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Der Schatten meines Vaters
 
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Der Schatten meines Vaters [Taschenbuch]

Richard von Schirach
4.4 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (7 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Richard von Schirach wuchs ohne Vater auf. Der saß, während er in Bayern die Schulbank drückte, als Kriegsverbrecher in Berlin-Spandau. Zwanzig Jahre lang. "Es war eine Vaterbeziehung" schreibt der Sohn Baldur von Schirachs, des Reichsstatthalters von Wien, "die nur auf Briefen und den spärlichen Besuchen beruhte, die, wenn es hochkam, sechzig Minuten im Jahr ausmachten:" Und dennoch: Richard und seine Geschwister "waren von diesen Briefen abhängig und nannten sie 'Vaterspeise'. Mit dem Entrückten, Einsamen gut zu stehen und sich aufgehoben zu fühlen überstieg alles".

Auch die Mutter, die später ihre Kinder ohnehin verlassen und ihr Glück ohne die Kinder mit einem neuen Mann suchen wird, wurde, als Richard drei und seine Geschwister gerade einmal sieben, zehn und zwölf Jahre alt waren, während eines Einkaufs von der Straße weg verhaftet. Die Kinder geraten in die Fänge einer staatlichen Fürsorgerin, die ihre sadistischen Triebe vorzugsweise an dem vierjährigen Richard auslebt. Keine leichte Kindheit also, ganz unabhängig von dem braunen Schatten des Vaters...

Als Baldur von Schirach aus der Haft entlassen wird, folgt wegen ihrer nicht in Deckung zu bringenden Anschauungen über die generelle wie individuelle Schuldfrage schon bald der Bruch zwischen Vater und Sohn. Letzterer hat sich mit diesem Buch Klarheit zu verschaffen gesucht über sein Leben. Und wir müssen ihm danken, dass er uns daran teilhaben lässt. Denn Der Schatten meines Vaters ist weit mehr als eine Autobiografie. Das Buch ist ein ebenso bewegendes wie in Teilen sehr lehrreiches Zeitzeugnis erster Güte. -- Hasso Greb -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Pressestimmen

»... ein einzigartiges Dokument. Einzigartig, weil es eine eindringliche, nuancierte, aus eigener Anschauung gewonnene Sprache spricht.«
Die Zeit 10.11.2005



»Ein Buch von bemerkenswerter Beobachtung und Lebensklugheit, glänzend geschrieben, eine Autobiographie von literarischem Rang.«
Der Tagesspiegel 04.09.2005



»Es ist eine spannende Geschichte, voller Emotionen und enttäuschten Hoffnungen, gespickt mit einer Prise Humor und dem unwiderstehlichen Drang, einfach nur zu erzählen. Das Buch ist nicht nur wegen der Vater-Sohn-Beziehung interessant zu lesen. Richard von Schirach erzählt parallel dazu auch die Geschichte der Nachkriegsjahre, klug, ernst, zuweilen auch mit einem Schmunzeln ... Diese Biografie ist ein grandioses Zeitdokument.«
Buchlemmi.de 7.3.2012


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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
73 von 75 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Lesenswert 29. August 2005
Format:Gebundene Ausgabe
Schon wieder ein "Nazibuch", könnte man denken. Habe ich auch gedacht. Was ist es denn? Eine Abrechnung? Ein langatmige Dokumentation?
Falsch. Es ist eine spannende Geschichte, voller Emotionen und enttäuschten Hoffnungen, gespickt mit einer Prise Humor und dem unwiderstehlichen Drang, einfach nur zu erzählen. Denn nicht alles dreht sich nur um den Vater, wie es der etwas unglückliche Titel mitsamt "Bild"-typischem Cover verheisst. Sehr vergnueglich und interessant sind vor allem die Schilderungen der Nachkriegsjugend, des Landlebens, den wunderlichen Internaten, und dabei ist man auch als Leser immer auf der Hut vor der unberrechenbaren Mutter, die den Sohn schon mal für Wochen aus der Schule nimmt, da sie in Italien ihr letztes Geld in den Filmhandel investieren will. Selten gab es einen gewagteren Versuch, ein derartiges Schicksal darzustellen. Auf der einen Seite sollen die Geschnisse nach 45 realistisch vermittelt werden, die Armut, die Rolle als Sohn eines Täters, auf der anderen Seite droht da natürlich leicht die Gefahr, in unpassendes Selbstmitleid abzurutschen, oder in eine sinnlose Abrechnung zu verfallen. Richard von Schirach gelingt jedoch der Balanceakt auf beeindruckende Weise. Man fiebert mit dem kleinen Jungen mit, der lernen muss was es heisst, zur falschen Zeit am falschen Ort geboren worden zu sein, und der sich dennoch an der verbrannten Hand, die ihm das Leben gereicht hat, wieder aufrichtet und aus dem Schatten seines Vaters tritt. Ein munter geschriebenes, teils heiteres, teils trauriges und nachdenkliches Buch, dass einen seltenen weil ehrlichen Blick in die Welt eines Täterkindes erlaubt. Lesen.
War diese Rezension für Sie hilfreich?
16 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Taschenbuch
Richard von Schirach ist drei Jahre alt, als der Zweite Weltkrieg endet. Seinen Vater sieht er erst knapp zwei Jahre später nur kurz wieder. Danach bleiben ihm nur noch Briefe von ihm. Baldur von Schirach, Reichsjugendführer der Hitlerjugend und Statthalter von Wien, wurde im Nürnberger Kriegsverbrecherprozess zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt. Besuch darf er erst einmal keinen empfangen.

