Simone van der Vlugt, die niederländische Autorin, die sich mit historischen Jugendbüchern einen Namen machte, bevor sie Kriminalromane schrieb, wusste schon mit ihrem ersten Krimi "Klassentreffen" im vergangenen Frühjahr zu überzeugen.
"Schattenschwester" wird an diesen Erfolg sicher anknüpfen, denn erneut handelt es sich um einen schlüssig aufgebauten Psychothriller mit großem Suchtfaktor.
Marjolein ist Lehrerin an einer Rotterdamer Brennpunktschule. Als ein Schüler sie mit dem Messer bedroht und ihr auch in der Folge nachstellt, fühlt sie sich zu Recht verfolgt. Leider wird sie jedoch von ihren Kollegen, die eher um den Ruf der Schule fürchten, nicht ernstgenommen. Kurze Zeit später wird sie erschossen aufgefunden.
Ihre Zwillingsschwester Marlieke fühlt sich wie amputiert und doch von Marjoleins übergroßer Präsenz befreit. Allmählich kommen Zweifel an der Echtheit von Marliekes Trauer auf, zumal auch Marjoleins Ehe nicht so glücklich war, wie es am Anfang scheint...
War der Stalker nun wirklich der Täter, oder ist er doch viel eher in der nächsten Familie zu suchen?
Diese Frage lässt Simone van der Vlugt bis zum Ende geschickt offen. Interessant an diesem Kriminalroman sind die wechselnden Erzählperspektiven: Marjolein berichtet von den Ereignissen nach dem Übergriff ihres Schülers, während in abwechselnden Einschüben Marlieke von der Zeit nach Marjoleins Tod erzählt. So wird der Leser bis zum Ende im Unklaren gelassen...
Ein wenig störend empfand ich die allzu offensichtliche Schwarzmalerei - Problemschule gleich muslimischer Täter gegenüber vermeintlich heiler Vorstadt-Welt.
Dennoch habe ich diesen Kriminalroman sehr gerne und zügig gelesen.