...haben die 3 Autoren (geschlechtsneutral!), die alle aus dem Bundesland Salzburg stammen, mit diesem Buch vorgelegt: nämlich einen "Reiseführer durch die braune Topographie von Salzburg".
Was die 3 Autoren in ihrem Buch zutage förderten, erstaunt, obwohl so manches natürlich nicht unbedingt neu ist, immer wieder. "Erstaunen" in dem Sinn, wie es über Jahrzehnte gelang, all diese Untaten etc. mehr oder weniger geheimzuhalten bzw. zu verdrängen.
Gerade gegen das Verdrängen und Vergessen schreiben die Autoren an; sie wollen, dass man "die Leiden der Opfer, die ungesühnten Verbrechen der Täter und das 'Dagegenhalten' der Widerstandskämpfer" nicht vergisst - und das in einem Salzburg (gemeint sind die Stadt und das Bundesland), in dem man jahrzehntelang "auf dem rechten Auge blind war" ( =indem man die Taten von damals verharmloste, viele Täter unbelästigt nach 1945 weiterleben konnten, man die Opfer aber ganz schnell vergaß).
Das Buch besticht einmal durch seine Gliederung ("Alt- und Neustadt" von Salzburg; "Peripherie" usw.); weiters durch Informationen über die Erreichbarkeit der diversen Orte, aber auch durch Literaturtipps, Downloads und Buchtipps via Web.
Greifen wir ein paar Beispiele heraus: die "Staatsbrücke", die wichtigste Brücke der Stadt Salzburg über die Salzach, wurde u.a. von sowjetischen Kriegsgefangenen erbaut (und erst seit 2007 erinnert eine Gedenktafel daran); die einzige Bücherverbrennung auf dem Boden des ehemaligen Österreich fand 1938 auf dem Salzburger Residenzplatz statt; ein SS-Obersturmbannführer, an der Ermordung von 2 Millionen Juden in Polen beteiligt, betrieb bis 1961 in Salzburg unbehelligt ein Taxiunternehmen; der Gründer der Salzburger Festspiele, Max Reinhardt, wurde von den Nazis vertrieben, sein Besitz geraubt (wie überhaupt die Nazibonzen ganz gewaltige Räuber waren); Proteste jüdischer "Displaced persons" gegen einen Film des "Jud-Süß-Regisseurs" Veit Harlan wurden 1951 (!) von der Salzburger Polizei blutig niedergeschlagen; Josef Thorak, einer der Lieblingsbildhauer Hitlers, wird noch heute durch einen Straßennamen geehrt; bereits 1927 (!) gab es in der idyllischen Sommerfrische Mattsee Bespitzelung und Denunziation gegen Sommergäste jüdischer Herkunft (der NS-Kriegsverbrecher Seyss-Inquart erwarb hier 1931 ein Haus, der Ort war nämlich "judenrein"), usw. usw.
Aber es gibt auch Positives zu berichten: 2007 wurde das Projekt "Stolpersteine" auch in Salzburg umgesetzt (von diesen wurden inzwischen deren 37 verlegt, die an Opfer des NS-Regimes erinnern!)
Daneben wird an einen ganz großen Salzburger erinnert: nämlich an den christlichsozialen Landeshauptmann Rehrl, der, 1945 aus Dachau zurückgekehrt, in seinen Reden auch an "die Brüder der Linken", die Kirchenleute, die Kriegsdienstverweigerer und an die "gemarterten Juden" erinnerte: Worte, die man von mehr Salzburger Politikern nach 1945 gewünscht hätte!
"Im Schatten der Mozartkugel" regt dazu an, sich auf Erinnerungreisen zu begeben!
Gratulation für dieses Buch an Susanne Rolinek, Gerald Lehner und Christian Strasser!
Leider nur 5 Sterne möglich!