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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
32 von 33 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein Buch, das bleiben wird,
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Schattenkind (Gebundene Ausgabe)
Es gibt Situationen, da verschlägt es einem buchstäblich die Sprache, man ringt nach Worten und bringt allenfalls noch irgendwelche Floskeln hervor. Hintergrund dieses kleinen Büchleins ist eine solche Situation, doch es lehnt sich gegen die Rat- und Sprachlosigkeit auf und zeigt, wozu Literatur fähig ist, ja, was Literatur eigentlich ausmacht. Hier trotzt ein Schriftsteller förmlich dem Leben - oder genauer: dem Tod - Wort für Wort die Sprache ab. Und das ohne Pathos, eher nüchtern-analytisch, schonungslos, tastend oder erstaunt. Der Tod eines kleinen Kindes ist wahrlich kein leichter Stoff, und doch habe ich lange nichts mehr gelesen, was mich als Leser so gefordert, bewegt und beeindruckt hat. So kurz der Text auch ist, es klingt so vieles darin an, er steckt so voller Bilder, die weitere Assoziationen auslösen, und er ist mitunter so rätselhaft-lyrisch knapp, dass man sich seiner Intensität kaum entziehen kann. Ein Buch, an das sich hoffentlich noch viele Leser herantrauen.
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22 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Große Literatur über den Tod des eigenen Kindes,
Von Carl-heinrich Bock "Literatur- und Kinofan" (Bad Nenndorf) - Alle meine Rezensionen ansehen (TOP 500 REZENSENT) (HALL OF FAME REZENSENT) (REAL NAME)
Rezension bezieht sich auf: Schattenkind (Gebundene Ausgabe)
Es ist ein ganz kleines, brillantes Buch in dem es um das Schlimmste geht, was einem widerfahren kann, um den Tod des eigenen Kindes. Dieses Schlimmste ist P.F. Thomése, dem 1958 in Holland geborenen Autor widerfahren. Er beschreibt diesen wahnsinnigen, ohnmächtigen Schmerz mit den Worten eines Schriftstellers, ohne einen Funken von Sentimentalität. Er analysiert seine Gefühle sehr nüchtern, mit Worten und Gedanken, die die wahre Kraft der Literatur zum Vorschein bringen. Und dabei hat das Buch vom ersten bis zum 49. Kapitel einen milden und darüber hinaus doch sehr traurigen Ton. In diesen vielen Kapiteln großartigster Literatur legt der Schriftsteller in ergreifender Form, in immer wieder neuen Bildern, seine Gedanken über diesen großen Schmerz offen. Und er findet in den fortlaufenden prägnant titulierten Kapiteln wunderbare Worte, Erkenntnisse und Fragen wie: "Eine Frau, die ihren Mann begräbt, wird Witwe genannt, ein Mann, der ohne seine Frau zurückbleibt, Witwer. Ein Kind ohne Eltern ist ein Waise. Wie aber heißen Vater und Mutter eines gestorbenen Kindes?" oder" Ich hatte das Leben in der Hand, aber jetzt bin ich ihm in die Hände gefallen. Ich leugnete den Tod, jetzt bin ich bei ihm zu Hause. Ich weiß dann demnächst, wo ich hin muss: Ich war schon mal da". Und unter dem Kapitel „Salomonssiegel" sagt er:" Wenn noch etwas da ist, hält es sich im Schatten auf, an Stellen, wo das Licht (und damit das Auge) gerade nicht mehr hinreicht. Kein Himmel, sondern die Erde. Kein Engelchen, sondern ein Schattenkind. Eine Lilie unter den Blumen". Und erschütternd seine Worte im Kapitel Pietà:" Willst du es, das Baby, die kleine Tote, das tote Baby? Willst du es jetzt mal halten, fragtest du. Es ist so schwer, es ist so schwer zu tragen". Und in einem anderen Kapitel sagt er:" Der Geruch frischer Bettwäsche, das Schlafzimmerfenster offen. Ei neuer Tag. Das Sonnenlicht, das ins Zimmer fällt und