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Schatten über dem Hudson: Roman
 
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Schatten über dem Hudson: Roman [Taschenbuch]

Isaac Bashevis Singer , Christa Schuenke
4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Obwohl Isaac Beshevis Singer 1935 aus Polen in die Vereinigten Staaten auswanderte, blieb die eingegrenzte Welt der polnischen Juden im Kern seiner Fantasie. Angefangen mit seinem ersten Hauptwerk, Satan in Goray (1935), verwendete er das Leben im Schtetl als Rohstoff und verwandelte seine traditionelle Lebensweise, religiöses Brauchtum, Aberglauben und Sexualpraktiken in großartige Kunstwerke. Hin und wieder nahm sich Singer jedoch die Juden der Neuen Welt vor, wie er selbst einer war, und dokumentierte deren rasche beziehungsweise widerwillige Eingliederung in das amerikanische Alltagsleben. Eins dieser Bücher ist Schatten über dem Hudson.

Dieser umfangreiche Roman wurde ursprünglich 1957 in der jiddischsprachigen Zeitung Jewish Daily Forward in Fortsetzungen veröffentlicht und liegt nun in \334bersetzung vor -- und Singer-Fans sollten sehr dankbar sein. Im Mittelpunkt der Geschichte steht Boris Makaver, ein Baumeister, der sich gleichermaßen dem Stahlträger und dem Talmud widmete, und Anna, dessen oft verheiratete Tochter. Ausgehend von diesem Duo gibt es jedoch ein kleines Universum von Flüchtlingen, die alle mit der gewohnten Ausdruckskraft Singers aufgetischt werden. (Hier ist ein komischer Schnappschuss eines Gauners namens Hertz Grein: "Seine Nase hatte einen typisch jüdischen Haken, überlegte es sich aber dann doch wieder anders und richtete sich wieder gerade. Seine Lippen waren schmal, und seine blauen Augen verrieten eine seltsame Mischung aus Schüchternheit, Aufgewecktheit und etwas anderem, was schwer zu definieren war. Margolin sagte immer, er sähe aus wie ein Jeschiwa-Junge aus Skandinavien.") Während sich die Nebenhandlungen zu einem unordentlichen Haufen auftürmen, verrät der Roman manchmal sein ursprüngliches Fortsetzungsformat. Trotzdem -- Singer lässt seine große Besetzung zeigen, was sie draufhat, und das endlose Reden -- denn dies sind Figuren, die mittels schneller, streitlustiger, jiddisch-gefärbter Unterhaltung wahrlich zum Leben erweckt werden -- gibt dem Autor die Möglichkeit, über Schicksal, Identität und Freiheit nachzudenken, ohne das Tempo der Geschichte auch nur eine Spur zu verlangsamen. Wie Singer es des Öfteren ausdrückte: "Natürlich glaube ich an den freien Willen. Was bleibt uns anderes übrig?" -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .

Pressestimmen

»Singer erzählt (…) die familiären Wirren, Zerwürfnisse und Aussöhnungen, die pragmatischen, moralischen, psychologischen Konflikte in einem breiten Panorama, minuziös, präzis, atmosphärisch dicht, ungemein plastisch, kompositorisch glänzend, stilistisch auf dem Punkt, treffsicher bis in jedes Detail. (…) Der Vergleich mit Dostojewski darf durchaus berechtigt gewagt werden. (…) Ein Roman wie ein Riß ins Herz. Ein großartiger, in seiner Qualität und universalen Perspektive ohne Frage einer der bedeutendsten Romane des 20. Jahrhunderts. Was wäre die Welt ohne solche Bücher?«
Michael Klein, Lesart



» (…) die teilweise grotesken Versuche des Überlebens nach dem Überleben verarbeitet Singer zu einer großartigen menschlichen Komödie.«
Uwe Sauerwein, Berliner Morgenpost



»Wie so häufig fungiert Singer als Chronist einer zerstörten Welt. So schwebt er – seinen Charakteren gleich – im Schatten des Holocaust zwischen Vergangenheit und Moderne, immer die Menschen im Visier. Ihren Schmerz und ihre Ängste, ihre Unsicherheiten und moralischen Skrupel.«
Ulrike Fach, Hamburger Abendblatt

Kurzbeschreibung

Ende der Vierziger Jahre begegnen sich an der New Yorker Upper West Side im Appartement von Boris Makaver Bekannte und Freunde – alle Überlebende des Holocaust. Es könnte ein Abend wie andere Abende sein, beherrscht von hitzigen Debatten über Psychologie, Weltgeschichte, Naturwissenschaften und Übersinnliches. Doch an diesem Abend verschieben sich die vertrauten Konstellationen: Zwischen Makavers Tochter Anna und dem Börsenmakler Hertz Grein entspinnt sich eine Affäre.

