass die beiden längst getrennt leben. Ekel, Scheu, Enttäuschung überkommen ihn, er jagt die Missbrauchte fort, ohne Rücksicht. Sie nimmt pathetisch Abschied von ihm, schreibt ihm einen Brief, nimmt (so glaubt sie) eine Überdosis Schmerztabletten, ohne zu wissen, dass es sich um Abführmittel handelt. Die geplante Tragödie endet als lächerliche Farce auf dem Holzklo in einem Dorf. (Später sollte Kundera in der „Unerträglichen Leichtigkeit“ seine genialen essayistischen Passagen über die „Scheiße“ schreiben – deren widerliches Vorhandensein jedes politische Pathos außer Kraft setzt.)

Es gibt am Ende des Romans keine Sieger, nur Besiegte, die trotz ihrer gestohlenen Biografien -- alles was ihnen der totalitäre Staat geraubt hat -- eher kläglich als tragisch dastehen.

Sieger der Geschichte, als die sie alle als junge Studenten im Jahr 1948 aufbrechen wollten, sehen anders aus. Kunderas wundervolle erzählerische Gerechtigkeit behandelt alle mit der gleichen individuellen Parteinahme und setzt sie alle der gleichen komischen Lächerlichkeit aus – sie ist schier unerträglich, wie die Leichtigkeit des Seins; aber sie ist von einer großen Gerechtigkeit.

Eine Epoche wird zu Grabe getragen. Auch Randfiguren stehen nicht am Rand, sondern im Zentrum einer Geschichte, deren Mittelpunkt und Wahrheit die kommunistische Provinz ist. Da gibt es Folklore-Musiker, die nach den Wurzeln der Volksmusik Mährens suchen -- und im Kitsch des sozialistischen Realismus landen. Jung hatten sie versucht, ihre Volksmusik mit dem Jazz (auch einer Volksmusik) zu versöhnen.

Es gibt die religiös fundierten Befürworter des Kommunismus, die das System missbraucht, ausspeit und ruiniert. Es gibt die Bürokraten, die versuchen, die christliche Taufe durch eine Art Baby-Jugendweihe zu ersetzen. Freiwillig, versteht sich.

Und wer sich nicht danach richtet? Denen gibt ein Gemütsmensch, der sich als Standesbeamter in der neuen Ordnung und ihrem schrecklich alten Schlendrian eingerichtet hat, eine umwerfend wahre Antwort: Auf die Frage, ob die Teilnahme an der „Begrüßung neuer Bürger im Leben“ -- das kommunistische Substitut der christlichen Taufe – „obligatorisch“ sei, antwortet er mit einem Lächeln: Das sei sie nicht, doch der Nationalausschuss beurteile das Bewusstsein der Bürger sowie deren Einstellung zum Staat aufgrund der Teilnahme an der Zeremonie, schließlich begreife das jeder Bürger, und er käme. So arbeiten Diktaturen mit ihren opportunistisch abgerichteten Untertanen.

Nachwort von Hellmuth Karasek zu Der Scherz. SPIEGEL-Edition Band 26 -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Kurzbeschreibung

Wütend schickt der Student Ludvik eine Postkarte an seine Freundin Markéta: »Optimismus ist das Opium der Menschheit! Ein gesunder Geist mieft nach Dummheit! Es lebe Trotzki! Ludvik.« Mit dieser als Scherz gedachten Karte stürzt Ludvik sich ins Unglück. Er wird von der Universität relegiert und mit einem Strafbataillon in die Kohlegruben geschickt. Jahre später versucht Ludvik sich zu rächen.

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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Wunderbare Poesie beschreibt unerträglichen Schmerz, 16. Juni 2008
Rezension bezieht sich auf: Der Scherz: Roman (Taschenbuch)
Dieses Buch begleitet mich seit meinem 20 Lebensjahr, alle zehn Jahre muß ich es einfach nochmal lesen. Und nie hat es an Aussagekraft und Bedeutung verloren, wenn sich auch alles immer wieder ein wenig verschiebt.

Die Geschichte: in seiner Studentenzeit wurd Ludvik aufgrund eines zynischen Scherzes aus der Kommunistischen Partei ausgeschlossen und verliert damit alle Hoffnung auf seine bis dahin so gut beginnende Karriere. Die nächsten Jahre seines Lebens im Arbeitslager und - etwas undefinierbarer die Zeit danach - ist er sehr mit sich selbst beschäftigt, sucht verzweifelt nach Liebe und will sich an den Menschen, die ihm das angetan haben, rächen. Auf diesem Weg verkennt er immer und immer wieder was er für die Menschen, mit denen er zu tun hat, bedeutet und hinterläßt eine Spur der emotionalen Verwüstung. Erst sehr viel später - vielleicht ist er 30, vielleicht 40, das wird nicht klar - wird ihm bewußt, daß es keine Möglichkeit gibt, das Vergangene zu verändern und wiedergutzumachen. Der Leser wünscht Ludvik, daß er ab nun mit innerem Frieden den Rest seines Lebens verbringen darf.

