Kurzbeschreibung
Die große Entdeckung aus Russland!
Finsternis liegt über Hamburg, und die Krankenschwester Evelyn Behrens wird entführt – in eine Welt voller Gefahren und Geheimnisse … Sie muss sich entscheiden: zwischen einem Mann, der schon lange tot ist, und einem anderen, für den ihre Liebe das Todesurteil ist …
Mit »Schattenseelen« legt die junge Autorin Olga A. Krouk einen außergewöhnlichen Roman vor: der Beginn einer dunklen und faszinierenden Trilogie über die geheimnisvollen Nachtwesen der Nachzehrer und Metamorphen.
Finsternis liegt über Hamburg, und die Krankenschwester Evelyn Behrens wird entführt – in eine Welt voller Gefahren und Geheimnisse … Sie muss sich entscheiden: zwischen einem Mann, der schon lange tot ist, und einem anderen, für den ihre Liebe das Todesurteil ist …
Mit »Schattenseelen« legt die junge Autorin Olga A. Krouk einen außergewöhnlichen Roman vor: der Beginn einer dunklen und faszinierenden Trilogie über die geheimnisvollen Nachtwesen der Nachzehrer und Metamorphen.
Über den Autor
Olga A. Krouk, 1981 in Moskau geboren, zog als Kind in die Ukraine und später nach St. Petersburg, wo sie als Jugendliche erste Geschichten schrieb. 2001 ging sie – den Kopf voller Romanideen – nach Berlin. Heute lebt die Autorin in Schleswig-Holstein und erzählt dunkle Geschichten über Hamburg.
Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Mama, ich hab Angst!" Der Blick des Jungen haftete sich an das Gesicht seiner Mutter, die unwillkürlich zuerst ihrer eigenen Furcht Luft machen musste und sich an die Schwester wandte.
"Es ist doch nichts Schlimmes, oder? Bitte sagen Sie mir, dass er sich erholen wird!" Sie beugte sich über die Liege, ergriff die Hand ihres Sohnes und drückte sie mit aller Zuversicht, zu der sie fähig war.
"Das sehen wir gleich", beruhigte Evelyn die beiden. Sie löste den Verband und betrachtete die Wade, auf der sich die Bissabdrücke eines Hundes abzeichneten - höchstens von der Größe eines Chihuahuas und keineswegs tief eingedrungen.
Die Tür öffnete sich, und Doktor Kehrfeld trat ein. Mit einem breiten Lächeln zog er die Latexhandschuhe an und ließ das Ende gegen sein Handgelenk schnalzen. In den grauen Augen des Arztes tanzten heitere Funken, als er seinem kleinen Patienten zuzwinkerte: "Wie ich sehe, hast du mit einem Löwen gekämpft. Und? Gewonnen?"
Mit seinem Erscheinen hatte sich die Situation spürbar entspannt. Evelyn schmunzelte in sich hinein. Sie konnte nicht anders, in seiner Nähe fühlte sie sich wohl. Zu wohl.
Doktor Kehrfeld begutachtete die Wunde und erkundigte sich nach den Impfungen. "Na, das sieht doch ganz gut aus." Seine Finger tippten an Evelyns Schulter. Sie sah zu ihm auf. Diesmal erstrahlte sein Lächeln nur für sie allein, so kam es ihr zumindest vor. "Schwester Evelyn, verbinden Sie bitte die Wunde, dann kann unser Held nach Hause."
Obwohl sich zwischen den Schwestern und so manchen Ärzten ein lockeres >Du< eingebürgert hatte, pflegte Doktor Kehrfeld ein offizielles >Sie<, das bei ihm dennoch irgendwie neckisch klang.
Evelyn griff nach einem Desinfektionsmittel. "Gleich wird es ein klein wenig brennen", sagte sie entschuldigend.
Wieder huschte ein Anflug von Panik über das Gesicht des Jungen, und wieder war es Doktor Kehrfeld, der die Situation rettete: "Für richtige Helden, die mit Löwen kämpfen, ist das kiki. Ich wette, du wirst das nicht einmal merken."
So behutsam wie möglich reinigte Evelyn die Wunde. Der Junge sog zischend die Luft ein, wich aber der Hand der Mutter aus, die versucht hatte, ihn zu streicheln. Ganz der Held.