Im Überschwang der Gefühle wollen beide einen Neuanfang wagen. Aber der Versuch, sich von ihren Partnern zu trennen, mißlingt. Anna quälen Gewissensbisse wegen ihres zweiten Ehemannes, der den Tod von Frau und Kindern im Konzentrationslager nicht bewältigen kann. Und auch Hertz Grein, der ehemalige Talmudgelehrte, fühlt sich schuldig gegenüber Frau und Geliebter. Diese beiden wie alle anderen Figuren des breit angelegten Romans treibt das elementare Problem: mit der Erinnerung leben zu müssen – sie nur durch streitlustiges, unermüdliches, verzweifeltes Reden ertragen zu können.

Der Verlag über das Buch

»Singer erzählt (…) die familiären Wirren, Zerwürfnisse und Aussöhnungen, die pragmatischen, moralischen, psychologischen Konflikte in einem breiten Panorama, minuziös, präzis, atmosphärisch dicht, ungemein plastisch, kompositorisch glänzend, stilistisch auf dem Punkt, treffsicher bis in jedes Detail. (…) Der Vergleich mit Dostojewski darf durchaus berechtigt gewagt werden. (…) Ein Roman wie ein Riß ins Herz. Ein großartiger, in seiner Qualität und universalen Perspektive ohne Frage einer der bedeutendsten Romane des 20. Jahrhunderts. Was wäre die Welt ohne solche Bücher?« Michael Klein in ›Lesart‹

» (…) die teilweise grotesken Versuche des Überlebens nach dem Überleben verarbeitet Singer zu einer großartigen menschlichen Komödie.« Uwe Sauerwein in ›Berliner Morgenpost‹

»Wie so häufig fungiert Singer als Chronist einer zerstörten Welt. So schwebt er – seinen Charakteren gleich – im Schatten des Holocaust zwischen Vergangenheit und Moderne, immer die Menschen im Visier. Ihren Schmerz und ihre Ängste, ihre Unsicherheiten und moralischen Skrupel.«Ulrike Fach in ›Hamburger Abendblatt‹

Über den Autor

Isaac Bashevis Singer wurde am 14. Juli 1904 in Radzymin in Polen geboren und wuchs in Warschau auf. Er erhielt eine traditionelle jüdische Erziehung. Mit 22 Jahren begann er, für eine jiddische Zeitung in Warschau zu schreiben, erst auf hebräisch, dann auf jiddisch. 1935 emigrierte er in die USA und gehörte dort bald zum Redaktionsstab des »Jewish Daily Forward«. 1978 wurde ihm für sein Gesamtwerk der Nobelpreis für Literatur verliehen. Für Aufsehen sorgten auch die Verfilmungen seiner Werke »Freinde, die Geschichte einer Liebe« und »Jentl«. Am 24. Juli 1991 starb Singer in Miami.

Isaac Bashevi Singers Rede anlässlich der Verleihung des Nobelpreises 1978 als Audio Dokument (©The Nobel Foundation)

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

ufgesprungenen roten Lippen. Sie erinnerte Grein an eine Löwin im Zoo, die einen Moment lang abläßt von dem rohen Fleischbrocken, den man ihr hingeworfen hat, und ihre blutverschmierten Lefzen zeigt. Sie sah ihn an mit einem Blick, in dem die ganze Glut der Liebe loderte.
"Wir können hier nicht bleiben!"
Grein kam es so vor, als läge in ihren Worten eine geheime Bedeutung verborgen, als wollte sie in Wirklichkeit sagen: Wir müssen von selber fortgehen aus diesem Paradies, bevor sie uns daraus vertreiben. Er schwieg und wartete, bis das Verlangen in ihm zur Ruhe kam. Sie sahen einander an, ängstlich und bekümmert, wie zwei Geschöpfe, die durch und durch voneinander abhängig geworden sind.
"Was willst du tun?" fragte er.
"Du wirst es nicht glauben, aber ich habe Hunger - schrecklichen Hunger."
"Bei dir ist immer alles schrecklich. Komm, du kriegst gleich was zu essen."..."