So wächst der kleine Richard in Bayern auf, zusammen mit seinen drei Geschwistern und seiner labilen Mutter. Packend und mit kluger Sprache erzählt er seine eigene und zeitgleich seine Familiengeschichte. Vom Aufwachsen in der jungen BRD, vom Zurechtfinden in einer fremden Welt, vom Schweigen über die Kriegszeit. Es sind harte Zeiten in Deutschland und Richard lernt von klein auf zu kämpfen. Hoffnung für die Familie gibt nur der wöchentliche Brief aus Spandau, wo sein Vater einsitzt. So lernt er den Vater kennen, obwohl streng reglementiert ist, was in den Briefen stehen darf.

So leben Vater und Sohn getrennt ihr Leben und versuchen eine Verbindung zueinander aufzubauen. Erst als Richard acht Jahre alt ist, darf er seinen Vater besuchen, muss ihn jedoch mit seiner Häftlingsnummer anreden. Dieses Erlebnis prägt den jungen von Schirach.

Dieses Buch ist nicht nur wegen der Vater-Sohn-Beziehung interessant zu lesen. Richard von Schirach erzählt parallel dazu auch die Geschichte der Nachkriegsjahre; klug, ernst, zuweilen auch mit einem Schmunzeln, wenn er etwa aus seiner Zeit in den Internaten berichtet, oder von der Bürokratie des Spandauer Gefängnisses, das alle vier Siegermächte gemeinsam betrieben.

'Der Schatten meines Vaters' ist ein grandioses Zeitdokument, das ich mit sehr viel Gewinn gelesen habe. Ich kann es nur jedem empfehlen.
War diese Rezension für Sie hilfreich?
45 von 49 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Faszinierende Familiensaga 5. September 2005
Format:Gebundene Ausgabe
Richard von Schirach kann genialisch und mit großem Sprachwitz erzählen: das merkt man schon nach wenigen Seiten. Allein schon die perfekt gelungene Tonalität und Metaphorik des Buches lohnt die Lektüre. Weit entfernt von allem Selbstmitleid, ebensoweit entfernt von einer triumphierenden oder gar hämischen Abrechnung mit seinem Vater, gelingt ihm eine Schilderung der Nachkriegsjahre der Bundesrepublik, die selten lebendig gelungen ist. Durch Rückblenden und Reflexionen wird die frühe Verstrickung seiner Eltern in den Nationalsozialismus schon der zwanziger Jahre beklemmend konkret geschildert und oft mit wenig bekannten Fakten angreichert. Wer kennt schon den Zusammenhang zwischen den antisemtischen Schriften eines Henry Ford und dem deutschen Antisemitismus der 20er Jahre? Dennoch erliegt von Schirach nie der Gefahr, sich zum Geschichtsschreiber aufzuschwingen, sondern bleibt bei seiner subjektiv geprägten Erzählweise. Oft ehrlich bis zur Schmerzgrenze, wenn es um Versagen, Leiden und Ängste in der Schule und gegenüber dem Vater geht, spitzt er den Gang seiner Erzählung so zu, dass man die letzten 200 Seiten schon in einem Zug lesen muss. Ein seltenes Leseerlebnis, das Lachen, Weinen und immer wieder tiefes Nachdenken provozieren kann. Unbedingt empfehlenswert.
War diese Rezension für Sie hilfreich?

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