Ein ausgezeichnet recherchiertes und gut geschriebenes Sachbuch, wie man es sich öfter wünschen würde. Die Lektüre nimmt einen von der ersten Seite gefangen und hält in Atem bis zum Schluß. Mitunter ist man geneigt, zu vergessen, daß es sich nicht um Fiktion, sondern um die Dokumentation realer blutiger und menschenverachtender Machenschaften handelt.
Es ist eindeutig ein Buch über Täter. Die Opfer interessieren kaum. Es sei denn, man ist geneigt, die deutsche Ehefrau von Carlos als solches zu betrachten. Die politische Analyse kommt ebenfalls zu kurz. Aber grundsätzlich liefert der Autor das, was er versprochen hat, nicht mehr und nicht weniger. Intellektuelle theoretische Aufarbeitung gehört halt nicht dazu.
Am Ende steht der berüchtigte Terrorist Carlos in Unterhosen da, nur noch selber geblendet von der Show und dem Medienzirkus, die er mit sicherem Gespür für Public Relations um seine Verbrechen inszeniert hat. Und doch ist aus jeder Zeile das Charisma zu spüren, das dieses bombende, schwadronierende, eitle, saufende und vögelnde Testosteron-Monster umgeben haben muß. Schließlich hat der Mann eine ganze Reihe nicht unbedingt dummer Menschen in seinen Bann geschlagen und nach Strich und Faden belogen und betrogen.
Aber noch während ehrgeizige Staatsanwälte ihn und seinen "zweiten Mann" Johannes Weinrich jagen, gehen zunächst unbeachtet von der Weltöffentlichkeit mit Osama bin Laden und der Al Qaida Männer an den Start, die den Schakal und seine Söldnertruppe wie Mitglieder der Heilsarmee erscheinen lassen. Der Schoß, aus dem ein Carlos kroch, ist fruchtbarer denn je. Und nach wie vor sitzen die schlimmsten Terroristen auf Thronen und Regierungssesseln, von den Chefetagen geheimer Dienste ganz zu schweigen.