Dies ist das letzte Studioalbum der Ton Steine Scherben von 1983. Jahre vor der Veröffentlichung auf CD hab ich die LP als 13jähriger entdeckt - ohne die alten Sachen zu kennen, die man seit eh und je mit den Scherben in Verbindung bringt.
"Scherben" ist auch meilenweit entfernt von politischen Parolen à la "Macht kaputt, was Euch kaputt macht" oder "Keine Macht für Niemand". Auch das Fantastisch-Mystische des Vorgängers "IV" (einem Meisterwerk ohne Konkurrenz) ist zurück auf den Boden der Realität geholt worden, wodurch finstere Zukunftsvisionen wie "Wo sind wir jetzt" oder "Traum ohne Stern" entstanden. "Sternschnuppen" ist Sehnsucht - nach Wärme, nach Leben, nach Zuhause, nach dem Tod. Danach ein wunderschönes Liebeslied, das Luft lässt zum Atmen, und der "Regentag", dem Spiegelbild von "Samstag Nachmittag" (vom dritten Album): Geborgen in der Einsamkeit, Wohlfühlen in der Leere, während draußen die Farben verwaschen... "Tanz!" macht an und fordert auf, "La Reponse" ist - natürlich - die Liebe und dann gibt's noch eine Ode an Hartz 4 (hieß damals noch anders...). Die letzten drei Songs schließlich entwickeln eine unglaubliche Atmosphäre, ob beklemmend-düster im "Fieber", luftig in "Ardistan" oder neblig-verloren in "Bist Du's".
Dieses Album hat mich von Anfang an gefesselt und bis heute nichts an seiner Faszination verloren. Das kann ich nicht jedem Hörer versprechen, zumal ich nicht einmal sagen kann, was es genau ist. Das ist Stimmung, oder Gefühl, auch wenn die Musik vordergründig dreckig und rauh klingt. Es sind keine Gassenhauer zu finden, kein "König von Deutschland", es ist eher zurückhaltend, aber mit ungeheurer Intensität.
"Scherben" steht heute etwas verlassen in der TSS-Discographie herum, weil es im Schatten des mächtigen Vorgängers so klein wirkt. Und danach nichts mehr wirklich passierte. Aber es lohnt sich, sich darauf einzulassen. Dann wirst du es spüren - ganz nah, nah nah..: das wunderbare Wunder.