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Sie brauchen dazu natürlich etwas Erfahrung. Reichern Sie die Beschreibung an mit philosophischen Gedanken. Nützlich sind Erklärungen medizinischer Termini und ärztlicher Rituale. Krönung ist die Selbstkritik, die jeden Leser, Laien genau so wie Kollegen aufhorchen lässt. Im Prinzip also ganz einfach. Das Ganze hat definitiv therapeutischen Wert, die Selbstreflexion ist unerlässlich, wenn Sie im Medizinbetrieb Mensch bleiben wollen.
Die Schere im Bauch enthält alle diese Elemente. Wir lesen von Patienten, die nach Anfängerfehlern sterben. Wir zittern mit, wenn Gawande von seinem ersten chirurgischen Schnitt berichtet. Wir bedauern die Kranken, die als Übungsobjekte für junge Assistenzärzte herhalten müssen. Wir freuen uns mit der Patientin, die zum Sterben nach Hause entlassen wurde und sich ein Jahr später bester Gesundheit erfreut. Und am Ende hält es uns kaum im Lesesessel, wenn Atul Gawande beschreibt, wie er inmitten der Routinearbeit einen Fall nekrotisierender Fasziitis zu erkennen glaubt (das ist die seltene, tödliche Krankheit, bei der laut Bild-Zeitung "Fleisch fressende Killerbakterien" angreifen) und dieser Verdacht sich tatsächlich bestätigt. Danach geschieht schier Unglaubliches, das hier nicht verraten sei.
Gawande schildert die harte Realität. Das Buch atmet Authentizität, es stellt deshalb jede noch so gut gemachte Fiktion in den Schatten. Michael Crichtons Vorlage zu Emergency Room nicht unähnlich, ist Die Schere im Bauch jedoch weniger massenkompatibel, weil exakter und passagenweise auch verstörend. Die spürbar optimistische Grundeinstellung bildet aber einen wohltuenden Kontrast zu düsteren Klassikern wie House of God.
Dies ist ein packendes, ein aufrüttelndes Buch, das man einfach nicht mehr aus der Hand legen kann. An alle Ärzte und solche, die es werden wollen: Lesen Sie es! Und wenn Sie es sich zutrauen: Schreiben Sie selbst! Zeichnen Sie aus Ihrer Perspektive ein menschliches Abbild der Ärzteschaft, so wie Gawande es hier für die Chirurgen tut. Überlassen Sie das nicht den Medien auf deren Suche nach Sensationen und Ärztepfusch. Es lohnt sich immer! --Philipp-R. Schulz
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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
"Complications",
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Die Schere im Bauch. Aufzeichnungen eines Chirurgen. (Taschenbuch)
Ich bin gerade dabei das Buch "Die Schere im Bauch" (auf engl. "Complications") zu lesen. Bis jetzt halte ich es für ein sehr gut geschriebendes Buch, welches auch dem Laien verständlich ist. Medizinische Begriffe wie "Vasektomie" oder "Tracheotomie" werden dem Leser verständlich erkärt. Auch die Problematik der Chirugen, die tagtäglich lebenswichtige Entscheidungen treffen, und deren Unsicherheit, wird angesprochen.Insgesamt ein sehr gutes Buch wie ich finde. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Fehler passieren ... es stellt sich nur die Frage wie man damit umgeht, was man daraus lernt.,
Von Bücher, Basteln, Backen und noch ein paar and... - Alle meine Rezensionen ansehen (TOP 50 REZENSENT)
Rezension bezieht sich auf: Die Schere im Bauch: Mysterien der Medizin (Taschenbuch)
'Einzugestehen, dass man etwas nicht weiß, ist Wissen.'Konfuzius Ärzte sind keine unfehlbaren Götter in Weiß. Ein beeindruckendes Buch darüber hat der amerikanische Chirurg Atul Gawande geschrieben. Eingeteilt ist dieses Buch in drei Bereiche: - Fehlbarkeit - Mysterien der Medizin - Ungewissheit Im ersten Teil geht es vor allem um die medizinische Ausbildung, ausgehend von den Erfahrungen des Autors. Wie erwirbt man die notwendigen Fähigkeiten? Geschick und Selbstvertrauen kommen mit der Erfahrung. Nicht alles funktioniert auf Anhieb. Dies musste auch der Autor erleben. Üben, üben, üben ... ist angesagt. Und so verwundert es auch nicht, dass der Wille dran zu bleiben und Beharrlichkeit eine wichtige Rolle spielen. Und wenn Fehler passieren, wie kann man sie vermeiden? Wie kann man die Fehlerquote reduzieren? Ist Spezialisierung sinnvoll? Wie oft führt uns die Intuition in die Irre? Andererseits gibt es weiter hinten im Buch auch ein Beispiel, wo die Intuition ihm, dem Autor, geholfen hat einer Patientin mit einer sehr seltenen Krankheit zu helfen. Atul Gawande wägt den Einsatz von Computerprogrammen ab, und zeigt, dass sich Sorgfalt und Wachsamkeit in den winzigsten Details lohnen. Daneben spricht er auch die Fehlerkultur seines Berufsstandes an. Die Schwierigkeiten, dem Patienten gegenüber einen Fehler einzugestehen, und wie man dies aus juristischen Gründen formuliert: "Es tut mir leid, dass die Sache nicht so gut gelaufen ist, wie wir es uns erhofft haben." (81) Denn ein Geständnis wäre vor Gericht ein schlagkräftiger Beweis. Und wer setzt sich dem schon unnötig aus? Überhaupt beurteilt Gawande