Pressestimmen
Das Zeitdokument besticht durch seine Eindringlichkeit und seinen unverstellten Blick auf die Geisteslandschaft im Frankfurt der Jahre 1933-1945. (Frankfurter Neue Presse)
Eine außergewöhnliche Lektüre: unsentimental, sozial tiefenscharf, eigenständig in den geistigen und sittlichen Urteilen. Hahns Tagebuch macht sichtbar: die perfekt eingestellte Sozialmechanik des Dritten Reiches. Das Ineinander von Massen-Wohlfahrt und Minderheiten-Ausschluss, die stufenweise Verwandlung eines Gerüchtes in Denunziation, Haftstrafe und Mord.
Lili Hahns Tagebücher bieten eine atemberaubend erhellende Mitschrift des NS-Alltags, der in den 50er Jahren ao gründlich und vorsätzlich vergessen werden sollte. Gespräche und Reflexionen: Wie überaus lebendig wirkt das alles. Ein Buch, das das Personal von gestern als eines von heute erlebbar macht. Eine WOhlfühllektüre ist das nicht. (Mitteldeutsche Zeitung)
Kurzbeschreibung
In den Tagebuchblättern der Lili Hahn wird die Zeit 1933 45 aus der Sicht einer jungen Journalistin in
Frankfurt lebendig. Ein packendes Zeitdokument, das die Alltagsseite unserer dunklen Vergangenheit beleuchtet.
Lili Hahn, geboren im April 1914 in Frankfurt am Main, erlebt die Nazizeit in Deutschland als Tochter aus großbürgerlichem Haus. Als Journalistin, die nicht publizieren darf, führt Lili Hahn Tagebuch. Sie
notiert Protokolle über die Veränderungen der Menschen und der Gesellschaft, hält Ereignisse im Umfeld und eigene Erfahrungen fest. Sie beschränkt sich auf das, was sie selbst erlebt, doch entsteht mosaikartig
ein Zeitgemälde, aus dem sich das Gesamtbild des Dritten Reiches eindringlich und beklemmend entwickelt. Ohne die Fehler der eigenen Familie zu vertuschen, fühlt sich Lili Hahn der wahren Berichterstattung verpflichtet. Lilis Vater ist ein angesehener Arzt in Forschung und Praxis und kann sich nicht vorstellen, dass die Nazis an seiner Reputation auch nur kratzen können. Wie viele Deutsche klammert er sich an die Hoffnung, dass unbescholtenen Bürgern nichts Böses droht. Lilis Mutter ist der Herkunft nach Jüdin, aber dem Glauben nach glühende Christin, hält sich daher für immun gegen die Judenverfolgung. Lili selbst sieht das Unheil kommen, denn mehr und mehr Freunde werden
inhaftiert und deportiert, und auch sie gerät ins Visier der Nazis ...
Lili Hahns Tagebuch bleibt immer weiter lesenswert, weil es viel über die Gewöhnlichkeit des alltäglichen Faschismus aussagt und man zugleich die Momente wahrnimmt, in denen Neutralität nicht mehr möglich ist.