Dabei wird die Geschichte anhand von vier Protagonisten erzählt, die jeder ein einzelnes komplettes Bild im Mosaik abgeben. Am poetischsten und literarisch am schönsten verfaßt empfinde ich die Geschichte von Jaroslaw, welcher der alten mährischen Musik verfallen ist und so viel archaische Weisheit in ihr sieht und der verzweifelt - und zum Schluß leider vergeblich - veruchst, diese Musik in die Moderne zu transportieren.

Der Schmerz, den jeder einzelne Protagonist erlebt, erlebt der Leser hautnah. Mit 20 war es das Leid der von Ihrem Liebsten verstoßenen Helena - das tat so sehr weh. Mit 30 Ludvik selbst, der den Boden unter den Füßen komplett verloren hat. Und nun, mit 40, hat mich besonderes Jaroslaw gepackt, der irgendwo in der Vergangenheit verhaftet bleibt und keinen Bezug zu seinem Sohn aufbauen kann.

Zum Schluß sei gesagt - daß Buch ist wunderschön und sehr tiefsinnig, aber es ist keine schwere Lektüre. Ich kann es jedem empfehlen, der sich mit einem "Kleinod" versehen und sich einem Mix aus Gefühlen, Gedanken und Genießen hingeben möchte.
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11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Ein tiefes Buch - kein Scherz, 12. Juni 2006
Von 
A. Luscher (Wuppertal) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Der Scherz: Roman (Taschenbuch)
'Der Scherz' hat meiner Meinung nach in erster Linie eine philosophische und keine politische Aussage. Es klagt nicht an, sondern versucht viel eher die persöhnlicher Beweggründe verschiedener Akteure in der kommunistisch-diktatorischen CSSR der 50er, 60er und 70er zu erhellen. Es geht allerdings im wesentlichen um das Thema Wahrheit. In sprachlich und erzählerisch wunderbarer Weise wird dieser grundlegende menschliche Anspruch über die Themen 'Sünde' und 'Schuld', 'Liebe' und 'Haß' dargestellt, mit dem Fazit: Es gibt sie nicht, die Wahrheit.

Ludvik, Helena, Jaroslav, Kostka und einige weitere Charaktere zeigen völlig verschiedene Sichtweisen auf zum Teil ein und die selbe Begebenheit und zeigen damit, dass es weder einen objektiven, wahren Blick auf die Welt noch ein reines, ehrbares Verhalten gibt. Diese schmerzliche Einsicht bringt Sie alle auf den Boden der Tatsachen zurück, und trotzdem zeigt der Autor:

Es gibt ein Leben nach dem Verlust seiner Ideale, es geht irgendwie weiter, auch ohne Helden.

Diese sucht man auch in diesem Werk des Tschechen vergeblich; moralisch einwandfreie Charaktere tauchen nicht auf. Dafür bekommt man etwas anderes: echte Menschen.

Für mich ist 'Der Scherz' ein hervorragendes Buch, dass sicher nicht jedem gefällt. Vielleicht weil es ihm an manifesten Aussagen fehlt. Aber das macht seinen Reiz aus.

Ein trauriges, ernüchterndes, fesselndes und auch einfach schönes Buch.
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29 von 33 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Gehört zu meinen TOP 5...!, 8. Januar 2003
Rezension bezieht sich auf: Der Scherz: Roman (Taschenbuch)
Es gibt so Bücher, die einen so umhauen, dass man gradewegs sagen kann, es handle sich um "das beste Buch". Von solchen kann ich 5 (völlig unterschiedliche) aufzählen:
"Charly - flowers for Algernon"
"Der futurologische Kongress" (S. Lem)
"Picknick am Wegesrand" (Strugatzki)
"First and last man" (O. Stapledon)
und eben dieses Buch von Milan Kundera.

Ein kleiner Tropfen fällt ins Wasser und verursacht kreisförmige Wellen. Diese breiten sich weiter aus als mit menschlichem Auge erkennbar. Ein Netz an Konsequenzen wird ausgebreitet und vielleicht werden Fische auseinandergetrieben und dadurch Fisch-Liebschaften gewonnen oder zerstört.

Der Tropfen steht hier für einen Scherz. Einer, der in wenigen Sekunden erfunden, zu Papier gebracht und wieder vergessen wird. Bei mindestens 5 Menschen beeinflusst dies die Weiterentwicklung deren Werdegangs in vollem Umfang und das Leben eines jeden dieser Menschen hätte sich später vollkommen anderst entwickelt, wäre da nicht dieser Scherz gewesen.

So würde ich das Erzählgerüsts dieses Romans zusammenfassen - so stelle ich mir im weitesten Sinne auch die Grundidee des Authors vor. Der Scherz bildet den Mittelpunkt von Ereignissen ungeahnten Ausmasses. Des weiteren wird stets aus der Ich-Perspektive verschiedener Menschen erzählt, wobei die emotionalen Welten und Gedankengänge dermassen genau und nachvollziehbar geschildert werden, dass man immer in der Haut der jeweiligen Person zu stecken scheint, was unheimlich spannend ist und stark berührt, weil man "lernt", wie unglaublich verschiedenartig gewisse Aussagen/Reaktionen interpretiert werden können, wie sehr diese auch von der emotionalen Innenwelt abhängig sind.

Packt, interessiert und bewegt. Supermenschlich und brutal in seiner Konsequenz ist dieser Roman ein unvergessliches Erlebniss.

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