Martin Fritz, geb. 1960, ist Redakteur beim Norddeutschen Rundfunk und seit 2001 Ostasienkorrespondent der ARD in Tokio. Mit "Schauplatz Nordkorea" hat er ein 150 Seiten schmales Sachbuch vorgelegt das hervorragend in den Atomkonflikt zwischen Nordkorea und den USA einführt und dessen historisch-politische Hintergründe knapp, aber umfassend und präzise analysiert. Es eignet sich insbesondere für Interessierte, deren Wissensstand bislang über die täglicher Zeitungslektüre nicht hinausreicht.
Martin Fritz schildert anschaulich, sachlich und gut informiert (dank mehrer Reisen nach Nord- und Südkorea) in zehn Kapiteln die Ursachen, den Verlauf und den politischen Kontext des Atomkonflikts zwischen Nordkorea und den USA. Dabei beschreibt er zunächst das nordkoreanische politische Regime und dessen zentrale politische Ideologie des Kimismus, die sich als eigentümliche Mischung nationalistisch-konfuzianisch-kommunistischer Versatzstücke herausstellt. Gleichzeitig wird den Leserinnen und Lesern eindrücklich vor Augen geführt, dass es gegenwärtig wohl kein anderes politisches System auf der Welt gibt, das dem Orwellschen Idealtypus des Knebelungs- und Überwachungsstaates aus 1984 näher kommt. Fritz widmet sich auch der nordkoreanischen Ökonomie und zeigt, dass, entgegen der internen Regimepropaganda, Nordkorea weitestgehend von ausländischen Wirtschaftsmächten, insbesondere China, abhängig ist. Im vorletzten Kapitel beleuchtet Fritz das nordkoreanische Problem aus südkoreanischer Perspektive. Abschließend formuliert er einige Gedanken über friedliche Wege aus der Atomkrise. Er kommt dabei zu folgendem Ergebnis: 'Nordkoreas großer Trumpf ist seine Fähigkeit, einen (atomaren) Krieg zu führen. Dieses Vermögen vertraglich zu beschränken, würde die koreanische Halbinsel ' und die übrige Welt ' sicherer machen. Den schwierigen Rest könnte man den Koreanern überlassen.' Eine knappe Chronologie der Ereignisse seit 1990 sowie eine Übersichtskarte beider Koreas runden die exzellente Darstellung ab.