von Zeit zu Zeit liest man ein Buch, dass noch lange nachwirkt. Entweder, weil einen die Geschichte ein wenig glücklicher gemacht hat. Manchmal, weil man noch eine Weile die transportierten Gedanken nachhallen lässt und dann gibt es die Art Kriminalroman, die dem Leser noch lange Schauer über den Rücken jagen.
Ein solches Buch ist "Schatten" der schwedischen Kriminalschriftstellerin Karin Alvtegen.
Wer nun jedoch eine Schlachtplatte erwartet, ein weiteres Kabinettstückchen blutiger Grausamkeit, ist hier im falschen Buch gelandet.
In "Schatten" gibt es erst auf den letzten Seiten ein Verbrechen, froststarrend ist es jedoch vom Beginn des ersten Kapitels.
Wir lernen eine Familie kennen, die nach außen zwar den schönen Schein wahrt, die jedoch bereits in zweiter Generation hilflos eine solch tiefe Kälte lebt, dass das Aufbrechen der unterschwelligen Konflikte nur eine Frage der Zeit zu sein scheint...
Ehrbar geht es zu im Haus des Literaturnobelpreisträgers Axel Ragnerfeldt. Er ist zwar inzwischen ein Pflegefall und nach einem Hirnschlag körperlich außer Gefecht, aber ihn quälen die Gedanken an nicht vernichtete Dokumente, die seine inzwischen zur Legende gewordenen untadelige Lebensbilanz zerstören könnten.
Sein Sohn lebt nicht schlecht vom Ruhm des Vaters, reist als Vortragskünstler durchs Land, findet immer im Publikum eine flüchtige Liebschaft, ist jedoch unfähig, seine eigene Ehe zu retten.
Nach dem Tod der langjährigen Haushälterin Gerda kümmert sich eine Nachlassverwalterin um ihre bescheidene Hinterlassenschaft. Ohne es zu ahnen, enthüllt sie das Lebensgeheimnis dieser Frau und löst eine Lawine ungeahnten Ausmaßes für die Familie Ragnerfeldt aus...
In diesem Roman geht es um bindungs- und kommunikationsunfähige Menschen, um eine besondere Form des Stalkings, ein kurzes und ungeheuer folgenreiches Abenteuer und um Lügen, die auch nicht wahr werden, wenn man sie nur lang genug pflegt...
"Schatten" ist ein dicht erzählter Kriminalroman, der dem Leser das Aushalten manchmal schwer macht, den man dafür aber auch noch sehr, sehr lange im Gedächtnis behält!
Ein Buch, das sicher nicht von ungefähr im Januar erschienen ist, denn diese Geschichte transportiert wirklich dichtesten Beziehungswinter!
Eine uneingeschränkte Leseempfehlung!