Literatur
Schatten des Geistes
lft. In den achtziger Jahren wurde die aufsehenerregende Entdeckung gemacht, dass es die in den klassischen Raumgruppen der Kristallographie nicht auftretende Fünfersymmtrie auch in der unbelebten Welt gibt. Die Deutung dieses Phänomens lag in der Form von Penroses Parkettierungstheorie fixfertig vor: «Penrose-Tiling» ist zu einem allgemein bekannten Begriff geworden. Fast nur von Fachleuten geschätzt sind andererseits Penroses Beiträge zur Kosmologie und zur Physik der Schwarzen Löcher. Dass Penrose nun über eines der schwierigsten Probleme überhaupt nämlich das Bewusstsein ein voluminöses Buch schrieb, zeugt von erheblichem Mut. Sicher ist es an der Zeit, dass diesem Thema solide wissenschaftliche Grundlagen gegeben werden. Es besteht ja kein Grund anzunehmen, dass das Bewusstsein nicht auch eine jener a priori nicht voraussehbaren Qualitäten ist, die sich bei steigender Quantität der Neuronen und der Komplexität ihrer Verschaltung ergeben. Vom Verständnis dieses Phänomens sind wir aber noch sehr weit entfernt. In diesem Buch versucht Penrose, auf Grund der Quantentheorie, der Gödelschen Logik und der künstlichen Intelligenz eine Physik des Bewusstseins herzuleiten. Eine zentrale Rolle spielt dabei das eigentümliche Konzept einer Quantenkohärenz in den Mikrotubuli des Zytoskeletts. Ob sich Penrose nicht allzu viel vorgenommen hat?
Aus der Welt der kleinen Schiffe
lft. Schiffsmodelle, die in jeder Hinsicht dem Original möglichst ähnlich sein sollen, werden seit Jahrhunderten gebaut und gesammelt. Doch erst der von Friedrich-Karl Peltzer entwickelte Massstab 1:1250 erwies sich als ideal, weil damit selbst ein Supertanker handlich bleibt und der im Vergleich winzig anmutende Hafenschlepper ohne Mikroskop realitätsgetreu gestaltet werden kann. Das von Peltzer ersonnene und von seiner Firma Viking Modellbau 1936 kommerzialisierte Konzept ist ebenso genial wie einfach: das nur die Überwasserstrukturen wiedergebende Originalmodell kann in einem beliebigen Material gebaut werden, solange es sich mit Silicongummi abformen lässt; in diese Form giesst man die Kopien in Blei ab. Puristen bauen von null auf, Hobbysammler kaufen Rohmodelle und bemalen sie liebevoll, der schnelle Weg zu einer Flotte führt über den Kauf kompletter Miniaturen. Es gibt kaum ein Schiff von der Bronzezeit bis heute , das nicht im Massstab 1:1250 nachgebildet worden wäre. Zu den besten Kennern dieser Materie gehört der Autor und Herausgeber des vorliegenden Buches, der seit seiner Kindheit selbst Schiffsminiaturen baut und sammelt. Dieses Werk über die kleinen Schiffe konzipierte Horst Krönke u. a. als Hommage auf Peltzer und Viking; darum wird der Werdegang des Unternehmens eingehend geschildert. Daneben erhält der Leser, Modellbauer und Sammler aus der Feder echter Profis eine Fülle von Information über die Technik der Miniaturen sowie des effektvollen Ausstellens und Photographierens. Die zahlreichen Photographien in Schwarzweiss und Farbe bezeugen die Schönheit und Realitätsnähe der «kleinen Schiffe».
Wissenschaft
in der globalen Herausforderung
lft. Der vorliegende Band enthält die Vorträge an der in Hamburg abgehaltenen 118. Versammlung der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte (GDNÄ). Im Gegensatz zu den meisten anderen gelehrten Gesellschaften ist die GDNÄ hochgradig interdisziplinär. Weil ihre Mitglieder in den verschiedensten Bereichen der Naturwissenschaften zu Hause sind, werden die Vorträge als Übersichtsreferate bestimmter Disziplinen der aktuellen Forschung konzipiert und sind darum jedem Interessierten zugänglich. Dem allgemeinen Verständnis förderlich sind auch die zahlreichen, z. T. vierfarbigen Abbildungen. Das Generalthema der Hamburger Tagung war «Wissenschaft in der globalen Herausforderung». Die Beiträge aus Physik, Chemie, Biologie, Medizin und Erdwissenschaften zeigen auf packende Weise, wie sich die Naturwissenschaften den heutigen, globalen Herausforderungen stellen und wie sie auf die bedrängenden Fragen unserer Zeit auch Antworten finden. Die tatsächliche Lösung der Probleme setzt aber Veränderungen im Verhalten der Menschheit voraus. Dabei tangiert man die Sphäre der Emotionen, wo mit rationalen Argumenten leider wenig auszurichten ist.