sie nirgends findet". Er bringt auch eindrucksvoll die Betrachtung über die „Gottheit" in eins seiner so übertitelten Kapitel." Eine Gottheit ist wie ein Toter ein Umhergetriebener, der keinen Körper mehr hat. Eine Gottheit erscheint im Inneren, wenn es ihr gefällt. Dadurch, dass sie keinen Körper mehr haben und dennoch, auf ihre Weise gegenwärtig bleiben, erwecken sie den Eindruck, unsterblich zu sein. Was natürlich nicht der Fall ist, denn unsterblich ist nur, was nie gelebt hat. Zur Gottheit sprechen bedeutet: Selbstgespräche führen". Und er hat viele Begrifflichkeiten geschaffen die den Leser tief im Inneren treffen. Durch seine Taten und sein Handeln muss man leben und man muss die Trauer Innen erleben. So schreibt er in dem Kapitel "Kein Ende": "Erst stirbt sie in unseren Armen, wird sie schwerer, als sie je zuvor gewesen ist ( weil es nichts mehr gibt, das sie trägt, keine geflügelte Seele, die ihren kleinen Körper unaufhörlich in die Höhe schraubt, gegen die Kräfte er Erde) Was sie aufrecht gehalten hat wird uns übertragen. Jetzt müssen wir sie zu halten versuchen. Das macht uns schwerer, Oder trägt es uns? So dass wir leichter werden? Das Sterben wird's lehren. (Sterben: anderes Wort für Zeit)" und an anderer Stelle " Und inzwischen stirbt sie ruhig weiter. Vor allem jedoch stirbt sie in uns. Wo sie gedacht worden ist, da muss sie sterben. Wo sie gedacht werden wird, da wird sie tot sein müssen. Aber es ist unmöglich und es wird unmöglich sein, sie nicht zu denken. Darum wird es schließlich keinen Ort geben, an dem sie nicht gestorben ist". Es ist so dialektisch, dass was er aussagt und es erfordert sehr viel Zeit über die tiefgründigen Aussagen nachzudenken, wie diese letzte:" Im Rückblick ist nichts von einem „Bis hierhin" zu erkennen. Die Sekunden purzeln in die Schluchten hinab, in null Komma nichts klafft ein Loch, das Immer und Ewig heißt. Ist man hier angekommen, hier auf diesem Stuhl neben dem leeren Bettchen, gibt es auf einmal nichts anders mehr, nichts anders mehr als nichts". Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
20 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Schattenkind,
Rezension bezieht sich auf: Schattenkind (Gebundene Ausgabe)
Anfangs war ich etwas skeptisch, zuerst einmal hat mich der Titel „Schattenkind" nicht sonderlich angesprochen (das klingt für mich etwas nach Schwülst), zweitens wurde das Buch in sämtlichen Feuilletons so dermaßen positiv besprochen, dass einem Angst und bange wurde. Schlussendlich bin ich dann aber doch nicht an diesem Buch vorbeigekommen. Nun wusste ich schon vor dem eigentlichen Lesen um den Anlass, jene Katastrophe, die Thomese dieses Buch hat schreiben lassen - Was soll dabei heraus kommen, wenn jemand über den Tod seines Kindes schreibt? - Muss das nicht zwangsläufig zu einem sentimentalen, auf die Tränendrüse drückenden, unsagbar selbstmitleidigem Text führen? So oder so ähnlich waren meine Befürchtungen, glücklicher weise haben sie sich nicht erfüllt. Das Buch, besser das Büchlein ist etwas ganz besonderes, etwas Außerordentliches. Thomese nimmt uns mit, und zeigt uns, wie er mit dem Tod seiner Tochter umgeht, umzugehen versucht. Und er versucht es mit allen nur denkbaren Mitteln, befragt große Romane, und sucht verzweifelt nach irgendeinem Halt. Dabei wird er nie sentimental, obwohl einem dann und wann die Tränen in den Augen stehen. Thomese hat uns ein ganz außergewöhnliches Buch geschenkt - aber um welch hohen Preis. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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