Während bei Dan Browns 'Sakrileg' die Weltverschwörung in der Kunstgeschichte angesiedelt ist, findet sie bei 'Schattenlichter' in der Welt des Films statt. Das ist eigentlich die einzige Gemeinsamkeit. Der Vergleich wird wohl im Klappentext nur deshalb so bereitwillig gezogen, weil sich Verschwörungstherorien im Moment sehr gut verkaufen - und ist vollkommen irreführend.
Roszak verwendet seinen fast 900 Seiten starken Roman dazu, in erster Linie eine Hommage an die Geschichte des Films zu verfassen. Das Kino ist hier der Star und ihm werden alle Hauptfiguren untergeordnet. Trotzdem ist Schattenlichter ein spannender und gelungener Thriller, denn Roszak bringt es fertig, wahres und fiktives auf dermaßen briliante Weise miteinander zu verweben, daß man sehr schnell den Eindruck hat, hier wird die Geschichte eines verkannten Genies erzählt - und es könnte tatsächlich so gewesen sein.
Den geheimnisvollen Regisseur Max Castle, um dessen Werk sich die Handlung dreht, hat es tatsächlich nie gegeben, er wird aber so raffiniert in die wahre Filmgeschichte eingebettet, daß man in diversen Filmforen im Net schon Anfragen über ihn und sein Schaffen findet.
Hochinteressante Wendungen und echte Spannung sind durchaus vorhanden, jedoch von ganz anderer Art, als man es z.B. von Dan Brown gewohnt ist. Sie entwickelt sich allmählich und sehr subtil und verzichtet völlig auf reißerische Knalleffekte. Wer also bei einem Thriller in erster Linie auf Action, Tempo, wilde Verfolgungsjagden, ständige Lebensgefahr des Protagonisten und atemberaubende Wendungen steht, für den ist Schattenlichter entschieden die falsche Wahl. Auch das Thema muß man mögen, sonst erscheinen einem die seitenlangen Beschreibungen und Informationen eher zäh bis hin zur gähnenden Langeweile.
Mein Fazit: Unterhaltung der intelligenteren Art, die sich auf erfreuliche Weise von der Dutzendware unterscheidet. Schattenlichter ist eben kein weiterer Klone von 'Sakrileg' & Konsorten, sondern erfrischend anders. Der humorvolle und erfahrene Schreibstil, der sich auch in der deutschen Übersetzung ansprechend liest, tut ein Übriges, um dieses Buch für mich zu einem Highlight des Genres zu machen. Thumbs up und volle Punktzahl!