Aus der Amazon.de-Redaktion
Auf seinem letzten Longplayer,
Ein Album Namens Bernd, gelang es Rene El-Khazraje alias MC Rene nur teilweise, die Energie seiner Liveauftritte auch auf Platte zu bannen. Dieses Problem hat er nun mit
Scheiss Auf Euren HipHop mehr als zufrieden stellend gelöst. Der ehemalige TV-Moderator (
Mixery Raw Deluxe auf Viva) hat sich mit diesem Longplayer endlich freigeschwommen und von allen künstlerischen Fesseln befreit.
Die 15 Tracks fallen nicht nur inhaltlich deutlich härter als früher aus, auch musikalisch verzichtet MC Rene auf alle faulen Kompromisse und geht mit der deutschen HipHop-Szene und ihren Protagonisten in Stücken wie "Kein Bisschen Weise" und "Whack Und Kommerz" hart ins Gericht. Der besondere Humor, durch den MC Rene sich schon immer vom Rest der deutschsprachigen Rapper unterschieden hat, kommt aber trotzdem nicht zu kurz. Besonders in Tracks wie "Django" und "Pump Up Den Shit" verpackt der 25-Jährige seine Kritik an den ermüdenden Klischees der HipHop-Szene in elektrisierende Reime. Zu den ungewöhnlichsten Songs zählt aber definitiv die zusammen mit Xavier Naidoo eingespielte Ballade "My Man", in der die beiden sehr ernsthaft über das Haltbarkeitsdatum von Freundschaften nachdenken. --Norbert Schiegl
INTRO
Als Rene 1993 in der "HipHop Horray"-Sendung (Lost in Music) zum ersten Mal einem breiteren Publikum bekannt wurde, galt er in der Szene als die ganz große Hoffnung. So entspannt und fließend hatte bisher noch niemand auf Deutsch gefreestyled. Und der Junge war gerade mal 15 Jahre alt! Vielleicht war es dieser Erwartungsdruck und die Bemühung verschiedener Old Schooler, ihn unter ihre Fittiche zu nehmen, die verhindert haben, dass sich Rene selbstbewusste Eigenständigkeit erarbeiten konnte. Bis heute haben oft andere Leute über sein Image entschieden, auf der letzten Platte waren die Texte größtenteils nicht von ihm, und auf Mixery Raw Deluxe ließ man zu, dass er sich ständig aufs neue blamierte und mit seinen Luftblasen-Fragen Beispiele lieferte für die Banalität des Blöden. Zu seiner Verteidigung sei erwähnt, dass diese Art des gegenseitigen Worthülsenaustauschs hervorragend passte zu einer Deutsch-Rapszene, die ohnehin nichts zu sagen hatte. Allein als Moderator zeigt Rene alte Form: vor Publikum, auf der Bühne, mit dem Live-Feeling - das passt viel eher zu ihm als Freestyle auf Knopfdruck vor der Kamera. Außerdem ist Rene ein höflicher und bescheidener Mensch - Eigenschaften, die den meisten Moderatoren nun wirklich abgehen. Jetzt legt er sein inzwischen drittes Album vor. Von der Viva-Tätigkeit hat er sich verabschiedet; Rene, der MC ist wieder da. Für ihn Anlass genug, den bisherigen Weg zu reflektieren und in einen Sinnzusammenhang zu stellen. "Scheiß auf euren HipHop" sei ein "Scheideweg-Album". Damit werde er allen zeigen, dass er ein guter Rapper ist. An vielen Stellen bemüht sich Rene um eine Abgrenzung vom Sell-out. Es gäbe so viele gute Crews da draußen, die keiner kennt; denen gelte sein Respekt, behauptet er. Fragt sich nur, warum er solche Crews nie in seine Sendung geholt hat. Was Rene an vielen Stellen beklagt, sind Dinge, zu denen er selbst durch seine unkritische, langweilige Berichterstattung beigetragen hat. Die erste Auskopplung, "Pump ab den Shit", hat durchaus Chancen, als gut produzierter Club-Bouncer Karriere zu machen. Und auf der Single ist ein weiterer Track, der die Szene-Gemüter erhitzen wird. Auf "Gegen den Gnom" (eine Anspielung auf den Azad-Titel "Gegen den Strom"), disst Rene den Frankfurter 3P-Künstler, wirft ihm vor, sich ihm auf dem Chemnitzer Splash-Festival nicht zum Battle gestellt zu haben. Besonders delikat wird die Sache dadurch, dass Rene in diesem Song u.a. Vocals von Kool Savas, der mit Azad gut befreundet ist, gesampelt hat.
Hannes Loh / Intro - Musik & so
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