Ich bin eigentlich durch Zufall an diesen Film geraten. Es war eine Empfehlung von Amazon, weil ich wohl mitlerweile fast das komplette Repertoire an Bollywood-Filmen besitze, und sonst nichts anderes mehr übrig war. Ich bin ja sooo froh darüber!
Im ersten Moment, als ich den Film einlegte, war ich recht geschockt, da ich nicht wusste, dass dieser von einem deutschen Autor und Regisseur ist. Dieser ist zwar ein Oscar-Preisträger für einen Kurzfilm, was aber nichts zu bedeuten hat, weil ich z.B. American Beauty ganz furchtbar fand. Und dann hat auch noch Helmut Dietl als Produzent seine Finger im Spiel, von dessen Filmen, z.B. Rossini ich nicht immer so begeistert war.Die Besetzung ist im Gegensatz dazu komplett indisch und mit vielen Anfängern ( beide Kinder haben keinerlei Erfahrungen) und Newcomern(z.B. Tilottama Shome in ihren 2. Rolle nach "Monsoon Wedding") besetzt. Der einzige "richtig" erfahrene Schauspieler ist Irfan Khan.
Und dann der nächste Schock: Der Film wurde in Kalkutta in Bengali gedreht! Das kann doch gar nicht gutgehen...
Und dann beginnt dieser Film. Mit wunderschönen gedeckten Farben, großartiger Background-Musik und grandiosen Kinderdarstellern, zieht er einen so schnell in seinen Bann, dass man es gar nicht realisieren kann.
Die Geschichte spielt anfangs und auch am Ende in einer Teppich-Fabrik. Dort lernen sich der clevere Ravi (ein Mega-Talent von der Strasse. Gallenberger hat ihn entdeckt, als er durch die Strassen Kalkuttas fuhr und der Junge dort arbeitete, um seine Familie mitzuernähren) und die kleine Masha kennen. Die beiden Kinder verbindet schnell eine wundervolle Freundschaft und zarte Liebe. Doch dann soll Masha , die von ihrem armen Vater verkauft wurde, an einen "Kinderfreund" abgegeben werden. Ravi erkennt die Gefahr und kauft Masha von seinem mühsam ersparten Geld für eine Halsabschneider-Summe frei. Masha geht nach Kalkutta, wo sich die beiden irgendwann wiedersehen wollen, und den größten Tempel der Stadt bei Vollmond als Treffpunkt ausmachen. Masha gerät in die Fänge von Zuhältern und Prostituierten, geht aber über Jahre jeden Vollmond zum Tempel und wartet auf Ravi.
Als Ravi eines Tages tatsächlich auftaucht (nachdem sie sich des öfteren verpasst haben), sieht Masha ihn mit einer anderen Frau und geht. Doch Ravi hat Masha nicht gesehen. Nur seine zukünftige Ehefrau entdeckt sie, welche es ihm aber wohl wissentlich verschweigt.
Jahre später, beide sind inzwischen verheiratet, kreuzen sich wieder ihre Wege.Das Schicksal nimmt seinen Lauf...
Mehr wird nicht verraten.
Die Geschichte klingt vielleicht etwas klischeebeladen oder nach einem übertriebenen Drama. Ist sie aber keineswegs. Dieser Film kommt so takt-und gefühlvoll auf ganz leisen Sohlen daher, dass er einem mitten ins Herz geht, ohne, dass man es merkt. Selbst schwierige Themen wie Kinderarbeit, Kinderschändung, Vergewaltigung und Kinderprostitution werden einem ohne Schockeffekte, abstossende Szenen oder dramatische Gefühlausbrüche nahegelegt und zeigen trotzdem, wie schlimm so etwas ist.
Ähnlich wie bei "Mr.und Mrs. Iyer", ist dieser Film auf eine ganz besondere, ganz leise Art und Weise einfach wunderschön.