Dieser Roman von Robert Schneider fesselt und lässt nicht mehr los. Auf atemberaubende, teilweise erschreckende, teilweise überaus berührende Art und Weise wird uns vor Augen geführt, auf welch unterschiedliche Weise man sein Leben leben kann - auf die EINE große Liebe des Lebens gestoßen, beharrlich seinen Gefühlen vertrauend, stetigen (süßen)Schmerz leidend, weil diese Liebe augenscheinlich nicht erwidert wird. Oder verdrängend, dass es eine solche gibt und sich ein Leben lang mit Mittelmäßigkeiten zufriedengebend.
Eine solche Liebe kann uns nur berühren, wenn wir bereit sind, den Schmerz zu leiden, den es zu erleiden gilt, wollen wir unsere Schatten erforschen. Denn nur so können wir zu uns selbst finden. Nur wer sich selbst gefunden hat, kann eine solch anscheinend "unerfüllte" Liebe leben - denn nur ein solcher Mensch sieht sie als SEINE Liebe, die nicht danach verlangt, erwidert zu werden, sondern erfüllt, weil sie einfach da ist.
Zutiefst menschlich aber auch die Frage, die es zu beantworten gilt: wer ist am Ende des Lebens "glücklicher"? Der, der die wahre Liebe erfahren hat, sie aber niemals in der Zweierbeziehung leben konnte, oder der, der am Ende seines Lebens erkennen muss, niemals derart tief geliebt zu haben, obwohl mehrmals in einer Partnerschaft versucht.......
Dialoge, Erzählungen, Schilderungen von Gefühlen, wie sie ehrlicher und treffender nicht sein können - das Buch fesselt, lässt aber auch immer wieder innehalten, um die ganze Tragweite des Geschriebenen zu erfassen. Ein Meisterwerk der besonderen Klasse.