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Schau dir das an, das ist der Krieg: Dieter Wellershoff erzählt sein Leben als Soldat
 
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Schau dir das an, das ist der Krieg: Dieter Wellershoff erzählt sein Leben als Soldat [Audiobook] [Audio CD]

Thomas Böhm , Klaus Sander , Dieter Wellershoff
4.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (5 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Audio CD
  • Verlag: supposé; Auflage: 1 (18. Oktober 2010)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3932513959
  • ISBN-13: 978-3932513954
  • Größe und/oder Gewicht: 13,4 x 13,4 x 1,8 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (5 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 346.335 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

"Dieter Wellershoff erzählt von seiner Zeit als Soldat der Wehrmacht und seinen Einsätzen an der Ostfront. Klaus Sander und Thomas Böhm konnten Wellershoff, der 1925 in Neuss geboren wurde und heute Kölns bedeutendster Schriftsteller ist, in diesem Frühjahr interviewen. Und wie stets bei den Produtionen von Klaus Sanders supposé-Verlag hat man den Eindruck, dem Sprechenden direkt gegenüber zu sitzen. Der 84-jährige erzählt von den sinnlosen Angriffen gegen einen technisch und zahlenmäßig weit überlegenen russischen Gegner. Er spricht über den Moment, in dem sein Führungsoffizier in den Hals geschossen wird, oder der Kamerad neben ihm in den Rücken. Die große zeitliche Entfernung lässt ihn die Schrecken oftmals nur konstatieren; vieles erzählt sich für heutige Ohren erstaunlich abgeklärt, gerade weil man merkt, wie Wellershoff darum bemüht ist, sich selbst die Ungeheuerlichkeit der Ereignisse zu vergegenwärtigen. Es ist interessant und mutig, dass er sich diesem Erinnerungsprojekt ausgesetzt hat. So ist neben dem Blick auf die konkreten Fronterlebnisse der Ton, mit dem er über Nationalsozialismus und die Kriegskatastrophe spricht, das Vermächtnis, das seine Generation hinterläßt. Mit einem schnörkellosen Erzählgestus, der aus dem realen Leben des Durchschnittsdeutschen berichtet ohne einen moralischen Bedeutungshorizont aufzuziehen, wird hier über den größten Krieg aller Zeiten gesprochen. Es ist faszinierend, dieser Wahrheit zu lauschen, und man folgt begierig Dieter Wellershoffs lässiger rheinischer Intonation. Eine tolle Produktion - zumal sich das Projekt wunderbar in die Erinnerungsreihe von supposé mit Aufnahmen von Peter Kurzeck und Herta Müller fügt." (Thomas Linden, Kölnische Rundschau, 21. Oktober 2010) "Dreieinhalb Stunden lang erzählt Wellershoff von seinem Leben als Soldat. Lakonisch, beinah kühl, nichts beschönigend und ganz bewusst ohne theoretischen Überbau. Er vergegenwärtigt sich vielmehr noch einmal ganz minutiös die Perspektive des Siebzehnjährigen. Auch wegen seiner Ehrlichkeit ein unglaublich beeindruckendes Dokument." (Gabriela Schaaf, Deutsche Welle, Bücherwelt, 30. Oktober 2010) "Eine Aufsehen erregende, überaus faszinierende Publikation." (Hajo Steinert, Deutschlandfunk Büchermarkt, 1. November 2010) "Dieter Wellershoff, der ehedem kriegsbegeisterte, geht mit sich kritisch ins Gericht, in der Rückschau. Er, der als junger Mann geradezu lüstern in diesen 2. Weltkrieg gezogen war, in der Division des morphiumsüchtigen Gespensts Hermann Göring. In freier Rede lässt Wellershoff Revue passieren, was der Krieg mit ihm machte. Mit ihm, der nach dem Krieg jener Generation angehören sollte, für die der Soziologe Helmut Schelsky den Ausdruck 'skeptische Generation' geprägt hat." (Knut Cordsen, Bayern 2 kulturWelt, 3. November 2010) "Eine traumatisierte Generation blieb überwiegend sprachlos, weil die Nachwachsenden vom Krieg nichts wissen wollten und weil Auschwitz und die Verstrickungen der Wehrmacht in Kriegsverbrechen ihre Erfahrungen verdrängte. Was für ein Glücksfall, dass Dieter Wellershoff im Alter noch einmal den Bogen zurück zu den letzten Monaten und Jahren dieses verheerenden 2. Weltkrieges schlägt. Ohne Manuskript erzählt er 215 Minuten lang umfassend über diese für ihn so prägende Zeit, gibt einen tiefen und faszinierenden Einblick wie dieser Krieg ihn und eine ganze Generation formte. Bei einem Himmelfahrtskommando im Memelbrückenkopf entkam er dem massenhaften Sterben nur ganz knapp. Scheinbar ruhig und gelassen erzählt Dieter Wellershoff über diese so ferne Zeit. Und doch wird die Stimme mal forscher, mal leiser, manchmal sagt er zum Schluss 'na ja' oder er lacht kurz auf. Nach und nach entsteht für den Zuhörenden so ein Gewebe aus intensiven Bildern.“ (Angela Gutzeit, WDR 3 Mosaik, 3. November 2010) "Dieter Wellershoff hat am 3. November seinen 85. Geburtstag gefeiert - und seinerseits dem deutschen Publikum termingerecht ein Geschenk überreicht: Auf drei CDs des Labels supposé erzählt er von einer Welt, zu deren Gefüge alsbald auch Uniformen, Fanfarenklänge und Gänsehaut bei Gesängen am Lagerfeuer gehörten - und die dann im Zweiten Weltkrieg völlig aus den Fugen geriet. Wellershoff hat sich schon oft in Essays oder seinem Klassiker 'Der Ernstfall' mit beeindruckender Präzision an die Zeit des Nationalsozialismus erinnert. Doch erst die mündliche Erzählung setzt bei ihm einen gewaltigen Erinnerungsstrom frei - eine neue Dimension, die selbst in unserer vergangenheitsversessenen Gedächtniskultur ihresgleichen sucht. Vor unseren Ohren entsteht eine Mentalitätsgeschichte des Nationalsozialismus, jenes Amalgam aus alten Prägungen und Modernität, Hölderlin und Flak. Hier hat jemand für seine Generation ein erschütterndes, dreieinhalbstündiges Zeugnis abgelegt, adressiert an die Nachwelt." (Alexander Cammann, DIE ZEIT, 4. November 2010)

