Wie fühlt Frau sich mit einem Secondhand-Mann, eingezwängt in dessen Vergangenheit, die oft im Gerangel um die Kinder und die Ex sehr hinderlich in die Gegenwart hereinreichen kann? Doris Früh beschreibt es sehr ausführlich anhand ausgewerteter Interviews bzw. Chat-Protokolle unter den folgenden Themen:
Ehe und Partnerschaft im 21. Jahrhundert ist das einleitende Kapitel, darin wird das Besondere von Zweitbeziehungen deutlich, die häufig zu einer deutlichen gesellschaftlichen Benachteilung à la Familiensystem 2. Klasse degradiert werden, sowohl in Rechtsprechung wie auch im gesellschaftlichen Bewusstsein.
Das 2. Kapitel ,Der gebrauchte Mann als Partner' beinhaltet die Innensicht der Partnerschaft zu einem solchen Mann, die von positiv geprägten Früchten der Vergangenheit, aber auch von deren Narben geprägt sein können. Oft werden die Zweitfrauen in eine Helfer-Syndrom-Rolle gelenkt, um ihrem Lebensgefährten bei der Bewältigung der ersten Beziehung beizustehen. Soll man/frau über alles aus der ersten Beziehung reden, oder liegt darin nicht auch eine Gefahr, zu sehr von dieser Vergangenheit des Mannes absorbiert zu werden?
Der dritte Teil beschäftigt sich mit der Vaterrolle des gebrauchten Mannes, mit dessen Verlustängsten, aber auch mit Ängsten der Zweitfrau, ihn über noch wegen der Kids in die neue Beziehung hineinreichenden Kontakten mit der Ex wieder an diese verlieren zu können. Damit kann dann der Partner-Vater schnell zum Vater-Partner werden, der seine Kinder der neuen Lebenspartnerin vorzieht, oft im begreiflichen Bemühen, den Kontakt zu den Kids nicht abreißen zu lassen. Daß daraus ein ambivalentes Verhältnis der Zweitfrau diesen Kids gegenüber eintreten kann, ist klar. Der Partner-Vater kommt sich in seinen beiden Rollen als einem Loyalitätskonflikt oft wie zwischen Mühlsteinen zermahlen vor.
Die Außenbeziehungen der Secondhand-Partnerschaft werden in Kapitel 4 beleuchtet: wie entwickeln sich Paaridentität und Wir-Gefühl den bisherigen oder neu zu findenden Freunden und den Verwandten gegenüber? Wie ist das Verhältnis der Zweitfrau zur Ex?
Abschnitt 5 konfrontiert mit den notwendigen Einschränkungen der Lebensplanung, denen rein praktisch, aber auch finanziell die Secondhand-Beziehung unterliegt. Das Zeitmanagement ist oft unsicher an den Wochenenden und verhindert damit nicht selten das Wir-Gefühl des Paares.
Welches Selbstverständnis Zweitfrauen haben, wird im 6. Kapitel abgehandelt. Will sie das Helfer-Syndrom ablegen, ewig die zweite bleiben, Distanz zu seiner Vergangenheit bekommen, die eigene Persönlichkeit weiterleben und Selbstverantwortung akzeptieren?
Das Abschlußkapitel fasst die 3 Erfahrungsmuster zusammen: entweder wird die Secondhand-Beziehung im besten Fall a) als Bereicherung erlebt (klare Abgrenzung, keine Reibungspunkte zur Ex), b) als Illusion (Selbstaufgabe und Helfer-Syndrom) oder c) als Fremdbestimmung (schlechte Abgrenzung zur Ex mit Ohnmachtsgefühlen und Vergangenheitsbetonung).
Fazit: ein sehr interessantes und vielschichtig die Lebenswirklichkeit von Zweitfrauen darstellendes Buch, auch für Männer zur Horizonterweiterung lesenswert. (19.01.08)