Waren die bisherigen Jane-Rizzoli-Thriller bereits ziemlich heißer Lesestoff, so könnte man sich an Scheintot bereits fast die Finger verbrennen, denn dieser Band legt die Latte ziemlich hoch.
Ein Albtraum scheint real geworden zu sein, als sich die beiden Mädchen Mila und Anja auf dem Weg in die USA plötzlich in den Händen von skrupellosen Menschenhändlern wiederfinden. Auch für Gerichtsmedizinerin Maura Isles wird ein solcher Albtraum wahr, als sie einem verdächtigen Geräusch im Kühlraum nachgeht und unter ihren Leichen eine Lebende findet. Doch die vermeintlich Ertrunkene lebt und wird in die Notaufnahme gebracht, wo sie beginnt wild um sich zu schlagen. Auch Jane Rizzoli hat zu diesem Zeitpunkt mit Problemen zu kämpfen, als ihr während einem Tumult im Gerichtssaal die Fruchtblase platzt. Tags darauf will Maura ihre "Patientin" besuchen, der auch bereits eine unerwünschte Medienaufmerksamkeit zu Teil geworden ist. Die lebende Tote hat sich jedoch nicht beruhigt und nur abgewartet, so überwältigt sie einen Wachmann und entreißt diesem seine Waffe, mit der sie sogleich in die Abteilung für Bilddiagnostik flüchtet und Geiseln nimmt, darunter auch die hochschwangere Jane...
Eine schwangere Polizistin in Geiselhaft einer scheintoten Wasserleiche, da sind so manche Komplikationen eigentlich vorprogrammiert, aber ohne zuviel zu verraten, es ist komplexer als es den Anschein hat und kommt auch ganz anders, lassen sie sich also überraschen. Wie in jedem Jane-Rizzoli-Thriller brilliert auch Scheintot dadurch dass die Hintergrundgeschichten darin erst langsam an den Tag dringen und immer wieder das Maximum an Spannung aus dem Plot herauskitzeln. Und diesmal steht gleich mehr auf dem Spiel als nur Janes oder Mauras Leben, nämlich auch das von Janes ungeborenem Kind. Dabei müssen nun auch Janes Freunde und Kollegen beweisen, dass sie im Ernstfall wirklich fähig sind zusammenzuarbeiten und die Hintergründe der Geiselnahme schnellstmöglich aufzudecken ehe es zur scheinbar unvermeidbaren Katastrophe kommt.
Wie schon Schwesternmord der Reihe eine neue persönliche Dimension verliehen hat, so setzt Scheintot völlig neue Maßstäbe in Sachen Dramatik, Spannung und Action, was fast schon unglaublich klingt und trotzdem hervorragend funktioniert. Mit der Thematik Menschenhandel und Prostitution beschreitet Tess Gerritsen auch in Hinsicht auf sozialkritische Botschaften wieder Neuland, nachdem sie in Todsünde bereits kurz auf die dunklen Machenschaften von Pharma-Konzernen angespielt hat. Allerdings gelingt es ihr dieses zusätzliche Handlungselement über die heimliche Erzählerin Mila perfekt in die Handlung zu integrieren, es ist die Hintergrundgeschichte, die dem Plot schlussendlich völlig neue Wendungen gibt.
Fazit:
Grandiose Spannung, Dramatik und Action in einem Plot der unvorhersehbarer kaum sein könnte und sich die Bezeichnung Pageturner mehr als verdient hat.