Kurzbeschreibung

Box mit 3 Audio-CDs, 215 Minuten und Booklet, 12 Seiten. Konzeption & Regie: Thomas Böhm und Klaus Sander. Erzähler: Dieter Wellershoff. Aufnahmen: Klaus Sander. Schnitt & Mastering: Michael Schlappa.

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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
13 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Audio CD
Wenn man Großvater mir vom Krieg erzählt hat, waren das immer die gleichen, kurzen Geschichten. Niemand in unserer Familie hat je ausführlich von seinen Erlebnissen im Krieg erzählt.
Ich kenne auch niemandem im Freundeskreis, dem ausführlich Kriegserlebnisse erzählt wurden. Die Soldaten hatten wohl Angst, in welchem Licht sie dann stehen würden. Vielleicht gab es aber auch nicht die Zeit und die Gelegenheit mal ausführlich zu erzählen.
Was aber eine ausführliche Erzählung bedeutet hätte, vermittelt diese CD-Box. Wellershoff erzählt frei - mit einer sehr angenehmen Stimme und einem großen, sehr genauen Wortschatz - wie er aufgewachsen ist, als Sohn eines Militäroffiziers. Er wächst richtiggehend ins Soldat-Sein hinein.
Ich habe beim Anhören zum ersten Mal verstanden, wie es gewesen sein muss, in der NS-Zeit jung zu sein. Wie man fast automatisch mitgemacht hat, weil man - wie es an einer Stelle heißt: "keine andere Welt kannte" und weil in Deutschland ja alles zu gelingen schien.
Wenn Wellershoff dann auf der zweiten CD vom Kriegsalltag erzählt - unglaublich, wie präsent ihm die Details noch vor Augen stehen! - versteht man auch, was Krieg ist. Er erzählt ganz unmoralisierend,auch rücksichtslos gegen sich selbst. Wenn er berichtet, dass er, als ein Kamerad getroffen wurde und nach seiner Mutter schrie, dachte: "Was rufst Du nach Deiner Mutter, die kann jetzt auch nicht mehr helfen", dann zeigt das auch, wie ehrlich er erzählt.
Die dritte Cd handelt dann von seiner Flucht an der Ostfront vor den heranrückenden russischen Truppen.
So gibt es drei grosse Themen - Kindheit im Dritten Reich, Soldatenleben an der Front, Flucht vor den Russen - die ganz detailreich beschrieben werden und ein viel komplexeres, lebendigeres Bild vom Krieg vermitteln, als ich das bisher aus Büchern wie Kempowskis "Echolot" oder Filmen kannte.
Sowas habe ich noch nie gehört, erinnert mich an die tolle CD vom gleichen Label (supposé) mit Herta Müller. Wirklich sehr beeindruckend.
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10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Riyad Salhi TOP 1000 REZENSENT
Format:Audio CD
