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Schattenflucht
 
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Schattenflucht [Gebundene Ausgabe]

Richard Powers , Manfred Allié , Gabriele Kempf-Allié
3.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 544 Seiten
  • Verlag: Fischer (S.), Frankfurt; Auflage: 1., Aufl. (Februar 2002)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3100590201
  • ISBN-13: 978-3100590206
  • Größe und/oder Gewicht: 22,2 x 15,6 x 4,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 807.086 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Richard Powers
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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Erinnert sich noch irgend jemand an Virtual Reality (VR)? Datenhelme? Cybersex? Anfang der 90er-Jahre des 20. Jahrhunderts war VR so ziemlich das Schärfste, was die Computertechnologie zu bieten hatte und wurde zum Auslöser wildester Spekulationen über die digitale Kultur. Jahre später ist das alles nur noch ein feuchter Traum für einsame Hacker -- so richtig funktioniert VR heute eigentlich nur in Hollywood, in Filmen wie Vernetzt -- Johnny Mnemonic oder Matrix.

Manchen Lesern wird daher die Geschichte, die Richard Powers in seinem Roman Schattenflucht erzählt, auf den ersten Blick ziemlich anachronistisch vorkommen. In einem Labor in Seattle arbeitet ein Team von Computerspezialisten an einem virtuellen Projektionsraum, die Höhle genannt, der alles in den Schatten stellen soll, was auf diesem Gebiet bisher geleistet wurde. Für die Grafikerin Adie Klarpol, die sich von der New Yorker Kunstszene desillusioniert verabschiedet hat, und von einem Freund überredet wird, das visuelle Design der Höhle zu gestalten, erscheint das Vorhaben zunächst als Frevel und Verrat an der wahren Kunst. Doch bald schon wächst ihre Begeisterung angesichts der unvorstellbaren Möglichkeiten, die in der neuen Technologie stecken. So widmet sie sich bald der digitalen Optimierung gemalter Meisterwerke, bevölkert Henri Rousseaus Dschungelszenen mit flatternden Vögeln und lässt die Dielen in van Goghs "Zimmer in Arles" täuschend echt knarren. Ihr Meisterwerk jedoch soll das alles noch übertreffen: die Kuppel der Hagia Sophia in Istanbul als virtueller Raum, den die Besucher der Höhle nach eigenem Willen schwerelos erkunden können.

Das alles wäre tatsächlich unerträglich anachronistisch und naiv, würde Powers nur diese eine Geschichte erzählen. Doch wie schon in seinem Roman Galatea 2.2, der den amerikanischen Autoren endlich auch in Deutschland bekannt machte, sind die Verheißungen der Technik nur ein Anlass, über grundsätzlichere Dinge nachzudenken. Schattenflucht stellt daher konsequent der virtuellen Realität der Höhle die brutale Realität des Virtuellen gegenüber: die leere schäbige Zelle von Taimur Martin, einem Englischlehrer in Beirut, der von einer obskuren Gruppe muslimischer Befreiungskämpfer als Geisel gefangen genommen wird. In dieser unwirklichen Situation werden Vorstellung und Erinnerung zu virtuellen Projektionen, die das reale Überleben ermöglichen. Wie Powers die beiden Geschichten gestaltet und in Beziehung setzt, macht das Buch in besonderer Weise lesenswert. --Peter Schneck

Kurzbeschreibung

Adie Klarpol landet als Zeichnerin in einem Thinktank in Seattle: hier sollen die Computerbilder laufen lernen, um den Betrachter in den Sehnsüchten des eignen Blicks zu fangen. In einer Höhle baut sie die Welt des Sichtbaren nach, eine Arbeit, die sie ganz in ihren Bann zieht. Taimur Martin ist als Lehrer in den Libanon gekommen, von einer Zigarettenpause kehrt er nicht zurück, bleibt jahrelang als Geisel in

einer Höhle isoliert. Auch er schafft künstliche Welten, nicht der Technik, sondern der Fantasie, durch die er überlebt und auf die gleichen Bilder stößt wie Adie. Kunstvoll wie eine Doppelhelix verknüpft Richard Powers die beiden Geschichten zu einer genauen Vision über den Verlust der Sinnlichkeit im leeren Sog der Logarithmen und zu einer Liebesgeschichte, deren Charme und Poesie den Leser nicht mehr verlässt. ""Schattenflucht" ist der erste Roman, der das 21. Jahrhundert im Wappen trägt." Seattle Times Richard Powers ist der Schriftsteller der technischen Zwischenreiche. Unerschrocken folgt er seinen Figuren in die virtuellen Räume der Computer und Pixel, um uns ein Bild zu geben, von dem, was uns schon längst erwartet und bald umschließt: eine Welt elektronischen Heimwehs.


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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von isy3 TOP 500 REZENSENT
Format:Broschiert
... ist er wieder, Richard Powers neuester Roman über künstliche Welten. Nur leider endet er in einer Bruchlandung. Man merkt dem Buch an, daß der Autor füher sein Geld mit dem Schreiben von Software verdient hat. Der Roman ist gut geschrieben, perfekt konstruiert und zwar so geschickt, daß das Konstruktionsgerüst niemals durchscheint. Auch wurde jedes naturwissenschaftliche und psychologische Detail so gründlich recherchiert, daß alles sehr glaubwürdig ist - nur leider ausgerechnet im Höhepunkt am Schluß nicht! Die einzige direkte Berührung der beiden wichtigsten Handlungsstränge ist dem Autor danebengegangen. Dabei hätte er meiner Ansicht nach einfach ganz darauf verzichten können.

