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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
11 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Die große Kunst, einfach zu erzählen,
Rezension bezieht sich auf: Schatzkästlein des rheinischen Hausfreundes. Nachdruck der Ausgabe von 1811 sowie sämtliche Kalendergeschichten aus dem 'Rheinländischen Hausfreund' der Jahre 1808 - 1819 (Taschenbuch)
Der Begriff "Kalendergeschichten" steht normalerweise ja nicht für literarische Hochkaräter -- aber es gibt eine Ausnahme (Gut! Es gibt mindestens zwei Ausnahmen. Aber wir reden hier von der ersten), nämlich das "Schatzkästlein des rheinischen Hausfreundes" von Johann Peter Hebel. Der brave badische Pfarrer hatte Anfang des 19. Jahrhunderts jahrelang Kalendergeschichten verfasst: Geschichten für den Kalender, belehrende und belustigende aus dem Leben des einfachen Volks fürs einfache Volk; Geschichten, die bald weit über die Grenzen Badens hinaus bekanntwurden. 1811 redigierte Hebel daher seine Kalendergeschichten ein wenig und gab sie in Buchform heraus. Dieses Buch ist ein Dauerbrenner bis heute, und Geschichten wie die vom Herrn Kannitverstan oder vom Zundelfrieder, vom Mittagessen im Hof, vom Unverhofften Wiedersehen oder von den beiden Postillionen kennt heute fast jeder. Das Erstaunliche: Nicht nur diese Evergreens lohnen sich (wieder) zu lesen, sondern alles, was Hebel hier erzählt -- kein Wunder, dass Hebels Einfluss nicht nur auf Brechts "Kalendergeschichten" unübersehbar ist.Hebels Erfolg hat gute Gründe: Im Gegensatz zu vielen volkstümelnden Zeitgenossen kannte Hebel nicht nur die Sprache der Bauern und Handwerker, er schrieb auch in ihr. Seine Geschichten und Anekdoten aus dem Badischen, aus der Zeit der Befreiungskriege und auch aus einem Orient, wie man ihn sich im Volk vorstellte, trafen und treffen bis heute haargenau den richtigen Erzählton, geradlinig und verschmitzt, bodenständig und weise. Kein Schwulst, keine künstliche Einfalt, kein Anbiedern, keine besserwisserische Überheblichkeit gegenüber dem vermeintlich ungebildeten Volk. Genau so erzählen Großeltern ihren Enkeln -- wenn die Enkel Glück haben. Hebel zeichnet seine Szenen, sein Figurenpanoptikum mit wenigen Worten, und er ist ein Meister der Pointe: So wie Alltagssituationen ganz schnell ins Groteske umschlagen können, so erzählt Hebel seine Geschichten: Er konzentriert sich aufs Wesentliche, lässt das Auge auf genau den entscheidenden Details ruhen, und steht immer auf der Seite des Menschlichen. Hebels Kunst besteht darin, einfach zu erzählen; eine große Kunst. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
"Die schönste Geschichte der Welt",
Von
Rezension bezieht sich auf: Schatzkästlein des rheinischen Hausfreundes (Gebundene Ausgabe)
Mit einer schönen Neuausgabe des "Schatzkästlein des rheinischen Hausfreundes" ehrt der Manesse Verlag den alemannisch-deutschen Dichter Johann Peter Hebel aus Anlass seines 250. Geburtstags am 10. Mai 2010, dessen "Schatzkästlein" zu den unvergänglichen Schätzen deutscher Literatur gehört. Es hat neben den "Alemannischen Gedichten" den Ruhm seines Autors begründete."In Falun in Schweden küsste vor gut fünfzig Jahren und mehr ein junger Bergmann seine junge hübsche Braut...". Selbst, wer noch nie etwas von Johann Peter Hebel gehört haben sollte: diese Geschichte vom "unverhofften Wiedersehen" dürfte bekannt sein Ein schwedischer Bergmann verabschiedet sich von seiner Braut und fährt in einen Schacht. Ein halbes Jahrhundert später taucht er wieder auf - als frisch erhaltener Leichnam. Fünfzig Jahre hat die Braut ihm die Treue gehalten. Jetzt kommt sie als Greisin. Die Verlobte von damals erkennt in der jugendlichen Mumie ihren Bräutigam. Sie sinkt in die Knie - vor Glück über das "unverhoffte Wiedersehen". Kalendergeschichten dieser Art - belehrende und unterhaltende - findet der Leser in diese Ausgabe: Scherze und Schwänke, Kurioses und Grausiges, Rätsel und Sensationen. Neben der schon genannten Geschichte "Unverhofftes Wiedersehen" - nach Ernst Bloch "die schönste Geschichte der Welt" natürlich auch und unter allen anderen "Kannitverstan" und die Erzählungen von den "staubigen Brüdern" Zundelfrieder und Zundelheiner und dem "roten Dieter". Sie und alle anderen sind ein "weltliterarisches Völklein", wie der Herausgeber Werner Weber in seinem Nachwort schreibt. Die herrlichen Holzschnitte aus dem Jahre 1846 machen den zusätzlichen Reiz dieser schönen Ausgabe aus. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
16 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Amüsante und Tiefgründige Kalendergeschichten von 1811,
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Schatzkästlein des rheinischen Hausfreundes. Nachdruck der Ausgabe von 1811 sowie sämtliche Kalendergeschichten aus dem 'Rheinländischen Hausfreund' der Jahre 1808 - 1819 (Taschenbuch)
Kalendergeschichten sind nicht unbedingt ein Genre, das den Autoren Jahrhunderte anhaltenden Ruhm verspricht. Dem Pastor Johann Peter Hebel ist es jedoch mit diesen Anekdoten und kleinen Geschichten gelungen, Literaturgeschichte zu schreiben. Über die Menge seiner Bewunderer läßt sich sagen, daß sie alle großen Literaten von Goethe bis Canetti umfaßt (letzterer, Literaturnobelpreisträger, widmet in seiner Autobiographie einige Seiten diesem seinem Lieblingsbuch). Was ist so besonderes an diesen meist nur eine oder zwei Seiten langen Texten? Da ist zum einen die Sprache. Wer diese Kalendergeschichten liest, fühlt sich sofort auf der großmütterlichen Ofenbank, wo dem staunenden Kinde die Wunder der großen weiten Welt geschildert werden. Zum anderen ist es die Vielfalt der vorgestellten Charaktere, die mit wenigen Sätzen treffend beschrieben werden; die grotesken, aber realistischen Situationen, die durch kleine Mißverständnisse entstehen und nicht zuletzt die Schlußfolgerungen, die der Autor aus dem Erzählten zieht. Die Geschichten nehmen oft bezug auf historische Ereignisse um 1800 (die Kalendergeschichten hatten schließlich auch einen Bildungsanspruch) und so lernt man zugleich etwas über diese Zeit. Was auch heute noch auffällt ist die humanistische Grundhaltung des Verfassers, die menschlichen Probleme und Schwächen der Reichen und Mächtigen werden ebenso thematisiert wie die Nöte der Armen. Mancher könnte vielleicht etwas angeödet sein von der mitunter altklugen Moral, ich fand sie jedoch hauptsächlich klug. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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