Schattenschrei" ist nach den beiden Vorgängern Wolfsherbst" und Dämonenwinter" bereits der dritte Roman von Georg Miesen, in dem die "Abteilung für Okkulte Verbrechen" des BKA in Erscheinung tritt.
Regionalkrimis gibt es in Deutschland zuhauf, und die meisten haben neben nettem und interessantem Lokalkolorit auch eine mehr oder weniger spannende und originelle Krimihandlung zu bieten. Leider kann man dies von Schattenschrei" aber ganz und gar nicht sagen. Krimi und Phantastik mischen? Warum nicht - die Idee, ein Ermittlerteam für übersinnliche Ereignisse und Verbrechen in der Eifel anzusiedeln, könnte ja ganz nett sein.
Der Autor hat sich hier aber zum einen in einer konfusen Handlung verstrickt, zum anderen könnte der Roman überall spielen, der Schauplatz Eifel wurde weitestgehend verspielt. Die Fantasy-/Horrorhandlung wird Krimifans wahrscheinlich total verwirren und nerven, Phantastikfans hingegen werden ob der vielen Plattitüden einfach nur genervt den Kopf schütteln.
Georg Miesen ist anscheinend ein Fan von Theatralik; jedem Kapitel ist ein ausdrucksstarkes Zitat, meist biblischen Ursprungs, vorangestellt. Klar, die Zitate machen was her, aber in Verbindung mit der Handlung streichen sie deren Beliebigkeit noch heraus.
Wer Sätze wie Hier sollte sich also das Schicksal der Menschheit entscheiden" oder Der Magier bringt die Ordnung der Welt durcheinander" verwendet, sollte schon die entsprechende Handlung dazu haben, nur sucht man die hier vergeblich. Alles ist beliebig, schwammig; das Böse ist abgrundtief dunkel, die Leute werden von namenlosen Schatten geleitet oder tragen in ihrem Inneren verworrene Kämpfe mit sich selbst aus, die Bösen tragen Namen wie Der Magier" oder Der Schlächter". Auf der guten Seite steht der ominöse Bund", der ebenso nichts sagend ist, aber andauernd erwähnt wird.
Miesen setzt immer weiter einen drauf an Dingen, die vage nach Fantasy oder Phantastik klingen, die aber wenig Sinn ergeben. Magie, die Verbindung zweier Welten, Wissen, Macht, Fabelwesen, ein Schwarzmagier, ein Fluch - irgendwann schüttelt man nur noch den Kopf und blättert rasch weiter. Es gibt sogar eine waschechte Fantasyschlacht am Ende, die, da ja hier Leute mit Namen wie Jürgen" oder Michaela" mitkämpfen, irgendwie nicht die gewünschte Wirkung hat, sondern eher lächerlich wirkt.
Fazit: Dunkle Rituale im Urfttal - Die Verbindung von Lokalkrimi, Phantastik und Horror ist hier leider gründlich in die Hose gegangen. Die Handlung ist platt, die Charaktere sind langweilig, die Sprache ist viel zu theatralisch für den mageren Inhalt. Nicht zu empfehlen