Das "mächtige Häuflein" war eine der einflussreichsten Gruppierungen in der russischen Musikwelt des 18. Jahrhunderts. Seine Mitglieder um Modest Mussorgsky, Mili Balakirev, César Cui, Alexander Borodin und Nikolay Rimsky Korsakov standen in klarer Opposition beispielsweise zu Peter Tchaikovsky, dessen Musik dem "mächtigen Häuflein" zu verwestlicht war. Interessanterweise sind die Kompositionen der Mitglieder des "mächtigen Häufleins", das das Erbe Mikhail Glinkas fortführen wollte, teilweise weitaus verwestlichter als die Tchaikovskys.
Anders als Cui, Balakirev, Mussorgsky oder Borodin war Nikolay Rimsky Korsakov (1844-1908) kein Autodidakt, was Komposition anbelangte. Als hauptberuflicher Komponist schuf er somit auch die meisten Werke im Kreise seiner Kollegen. Dennoch wird er heute beinahe ausschließlich mit seiner sinfonischen Suite "Sheherazade" op. 35 assoziiert.
Diese Suite basiert auf der berühmten Geschichte von Sinbad und seinen Seefahrten und Abenteuern. Im Rahmen eines eindrucksvollen Bildes stellt der russische Komponist zunächst das Meer und Sinbads Schiff vor. Wie auch in den folgenden Sätzen so dominiert die erste Violine weite Strecken des Geschehens. In den folgenden beiden, teils pittoresken Sätzen werden Prinz Sinbad und seine Prinzessin näher beschrieben, bis schließlich ein rauschendes Fest im bombastischen Finale gefeiert wird. Am Ende zerschellt Sinbads Schiff.
Als passende Zugaben gibt's Peter Tchaikovskys "Capriccio italien" op. 45 sowie die Ouverture solennelle "1845" op. 49, zwei in eben dem Maße exotische, aber dennoch leicht verdauliche Werke. Während Tchaikovsky in seinem "Capriccio" intime Urlaubserinnerungen verarbeitet, schrieb er die Ouvertüre nach eigener Aussage "ohne Herzblut". Jedenfalls beinhalten beide Stücke einige der populärsten Melodien des russischen Tonsetzers.
Immer wenn sich Herbert von Karajan mit seinen Berliner Philharmonikern daran machte, Kompositionen der sogenannten "leichten Klassik" aufzunehmen, konnten sich die Fans in aller Welt sicher sein, dass das zu einem ganz besonderen Ereignis würde. Und so verwundert es nicht, dass die vorliegenden Aufnahmen von 1966/ 1967 hervorragend und - auch dank der ausgezeichneten Tonqualität - bis heute gültig sind. Zum damaligen Zeitpunkt gehörte auch Rimsky Korsakovs "Sheherazade" noch zu den Repertoireklassikern, was sich ja in den letzten Jahrzehnten durchaus geändert hat.
Karajans Deutung jedenfalls ist wunderbar transparent und differenziert, dabei aber stets nuancenreich, farbig und unendlich warm. Durch die vollkommene Virtuosität aller Akteure entstehen genügend individuelle Freiräume für Kontraste und haarscharfe Akzente, die die inwendige Spannung immens steigern. Der klare, helle Klang der Berliner kann mit Leichtigkeit den gerne gehegten Vorwurf des "karajanschen Schönklanges" parieren.
Fazit: Eine weitere klassische Aufnahme in der Reihe der "Originals"! Karajan in Höchstform!