Aus der Amazon.de-Redaktion
Ein Vater, 51. Seine Tochter hat er seit der Scheidung insgesamt sechs Stunden lang gesehen. Die Scheidung ist acht Jahre her. Dazwischen: menschliche Katastrophen, Enttäuschung, Verbitterung, Ohnmacht, Haß im Kampf um das verlorene Kind. Dieser Vater ist einer unter vielen -- zu vielen, wie Martin J. Davis findet.
Elf Väter kommen in diesem Sachbuch zu Wort, elf Betroffene, die von ihrem Leiden erzählen. Der zwölfte Betroffene ist der Autor selbst: Davis, der Sozialpsychologie in England studierte, ist ebenfalls ein geschiedener Vater. Seine Erlebnisse und Probleme während und nach der Trennung bewegten ihn dazu, ein Buch über die Situation der, wie er meint, benachteiligten Männer zu verfassen. Die elf Väter, die ihre Geschichte erzählen, fand Davis durch Anzeigen in drei überregionalen Zeitungen; und diese Geschichten, die in ihrer Brisanz manchmal geradezu unglaublich anmuten, bilden den Hauptteil dieses Buches. Im Anschluß analysiert Davis ein wenig die Trennung aus der Sicht des Vaters und macht sich Gedanken zur Konfliktreduzierung während der Trennung.
Kaum Informationen liefert er dabei aber über die konkreten rechtlichen Bedingungen, die er kritisiert; überhaupt bleibt er, was über Klagen hinausreicht, recht diffus und substanzlos. Was die Benachteiligung der Väter angeht, versucht Davis explizit nicht, "unparteiisch zu bleiben", was aufgrund seiner persönlichen Scheidungserfahrungen auch verständlich sein mag. Doch wer gegen eine "undifferenzierte Schwarzweißdenkweise" angehen will, sollte dies in dem Medium, in dem er es fordert, auch selbst umsetzen. --Lilli Belek