"Schon vorbei!", verkündete Evelyn feierlich und begann, den Verband anzulegen. Dabei spürte sie, wie Doktor Kehrfeld jeden Griff ihrer Hände beobachtete.
Oder kam es ihr nur so vor? Sie wagte einen Blick zu ihm hoch und glaubte etwas in seinen Augen zu lesen, was ihr ganzes Inneres flatterig werden ließ. Verflucht, man könnte glauben, sie wäre mitten in der Pubertät. Und das mit Ende zwanzig - peinlich, peinlich.
Kurze Zeit später wurden der Junge und seine Mutter entlassen. Evelyn räumte die Utensilien weg und trat in den leeren Flur. Keine neuen Patienten. Gut. Sie atmete tief durch.
"Möchten Sie einen Kaffee?" Doktor Kehrfeld holte sie ein. Mit einer Hand fuhr er durch sein Haar, das Evelyn unwillkürlich an Schafsfell erinnerte. Nicht sonderlich sexy, aber die Kollegen wie auch Patienten mochten ihn ganz entschieden für andere Qualifikationen als das Äußere. "Ich würde uns einen organisieren."
Ein Arzt, der einer Krankenschwester einen Kaffee brachte? Da wurden so manche Träume wahr. Aber nicht die ihren.
"Ich muss noch Formulare ausfüllen. Außerdem: Der Kaffee ist hier ziemlich mies." Sie unterdrückte das Bedürfnis, ihm zuzulächeln - wie immer, wenn sie in sein offenes Gesicht blickte. Es fing immer mit einem Kaffee an. Und was dann, wenn sie erst mit ihm geschlafen hatte? Anders als so manche ihrer Kolleginnen, die das Leben lockerer sahen, durfte sie es auf keinen Fall so weit kommen lassen. Denn wie sollte sie hier arbeiten, wenn sie ihn danach nicht mehr ansehen konnte, ohne dass ihr übel wurde?
Er gab nicht auf. "Das ist wunderbar, dann wäre es ausnahmsweise nicht meine Schuld."
Evelyn flüchtete hinter den Tresen. Ihre Gefühle erschwerten es, ihn auf Abstand zu halten und ihm eine Abfuhr zu erteilen. Aber sie musste es tun. Zumal - fand sie seinen Vornamen nicht unglaublich skurril? Mit anderen Schwestern scherzte sie oft darüber und behauptete, sie würde niemals mit jemandem ausgehen, der Bernulf hieß. Gar nicht zu reden von der Vorstellung, ihn im Bett ernst nehmen zu müssen. Stark wie ein Bär, zäh wie ein Wolf, sollte der Name bedeuten. Aber wer hieß denn heutzutage so?
"Na gut. Mit Sahne - nicht mit Milch! - und Zucker. Und bitte heiß, nicht lauwarm", wies sie ihn an. Jetzt musste er aufgeben. Kein Mann duldete eine Frau mit so vielen Extrawünschen.
Doch sie hatte Doktor Kehrfeld unterschätzt.
"Heiß ist mein zweiter Name." Er zwinkerte ihr zu und brachte sie fast zum Erröten.
Evelyn sah ihm nach, wie er mit jugendlicher Unbeschwertheit über den Flur schlenderte, was sie bei seiner Statur immer aufs Neue erstaunte.
Während er im Aufenthaltsraum verweilte, band sie ihr Haar neu zu einem Pferdeschwanz. Wie eine Elfe sähe sie mit offener Mähne aus, hatte ihr einmal jemand gesagt. Um nicht stets zu einem süßen, zerbrechlichen Etwas degradiert zu werden, das von Rittern der Neuzeit beschützt werden musste, bändigte sie ihre rotbraune Mähne gewöhnlich zu einer strengen Frisur.
Eines der Telefone auf dem Tisch klingelte. Das linke, zum Glück. Evelyn nahm ab.
Am anderen Ende plapperte eine Frau drauflos: "Meine Tochter klagt über starke Kopfschmerzen. Sie ist heute von der Schaukel gefallen. Es ging ihr gut, aber jetzt ... Sie hat sich übergeben. Soll ich sie ins Krankenhaus bringen?"
"Ja, unbedingt. Es könnte eine ..."