Körpersprache, Gesten und Gebärden
bz. Nicht immer verwenden wir gesprochene Sprache, um uns verständlich zu machen. Bevor sie sagen können, was sie wollen, zeigen kleine Kinder auf den begehrten Gegenstand und schauen einen auffordernd an. Diese Geste bedeutet weltweit dasselbe. Das kann nicht von allen von uns verwendeten Gesten gesagt werden. Ein anerkennendes «o. k.», bei dem der Daumen und der Zeigefinger einen Ring bilden, ist in Frankreich eine Beleidigung; ein hochgestreckter Daumen als Antwort auf die Frage «Wie viele?» im lärmigen Restaurant lässt den Kellner in Japan oder in den USA gleich fünf Biere abzapfen und nicht eines, wie wir das eigentlich andeuten wollten. Rund 600 solcher Gesten, Fuss- und Beinhaltungen oder Gesichtsausdrücke werden hier in Wort und Bild beschrieben. Manche verwendet man ungewollt und verrät damit auch, was man eigentlich lieber verschwiegen hätte. Neben der Bedeutung, der geographischen oder ethnischen Verbreitung und einer Beschreibung der Ausführung der Geste wird auch eine Erklärung versucht, wie die Geste entstanden ist. Das Ganze ist ein vergnüglicher und lehrreicher Dictionnaire.
Der paradoxe Eierkocher
tlu. Wie funktioniert eigentlich ein Jo-Jo, oder warum lassen sich Weinflaschen leichter öffnen, wenn der Korken beim Herausziehen gedreht wird? Beim Lesen des vorliegenden Buches wird einem deutlich, wie schnell man sich an alltägliche Gebrauchsgegenstände gewöhnt, ohne sich weiter zu wundern, wie sie genau funktionieren. Anhand einer bunten Vielfalt von Aufsätzen zeigt Bürger, der sich als Autor von physikalischen Spielereien versteht und dessen Beiträge regelmässig im «Bild der Wissenschaft» sowie im «NZZ Folio» zu lesen sind, dass es beim genaueren Hinsehen von uns längst bekannten Alltagsgegenständen viel Überraschendes zu entdecken gibt. Auf verlockende Weise führt der Autor den Leser jeweils in ein Gedankenabenteuer ein, fordert ihn dabei stets zum mitdenken auf, und liefert schliesslich zu den einfachsten Vorgängen die physikalischen Hintergründe, inklusive dazugehörender Formeln.
Das Märchen von elfenbeinernen Turm
lft. Als Assistent, Kollege und Nachfolger von Wolfgang Pauli hat Res Jost die theoretische Physik an der ETH Zürich jahrzehntelang auf entscheidende Weise geprägt. Seine grundlegenden Beiträge zur mathematischen Formulierung der Quantenfeldtheorie gelten als Klassiker. In den letzten zwanzig Jahren beschäftigte er sich intensiv mit den epistemologischen Grundlagen, der Ethik und der Geschichte der Physik. Er hat zu diesen Themen zahlreiche Essays verfasst und bei vielen Gelegenheiten darüber vorgetragen. Der grösste Teil dieser Reden und Aufsätze wird im vorliegenden Buch zum erstenmal einem breiten, naturwissenschaftlich interessierten Leserkreis zugänglich gemacht. Obwohl sie in den siebziger und achtziger Jahren verfasst wurden, haben diese Essays nichts von ihrer Frische eingebüsst, denn sie behandeln die Entwicklung und den oft verschlungenen Lösungsweg grundlegender Probleme der modernen Physik. Jost hat sie äusserst gekonnt und mit profundem Wissen in Funktion der damit verbundenen Forscherpersönlichkeiten dargestellt. Von besonderer Faszination waren für ihn natürlich Einstein und Planck, aber auch Mach, Boltzmann, Gauss und Faraday. Seine Analyse des hässlichen und peinlich anmutenden Streits, den der mathematikfeindliche Goethe mit dem längst verstorbenen Newton ausfocht, gehört zu den Höhepunkten dieses Buches.