*Der dumpfe Knall von Böllern hallte schaurig an den Hängen wider. Gleichzeitig schlug die Uhr der Stadtkirche 6-mal und zeigte damit die 18. Stunde des Tages an. Noch immer brannte die Sonne gnadenlos heiß vom Himmel. Die gestrigen Gewitter hatten sich nur örtlich entladen und die Luft noch schwüler gemacht, worauf die monströsen Wolkengebilde hindeuteten, die sich schon wieder über dem Mittelgebirge auftürmten. Davon unbeirrt waren die Ehrengäste und auch schon einige andere Besucher zum Vorplatz der Stadtkirche gekommen, wo in diesem Jahr der offizielle Fassanstich für den "Hock" stattfand. Die Biertischgarnituren waren gut besetzt, als neben dem Standbild Kaiser Wilhelms I. der Fanfarenzug der Freiwilligen Feuerwehr das musikalische Signal für den Beginn des Stadtfestes setzte. Auf einer hölzernen Showbühne, die direkt vor dem südlichen Portal der Stadtkirche stand, bereiteten sich unterdessen drei Männer auf die Eröffnung vor: Oberbürgermeister Hartmut Schönmann, Bierbrauer Friedrich Kaiser und Festorganisator Detlef Stenzli, der in seiner weißen Kochkleidung erschienen war. Von der Fußgängerzone, die in einen riesigen Biergarten verwandelt war, strömten immer mehr Menschen zur Showbühne bei der Kirche ...*
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Inhalt & Fazit: Der siebte Fall für Kommissar August Häberle.
Der Roman nimmt seinen Ausgang in der schwäbischen Provinzstadt Geislingen, spielt jedoch letztendlich vor dem noch immer aktuellen Hintergrund der jüngsten gesamtdeutschen Vergangenheit.
Umgeben von einem unsichtbaren Schattennetz, sind zwei Männer mit DDR-Vergangenheit unabhängig voneinander in die westdeutsche Partnerstadt gekommen, um möglichst schnell und einfach an den Segnungen der freien Marktwirtschaft teilzuhaben. Über Jahre hinweg gehen sie sich aus dem Weg - bis sich die angestauten Spannungen plötzlich zu entladen scheinen und sich die Frage stellt, inwieweit ihre Teilnahme an den einstigen Friedensgebeten in der DDR ehrlich gemeint war. Immerhin haben sich beide nach der Wende weiterhin in der Kirche engagiert. Dieses Verhalten jedoch beschäftigt schließlich nicht nur den Kirchengemeinderat, sondern auch die Dekanin.
Als dann ausgerechnet am ersten Abend des Geislinger Stadtfestes, dem "Hock", in der Glockenstube der Stadtkirche eine Leiche gefunden wird, ist dies nicht nur ein Schock für die ganze Stadt, sondern auch ein neuer Auftrag für Kommissar August Häberle - Und der schreckt bekanntlich nicht davor zurück, auch weit außerhalb seines Zuständigkeitsbereiches zu ermitteln ...
'Schattennetz' wirft die Frage auf, wo die einstigen Mitarbeiter der DDR-Staatssicherheit geblieben sind und was aus Tätern und Opfern geworden ist. Seit der politischen Wende ist eine ganze Generation herangewachsen, die sich weder Mauer noch die allgegenwärtige Bespitzelung von Menschen vorstellen kann.
Ein weiterer beeindruckender Roman von Manfred Bomm -
meint -- Reinhard Busse