Wer einmal einen Roman von Giselher W. Hoffmann gelesen hat, weiß, dass kein gegenwärtiger Autor so authentisch über Afrika schreibt wie er. Wie schon "Die Erstgeborenen" habe ich "Schattenjäger" mit Begeisterung gelesen. Eine kurzweilige, interessante und gefühlvolle Geschichte, ein kraftvoller Stil und Figuren, die einen ans Herz wachsen. In ein mitreißendes Abenteuer verpackt, erfährt man viel über den faszinierenden Vielvölkerstaat Namibia, seine einzigartige Landschaft und seine wechselvolle Geschichte, die eng mit der deutschen Kolonialzeit verbunden ist.
Am Grenzfluss zwischen Namibia und Angola, dem Kunene, begegnet der junge Häuptlingssohn Kondjoura vom Nomadenvolk der Himba dem Mädchen Tjizire. Sie bringt sein Herz "zum Singen" und er beschließt, sie als seine Frau "an sein Feuer" zu holen. Doch Tjizires Vater verehrt längst den Götzen der neuen Zeit: das Geld. Er will von Kondjoura nicht, wie es die Tradition vorschreibt, zwanzig Rinder, sondern "Papierrinder" als Brautpreis für seine Tochter sehen. So verlässt Kondjoura auf der Suche nach "Papierrindern" seine vertraute Welt. Er begegnet dem Naturschutzbeauftragten Patrick Hillmann, der sein Leben einschneidend verändert.
Patrick ist von seinem Vater Arthur unfreiwillig in die Armee gesteckt und in die Wildnis geschickt worden, weil er seine Freundin Sarah, die ein Kind von ihm erwartet, um keinen Preis heiraten soll. Arthur ist ein reicher und skrupelloser Bauunternehmer in der namibischen Hauptstadt Windhuk, der seine Aufträge durch Bestechung von der Armee erhält. In die kriminellen Machenschaften verwickelt ist Louis Engelbrecht, Sarahs Vater.
Die Liebe zwischen Patrick und Sarah ist ebenso in Gefahr wie die Liebe zwischen Kondjoura und Tjizire.
Der Roman überzeugt durch dramatische Spannung um kriminelle Machenschaften und politische Fehden, und ist gleichzeitig eine wunderschöne Liebesgeschichte. Sehr empfehlenswert!