In diesem Augenblick klingelte das Telefon zu ihrer Rechten. Auch nach zwei Jahren Dienst in der Notaufnahme geriet Evelyns Herz ins Stolpern, wenn dieses Schrillen den Kampf um Leben und Tod ankündigte.
". Gehirnerschütterung sein", beendete sie ihren Satz, legte nach einem hastigen Gruß auf und griff zum anderen Hörer.
Die rauchige Stimme eines Rettungsassistenten schilderte knapp die Situation. Ein junger Mann nach einem Motorradunfall, starke Verletzungen, bewusstlos, Verdacht auf Schädelbasisbruch.
"Den Schockraum vorbereiten!", rief sie in den Flur, sobald sie aufgelegt hatte. Doktor Kehrfeld, der gerade aus dem Aufenthaltsraum trat und zwei überfüllte Tassen in den Händen balancierte, stellte den Kaffee hastig ab, drehte sich abrupt um und eilte zurück.
"Es ist doch nichts Schlimmes, oder? Bitte sagen Sie mir, dass er sich erholen wird!" Sie beugte sich über die Liege, ergriff die Hand ihres Sohnes und drückte sie mit aller Zuversicht, zu der sie fähig war.
"Das sehen wir gleich", beruhigte Evelyn die beiden. Sie löste den Verband und betrachtete die Wade, auf der sich die Bissabdrücke eines Hundes abzeichneten - höchstens von der Größe eines Chihuahuas und keineswegs tief eingedrungen.
Die Tür öffnete sich, und Doktor Kehrfeld trat ein. Mit einem breiten Lächeln zog er die Latexhandschuhe an und ließ das Ende gegen sein Handgelenk schnalzen. In den grauen Augen des Arztes tanzten heitere Funken, als er seinem kleinen Patienten zuzwinkerte: "Wie ich sehe, hast du mit einem Löwen gekämpft. Und? Gewonnen?"
Mit seinem Erscheinen hatte sich die Situation spürbar entspannt. Evelyn schmunzelte in sich hinein. Sie konnte nicht anders, in seiner Nähe fühlte sie sich wohl. Zu wohl.
Doktor Kehrfeld begutachtete die Wunde und erkundigte sich nach den Impfungen. "Na, das sieht doch ganz gut aus." Seine Finger tippten an Evelyns Schulter. Sie sah zu ihm auf. Diesmal erstrahlte sein Lächeln nur für sie allein, so kam es ihr zumindest vor. "Schwester Evelyn, verbinden Sie bitte die Wunde, dann kann unser Held nach Hause."
Obwohl sich zwischen den Schwestern und so manchen Ärzten ein lockeres >Du< eingebürgert hatte, pflegte Doktor Kehrfeld ein offizielles >Sie<, das bei ihm dennoch irgendwie neckisch klang.
Evelyn griff nach einem Desinfektionsmittel. "Gleich wird es ein klein wenig brennen", sagte sie entschuldigend.
Wieder huschte ein Anflug von Panik über das Gesicht des Jungen, und wieder war es Doktor Kehrfeld, der die Situation rettete: "Für richtige Helden, die mit Löwen kämpfen, ist das kiki. Ich wette, du wirst das nicht einmal merken."
So behutsam wie möglich reinigte Evelyn die Wunde. Der Junge sog zischend die Luft ein, wich aber der Hand der Mutter aus, die versucht hatte, ihn zu streicheln. Ganz der Held.
"Schon vorbei!", verkündete Evelyn feierlich und begann, den Verband anzulegen. Dabei spürte sie, wie Doktor Kehrfeld jeden Griff ihrer Hände beobachtete.
Oder kam es ihr nur so vor? Sie wagte einen Blick zu ihm hoch und glaubte etwas in seinen Augen zu lesen, was ihr ganzes Inneres flatterig werden ließ. Verflucht, man könnte glauben, sie wäre mitten in der Pubertät. Und das mit Ende zwanzig - peinlich, peinlich.
Kurze Zeit später wurden der Junge und seine Mutter entlassen. Evelyn räumte die Utensilien weg und trat in den leeren Flur. Keine neuen Patienten. Gut. Sie atmete tief durch.