Gerichtsverfahren als "bemerkenswert wirkungsloses Mittel". Fehler passieren. Jedem. Irgendwann. In den USA gibt es deswegen die sogenannten Morbidity and Mortality Konferenzen, kurz M&M genannt. In der Regel in Lehrkrankenhäusern im wöchentlichen Turnus abgehalten, bieten sie den Ärzten die Möglichkeit miteinander frank und frei über ihre Fehler zu sprechen, und Lösungen zu finden, wie man etwas hätte vermeiden können, wie es besser gemacht werden kann. Natürlich führt Gawande viele reale Beispiele an. Und er berichtet von seinen eigenen Fehlentscheidungen. Dies ist überhaupt das Bemerkenswerte an diesem Buch. Atul Gawande geht sehr offen mit seinen eigenen Entscheidungen und Erfahrungen um. Einerseits seinen beruflichen Erfahrungen, andererseits seinem privaten Leben als Familienvater. Wenn er von seinem Zögern spricht, eines seiner Kinder einem relativ unerfahrenen, jungen Arzt zu überlassen, weil er aufgrund seiner eigenen Erfahrungen von den Unzulänglichkeiten des Systems weiß, so versteht man ihn. Ein Dilemma. Natürlich müssen junge Ärzte Erfahrungen sammeln. Er selbst musste dies einst ja auch. Aber bitte nicht am eigenen Sohn... Ein weiterer Aspekt in diesem ersten Teil sind Ärzte, bei denen sich Fehler häufen. Wie kommt es dazu? Wie kann man helfen? Gawande zeigt hier die Schwierigkeiten innerhalb des Berufsstandes diese Dinge anzusprechen, und rigoros dagegen vorzugehen. Im zweiten Teil - den Mysterien der Medizin - werden Dingen angesprochen wie Freitag, der 13, Schmerzen, deren Ursache sich nicht ermitteln lässt, aufsteigende Röte, die sich nicht unterdrücken lässt, oder ein Mann, der nicht mehr aufhören konnte zu essen. Ein interessanter Aspekt im dritten Teil sind Autopsien. Wie oft verzichtet man darauf, weil man meint, die Antworten bereits zu kennen. Weil man zuviel Selbstvertrauen in seine eigenen Fähigkeiten hat. Wie falsch man damit liegen kann, zeigt der Autor wieder an einem eigenen Erlebnis. Einem Fall, wo er von einer Lungenembolie als Todesursache ausgegangen war, und später feststellen musste, dass ein geplatztes Aortenaneurysma der Übeltäter war. Zu dumm nur, dass er zuvor einen Kollegen beschuldigt hatte. Irrtümlich beschuldigt hatte. Etwas genau untersuchen. Sich selbst in Frage stellen. Mit eigenen Augen sehen. Nichts anderes bedeutet Autopsie. Des Weiteren geht es in diesem dritten Teil auch darum wie man Patienten bei der Entscheidungsfindung begleitet. Es geht um das Mitspracherecht der Patienten. Fälle werden geschildert, bei denen der Patient oder Angehörige versuchten, die Entscheidung abzuwälzen, um nicht mit einer Fehlentscheidung leben zu müssen. So wie einst der Autor bei seiner eigenen, zu früh geborenen Tochter zögerte, ob sie intubiert werden sollte oder nicht. Als 'Kindliche Regression' bezeichnen der Ethiker Jay Katz und andere dieses Verhalten. Dass es selbst einem Mediziner passiert, zeigt, dass es eine überaus menschliche Verhaltensweise ist. Abgeschlossen wird das Buch mit ausführlichen Anmerkungen zu den einzelnen Kapiteln. Man findet dort Beiträge aus Fachzeitschriften oder Büchern, teilweise mit Kommentierung. Der Schreibstil ist sehr gut lesbar. Aufgrund der vielen praktischen Beispiele lassen sich Fachausdrücke natürlich nicht vermeiden. Atul Gawande gelingt es jedoch, die medizinischen Sachverhalte auch für Laien verständlich zu erklären. Man wird deswegen nicht zum medizinischen Experten, sehr wohl entwickelt man indessen ein Verständnis für den medizinischen Berufsstand. Man sieht die Unwägbarkeiten und die Zwickmühlen. Und man erkennt die Beschränkungen, denen Menschen unterworfen sind. Empfehlenswert nicht nur für Angehörige des medizinischen Berufsstandes oder medizinisch Interessierte. Die Ausführungen über Fehlerkultur, Entscheidungsfindung und die sonstigen beschriebenen Verhaltensformen sind auch auf andere Bereiche übertragbar. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Genial,
Rezension bezieht sich auf: Die Schere im Bauch. Aufzeichnungen eines Chirurgen. (Taschenbuch)
Der Autor trägt den Leser durch die Realitäten der heutigen modernen Medizin. Ohne Beschönigung, niemals altbacken oder arrogant beschreibt er die Probleme, die den jungen Arzt erwarten, wenn er im Kliniksalltag steht. Fast unbemerkt gibt er Ratschläge, wie man es -trotz aller Jugend und trotz aller Unsicherheit- besser machen kann.Er ist ein unerbittlicher Streiter für Sorgfalt, Zuwendung und Einsatz. Die Seite des Patienten beleuchtet er auf ebenso einfühlsame Weise, indem er seine Familiengeschichte mit einfließen lässt. Alles in Allem ein hervorragendes Buch, eine Pflichtlektüre für Krankenhausärzte, ein Manifest gegen die Gleichgültigkeit. Die beiden Folgebücher sind übrigens genauso lesenswert (Better, The Checklist Manifesto) Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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