Dieser letzte Absatz in Kapitel 42 und die drei letzten des Buches wären von der inneren Logik her überhaupt nicht nötig gewesen. Nachdem es über fünfhundert Seiten lang abwechselnd um die Entstehungsgeschichte der Virtual Reality, und das mentale Durchhalten einer Geisel in jahrelanger menschenunwürdiger Gefangenschaft gegangen ist - beides sehr packende Themen, die brillant behandelt werden und an sich schon viele Verbindungspunkte und Parallelen aufweisen, vermasselt Richard Powers alles, indem er die beiden vorher so akribisch logisch geführten Handlungsstränge am Schluß sich "in Echt" kreuzen läßt. Da wird über fünhundert Seiten lang auf hoher Ebene philosophiert, da werden wunderbare Metaphern gefunden, sprachgewaltige Bilder erschaffen und kühne Gedankenbögen gespannt; es gibt jede Menge hochintelligente Dialoge mit Witz und bewegende Szenen mit viel Einfühlungsvermögen - alles Dinge, die den gebildeten Leser erfreuen und den Roman zum Lesegenuß für den geistig Hungrigen machen. Tja und am Schluß dann dieses naive Wunder aus dem Groschenroman, nur um alles so narrensicher miteinander zu verbinden, daß auch der letzte Dummie es kapiert! Dafür gibts Haue von mir und einen Punkt Abzug.
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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Hier wie dort 8. August 2007
Von Polar
Format:Broschiert
Zwei Geschichten miteinander zu verschränken, die vorgeben, nichts miteinander zu tun zu haben, hat William Faulkner bereits in Wilde Palmen und Der Strom vorgeführt. Zusammengelesen ergeben sie wie bei Powers Schattenflucht ein Bild, daß sie, seperat nebeneinander gestellt, nicht erreichen könnten. Wenn Powers die Welt des Cyberspace in Seattle mit dem Leben einer Geisel im Libanon verschränkt, läßt er das technische Auswuchern der Vorstellungskraft auf die karge Gedankenwelt des Überlebenwollens prallen. Jede in sich so beschrieben, daß sie nicht zu kompliziert erscheint, was bei einem Geiseldrama sicher einfacher fällt, als wenn ein Leser in die abseitige Welt der Computer eingeführt wird.

Gerade durch die Gegenüberstellung zeigt Powers was der Mensch mittels seiner Gedanken zu bewegen vermag. Er erschafft nicht nur neue Welten, er ist auch in der Lage, sich über den Schrecken von Folter und drohender Erschießung hinwegzusetzen. Hinter allem leuchtet der Kampf der Kultur hervor, die Frage, was ist Terrorismus, zwingt er uns darüber nachzudenken, ob die Wissenschaft nicht zu weit geht. Wer will, kann es sich einfach machen und jede Geschichte im Buch für sich lesen.

Doch wer Richard Powers Romanwelt zu schätzen weiß, ahnt, daß für ihn die Welt alles miteinander verknüpft. Sei es die Musik und der Rassismus in Klang der Zeit, sei es die Neurologie und der Naturschutz in Echo der Erinnerung. Powers benötigt die weit auseinanderliegenden Felder, um seine Geschichten zu erzählen. Wenn man sie zusammen liest, braucht man Geduld und bleibt fasziniert zurück. Auch wenn man die Durststrecke, daß man nichts von Musik, nichts von Neurologie, nichts vom Cyberspace versteht, manchmal überbrücken muß.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von bxa
Format:Broschiert
An die Bücher von Richard Powers lege ich, als mittlerweile begeisterter Fan, eine extrem hohe Latte an, denn Powers ist nicht einfach ein Buchautor, nicht einfach ein Geschichtenerzähler, er ist ein Romancier, indem er die Wortgewalt und Sprachmacht einsetzt, um wenig äußere, aber mächtige innere Handlung so zu erzählen, daß jede Menge Bilder vor dem Auge des Lesers aufsteigen (Seitenbemerkung: Daher hoffe ich, daß seine Romane weiterhin dem Fluch entgehen, als Hollywood- oder sonstigem Kintopp die Bilder, die bei jedem anders aussehen mögen, zu zerstören).

Und diesmal geht es auch inhaltlich um Bilder, nein, um ganze Bilderwelten sogar. Auf der einen Seite werden diese in einem Virtual Reality Lab erschaffen - unter Einsatz von viel Technik und Rechnerleistung -, auf der anderen Seite werden sie unter Einsatz von nicht mehr als dem im Dunklen und Schrecklichen gefangen gehaltenen Hirn einer Geisel im Libanon geschaffen. Beide gewaltig genug, um nicht nur eine ganze Welt zu simulieren, sondern auch, um den Leser 500 Seiten lang in dem gefangen zu halten, was das eigene Hirn beim Lesen erschafft.

Da die Latte an Powers Bücher bei mir extrem hoch liegt, erlaube ich mir, für die von anderen bereits kritisierte Zusammenführung beider Erzählstränge ein ganz kleines bißchen vom 5. Rezensionsstern abzuknabbern. Was unfair ist, denn Powers spielt sowieso in einer höheren Liga - 4 Powers-Sterne sind immer noch mehr als 5 Sterne in der Null-acht-fuffzehn Autorenliga. Und explizit sei gesagt: Die zwei Erzählweisen (letztlich derselben Geschichte) berühren sich nur sehr subtil und äußerst kurzzeitig. Dennoch - es gibt NOCH Besseres, wenn auch nur von den ganz Großen, zu denen Powers selber definitiv gehört.
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