"Möchten Sie einen Kaffee?" Doktor Kehrfeld holte sie ein. Mit einer Hand fuhr er durch sein Haar, das Evelyn unwillkürlich an Schafsfell erinnerte. Nicht sonderlich sexy, aber die Kollegen wie auch Patienten mochten ihn ganz entschieden für andere Qualifikationen als das Äußere. "Ich würde uns einen organisieren."
Ein Arzt, der einer Krankenschwester einen Kaffee brachte? Da wurden so manche Träume wahr. Aber nicht die ihren.
"Ich muss noch Formulare ausfüllen. Außerdem: Der Kaffee ist hier ziemlich mies." Sie unterdrückte das Bedürfnis, ihm zuzulächeln - wie immer, wenn sie in sein offenes Gesicht blickte. Es fing immer mit einem Kaffee an. Und was dann, wenn sie erst mit ihm geschlafen hatte? Anders als so manche ihrer Kolleginnen, die das Leben lockerer sahen, durfte sie es auf keinen Fall so weit kommen lassen. Denn wie sollte sie hier arbeiten, wenn sie ihn danach nicht mehr ansehen konnte, ohne dass ihr übel wurde?
Er gab nicht auf. "Das ist wunderbar, dann wäre es ausnahmsweise nicht meine Schuld."
Evelyn flüchtete hinter den Tresen. Ihre Gefühle erschwerten es, ihn auf Abstand zu halten und ihm eine Abfuhr zu erteilen. Aber sie musste es tun. Zumal - fand sie seinen Vornamen nicht unglaublich skurril? Mit anderen Schwestern scherzte sie oft darüber und behauptete, sie würde niemals mit jemandem ausgehen, der Bernulf hieß. Gar nicht zu reden von der Vorstellung, ihn im Bett ernst nehmen zu müssen. Stark wie ein Bär, zäh wie ein Wolf, sollte der Name bedeuten. Aber wer hieß denn heutzutage so?
"Na gut. Mit Sahne - nicht mit Milch! - und Zucker. Und bitte heiß, nicht lauwarm", wies sie ihn an. Jetzt musste er aufgeben. Kein Mann duldete eine Frau mit so vielen Extrawünschen.
Doch sie hatte Doktor Kehrfeld unterschätzt.
"Heiß ist mein zweiter Name." Er zwinkerte ihr zu und brachte sie fast zum Erröten.
Evelyn sah ihm nach, wie er mit jugendlicher Unbeschwertheit über den Flur schlenderte, was sie bei seiner Statur immer aufs Neue erstaunte.
Während er im Aufenthaltsraum verweilte, band sie ihr Haar neu zu einem Pferdeschwanz. Wie eine Elfe sähe sie mit offener Mähne aus, hatte ihr einmal jemand gesagt. Um nicht stets zu einem süßen, zerbrechlichen Etwas degradiert zu werden, das von Rittern der Neuzeit beschützt werden musste, bändigte sie ihre rotbraune Mähne gewöhnlich zu einer strengen Frisur.
Eines der Telefone auf dem Tisch klingelte. Das linke, zum Glück. Evelyn nahm ab.
Am anderen Ende plapperte eine Frau drauflos: "Meine Tochter klagt über starke Kopfschmerzen. Sie ist heute von der Schaukel gefallen. Es ging ihr gut, aber jetzt ... Sie hat sich übergeben. Soll ich sie ins Krankenhaus bringen?"
"Ja, unbedingt. Es könnte eine ..."
In diesem Augenblick klingelte das Telefon zu ihrer Rechten. Auch nach zwei Jahren Dienst in der Notaufnahme geriet Evelyns Herz ins Stolpern, wenn dieses Schrillen den Kampf um Leben und Tod ankündigte.
". Gehirnerschütterung sein", beendete sie ihren Satz, legte nach einem hastigen Gruß auf und griff zum anderen Hörer.
Die rauchige Stimme eines Rettungsassistenten schilderte knapp die Situation. Ein junger Mann nach einem Motorradunfall, starke Verletzungen, bewusstlos, Verdacht auf Schädelbasisbruch.
"Den Schockraum vorbereiten!", rief sie in den Flur, sobald sie aufgelegt hatte. Doktor Kehrfeld, der gerade aus dem Aufenthaltsraum trat und zwei überfüllte Tassen in den Händen balancierte, stellte den Kaffee hastig ab, drehte sich abrupt um und eilte zurück.