Opa war im Krieg, Opa erzählt vom Krieg. Aber Opa ist so maulfaul. Man kann ihn fragen, doch wir wollen nicht nur wissen, wo er wann mit wem gewesen ist, sondern was genau geschah. Was in ihm vorging. Wie er zu all dem gestanden hat. Informationen von dieser Qualität sind in der intrafamiliären und -generationellen Kommunikation seit Jahrzehnten gefühlte Leerstellen oder notdürftig gewässert mit reflexhaften Satzbausteinen, vor allem dann, wenn - und das ist wohl unvermeidlich - Tod, Selbstzweifel und erst recht der Holocaust berührt werden. In der lesenswerten Studie "Geschichte machen" von Olaf Jensen wird eine Redeweise beschrieben, die insbesondere das Täterhandeln gesichtslos erscheinen lässt. Gleichsam gab es immer wieder Männer, die ihre Soldatenzeit en detail beschreiben, gerne auch im Selbstverlag, doch hat das fast immer mit Landser-Romantik zu tun. Dieter Wellershoff, dessen "Der Liebeswunsch" mir hochgradig überbewertet zu sein scheint, hat ein Buch über sein Erleben der braunen Zeit verfasst ("Der Ernstfall: Innenansichten des Krieges"), und einige der Selbstbeobachtungen und Erlebnisse dort fließen auch in die mündliche Rede auf diesen drei CDs (215 Minuten) ein. Durch die Lektüre des Kriegsbuches ist Klaus Sander mit Sicherheit erst auf Wellershoff gestoßen, zumal ihm eine Parteimitgliedschaft - zumindest auf dem Papier - nachgewiesen werden konnte, die er sich selbst offenbar nicht erklären kann und auf dieser Veröffentlichung auch keine Erwähnung findet.

Es ist wieder einmal eine großartige Produktion, die mit dem späteren Schriftsteller Wellershoff in keinerlei Verbindung steht, somit muss man gar nicht wissen, was Wellershoffs Prosa ausmacht. Wir hören vielmehr einem alten Mann dabei zu, wie er - ohne hörbare Schere im Kopf - von der Zeit damals erzählt, und weder ist da Nostalgie & Verklärung beigemischt noch nachgetragene Abscheureflexe. Wellershoff soll, so Sander, vor den Aufnahmen jedes Mal unruhig geschlafen haben, er wollte darüber reden, es sprudelte nur so aus ihm heraus, und dabei ist ein so artikulierter Mensch wie er wohl am ehesten jemand, der das alles nicht zum ersten Mal transportiert, schon vorher mehrfach die Gelegenheit hatte, nur eben nicht in dieser Großform. Diese Biographie beginnt nicht erst 1939, sondern sehr viel früher, ist eine Beschreibung der Eltern, der Freunde und dem Leben in Grevenbroich in vielerlei Facetten - aus der Sicht eines Kindes, eines Jugendlichen. Wellershoff ist einem sehr nahe, er sitzt dort in dem anderen Sessel mir gegenüber, hält gefühlten Blickkontakt, Erinnerungslawinen bändigend, er gräbt Beobachtungen aus, die den Blick nicht etwa verstellen, sondern alles fühlbar machen, dabei ist nichts daran ornamental oder romanhaft, und obwohl Wellershoff selbstverständlich nicht mir persönlich vom Schießen, Verletzungen, Befehlen, Lazaretten und scheuen Mädchen erzählt hat, bilde ich mir ein, dass es doch so war, dass ich ihn Dieter nennen kann, er mein neuer Opa ist. Natürlich liegt das an der unsichtbaren Gesprächsführung, den wohl gesetzten Schnitten, am Kamingesprächgefühl, das während der Aufnahmen geherrscht haben muss.