Auszug aus Schatten über dem Hudson. von Christa (Übersetzerin) Schuenke, Isaac B. Singer. Copyright © 0. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Kurz vor Tagesanbruch hatte es noch einmal geschneit; der Morgen aber war frostklar, und es schien die Sonne. Sie schien in das unwirtliche Hotelzimmer und tauchte die zerknautschten Bettücher, den abgetretenen Teppich und die faltige Tapete in ihr warmes Licht. Sie ließ Annas Gesicht leuchten, ihre Augen, jeden einzelnen Silbertupfen auf ihrem Samthütchen. Anna saß fix und fertig angezogen im Sessel, sogar den Mantel und die Überschuhe hatte sie schon an. Grein, auch er in Hut und Mantel, lümmelte auf dem Bett. "Ja, wir müssen es tun", sagte er zu Anna. "Wo steht denn geschrieben, daß wir unser ganzes Leben lang unglücklich sein sollen? Zusammen können wir glücklich werden. Daran hab ich jetzt überhaupt keinen Zweifel mehr." Anna schwieg einen Moment, und dann sagte sie "Du bist mein Mann, und ich bin deine Frau. Auf der ganzen Welt gibt es keinen Menschen, der mir nähersteht als du. Du und Papa." Wieder schwieg sie kurz, um dann hinzuzufügen "Bestimmt hat Luria bei ihm angerufen. Bestimmt verflucht mich Papa jetzt, in diesem Augenblick, mit den bittersten Verwünschungen. Aber er wird sich schon wieder beruhigen. Er hat ja gestern noch gesagt, er liebt dich wie seinen eigenen Sohn. Wenn Papa so was sagt, dann meint er es auch. Wer sich nicht wenigstens ein bißchen im Talmud auskennt, der ist für ihn nur ein halber Mensch. Und noch etwas du bist fromm, wenn auch auf deine Weise; Luria aber prahlt ständig mit seiner Ungläubigkeit." "Das, was wir getan haben, ist aber nicht gerade fromm." "Stimmt, aber wir heiraten ja. Mit Gewalt man kann niemanden festhalten. Papa ist reich, viel reicher, als du ahnst, und alles, was er hat, gehört uns. Wir können viele Jahre lang zusammen glücklich sein." Grein stand auf. Auch Anna erhob sich, und sie fielen einander um den Hals und küßten sich lange und leidenschaftlich. Mit weit geöffnetem Mund verbiß sich Anna in Grein wie ein gefräßiges Tier, das schlingt und schlingt und nie genug kriegen kann. Und auf einmal war ihre Müdigkeit wie weggeblasen, und sie standen da, aneinandergelehnt, in sich gekehrt, ganz von ihrer Lust verzehrt. Und während Grein Anna so umschlungen hielt, staunte er über sich selber. Jedesmal wieder war ihm die sexuelle Erregung ein Rätsel, erfaßte sie den Menschen doch von innen und außen zugleich. Sie zehrte alle seine Kräfte auf; ihm war, als würde der Mensch durch sie eins mit dem Ding an sich, dem Wesen allen Seins, das unter der äußeren Hülle der Illusionen verborgen lag. Anna mußte sich auf die Zehenspitzen stellen, um an Grein heranzureichen. Er beugte sich zu ihr hinunter. Eine Zeitlang hatte er das schmutzige Zimmer vergessen, die schlaflose Nacht und auch, daß er sich versündigt hatte an ihrem Mann, ihrem Vater, seiner Familie, an Esther. Der Körper folgte seinen eigenen Gesetzen, und er tat es auf seine Weise. Die ganze Nacht hatten sie einander besessen, und nun kam das Begehren schon wieder über sie. Anna riß sich von ihm los; grell, wie eine Wunde, waren ihre aufgesprungenen roten Lippen. Sie erinnerte Grein an eine Löwin im Zoo, die einen Moment lang abläßt von dem rohen Fleischbrocken, den man ihr hingeworfen hat, und ihre blutverschmierten Lefzen zeigt. Sie sah ihn an mit einem Blick, in dem die ganze Glut der Liebe loderte. "Wir können hier nicht bleiben!" Grein kam es so vor, als läge in ihren Worten eine geheime Bedeutung verborgen, als wollte sie in Wirklichkeit sagen Wir müssen von selber fortgehen aus diesem Paradies, bevor sie uns daraus vertreiben. Er schwieg und wartete, bis das Verlangen in ihm zur Ruhe kam. Sie sahen einander an, ängstlich und bekümmert, wie zwei Geschöpfe, die durch und durch voneinander abhängig geworden sind. "Was willst du tun?" fragte er. "Du wirst es nicht glauben, aber ich habe Hunger - schrecklichen Hunger." "Bei dir ist immer alles schrecklich. Komm, du kriegst gleich was zu essen." "So, was denn? Ach, ich könnte dich bei lebendigem Leibe auffressen!" "Das ist bei manchen Spinnenarten Usus." "Komm, wir gehn einen Kaffee trinken. Und dann muß ich los, entweder zu ihm oder zu Papa. Ist schon egal, wohin, Krach gibt's so oder so." "Wir könnten doch zusammen wegfahren, irgendwohin..." "Ohne was zum Anziehen? Ohne Unterwäsche? Nein, nein, ich brauch meine Sachen. Und du kannst auch nicht einfach so auf und davon." "Nein." "Ich geh nach Hause. Soll er nur sagen, was er zu sagen hat. Ich werde nichts abstreiten. Ich hab keine Angst, vor niemandem. So wahr ich hier stehe." "Und wie erreich ich dich?" "Ruf mich einfach an." "Und wenn er dran ist? Das steh ich nicht durch." "Dann redest du ganz offen mit ihm Du sagst, du liebst mich, und ich liebe dich. Er kann mich nicht mit Gewalt festhalten. Und was du deiner Frau sagst, das werd ich dir ja wohl nicht erst eintrichtern müssen. Aber das eine sollst du wissen Halbheiten gibt es bei mir nicht. Wenn ich jemanden haben will, dann will ich ihn ganz." -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .
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