Glück hat er gleich mehrfach gehabt: Ein Fehlschuss knapp über seinem Kopf, nicht in ein Massaker verwickelt zu werden, zufälligerweise einen Heimatschuss zu bekommen und nicht etwa Kugeln in den Hals. Obgleich der junge Dieter so gar nicht dem Musternazi entspricht, geht er im Soldatischen auf, hat Respekt vor Uniformen, und es erfüllt ihn mit Stolz, den Vater in der Uniform eines Luftwaffenoffiziers zu sehen. Für seine schwächliche Mutter schämte er sich, weil sie Lebensmittel hamsterte und Angst vor Bombenfliegern hatte. "Auf einmal klappte alles in Deutschland", so beschreibt er die Stimmung Mitte der 30er. Dann der Krieg mit allem, was erwartet werden darf. Die Pophelden von damals: Jagdflieger und U-Boot-Kapitäne ("So müssen Männer sein"). Dann diese Todessehnsucht, die Wellershoff heute kaum noch begreifen kann und sich auch schon bei Schiller ("Im Felde ist der Mann noch was wert") und erst recht Hölderlin findet ("Lieb ich, zu fallen am Opferhügel"). Um der Waffen-SS zu entgehen ("Hitlers Mordkommando"), rät ihm der Vater, der Elitedivision von Göring beizutreten. Erstaunlich ist Wellershoffs Objektivierungsfähigkeit, eine Art Immunisierungsstrategie gegen Todesangst. Er berichtet uns von der Lazarettstadt Bad Reichenhall, wie er wieder an die Ostfront kommt und ein Fahrrad ihn rettet, von Gefangenschaft und dem Wiedersehen mit seinem Vater, dem Baumeister, der im Krieg erst für Flak-Aufstellungen verantwortlich zeichnete und später falsche Fabrikbauten errichtete, damit die Alliierten ihre Bomben verschwenden.

Das kleine Bärtchen von Hitler, seine "Schmachtlocke": "So kann kein deutscher Führer aussehen." Wellershoff dachte eher an den Bamberger Reiter, das sei eine Führerfigur. Wellershoff kann, so scheint es, selbst nicht mehr ganz nachvollziehen, wie er als junger Mann gedacht und gefühlt hat. Immer wieder meine ich, ein ungläubiges Lächeln zu hören. Als würde er sich andauernd fragen: Was war ich damals nur für einer?
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Einzigartig 4. September 2011
Format:Audio CD
Das einzigartige für mich an diesem Hörbuch ist, dass es eine ganze Kindheit und Jugend zeigt im Nationalsozialismus darstellt. In allen Aspekten.
Wellershoff erzählt schnörkellos, ganz klar, versucht keine Ausreden, keine Rechtfertigungen.
Das finde ich besonders gelungen, dass er nicht die Perspektiven vermischt - nicht das Wissen von Heute in die Erzählung über das Damals einbringt.
Sondern darüber spricht, wie er und seine Familie damals gedacht und gelebt haben.
So wird (seine Lebens-)Geschichte absolut lebendig.

Dieses klare Erzählen hilft dann auch, die Passagen zu hören, in denen er über seine Erfahrungen an der Ostfront erzählt. Er sieht Kameraden um sich sterben, ist in Kämpfe verwickelt, wird verwundet, kommt ins Lazarett, sieht dort den ganzen Schrecken des Krieges. Das alles wird nicht dramatisiert, zur Heldengeschichte verklärt.

Weil das so ist, kann man sehr gut zuhören und versteht, wie es war, als Soldat. Und auch, warum die Soldaten nach dem Krieg geschwiegen haben oder immer nur die gleichen kurzen Geschichten erzählt haben. Bei uns in der Familie war das so.

Man braucht Wörter und Mut, um zu sagen, was man erlebt und dabei wirklich gedacht hat.
Dieter Wellershoff hat beides.
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