"Schatten ueber dem Kongo" reiht sich ein in die Liste moderner Dokumentationen in Spielfilmlaenge, die klar zu einem Thema Stellung beziehen und nicht versuchen, sachlich neutral zu Berichten. Wie in anderen Produktionen auch, so wird hier mit viel Musikeinsatz, ausgewaehlten Zitaten und nachgestellten Szenen eine emtionale, bedrueckende Stimmung geschaffen. Diese Methode hat, vereinfacht ausgedrueckt, den Vorteil, dass sich Informationen durch ihre Emotionalitaet wesentlich leichter in das Gedaechtnis einpraegen; allerdings wird die Berichterstattung dadurch auch etwas einseitig.
Bei einem Thema wie der blutigen Ausbeutung des Kongo mag das durchaus verzeihbar sein, schliesslich wird sich kaum jemand auf die Seite der Verbrecher, den so muss man sie benennen, stellen.
Viele Informationen erhaelt der Zuschauer ueber Aufbau und System des belgischen Kolonialsystem und nicht zuletzt ueber Koenig Leopold II., der den Kongo als Privateigentum sah. Mit der Unabhaengigkeit hoert die Dokumentation aber nicht auf, was vielleicht besser gewesen waere. Denn die darauf folgenden Jahrzehnte werden nur noch im Schnelldurchlauf behandelt und so bleiben wichtige Fakten und Faktoren, etwa der Voelkermord in Ruanda und seine Bedeutung auf die Kongokriege Ende der Neunziger, ausgelassen.
Das, was die verschiedenen Sprecher und Interviewpartner innerhalb der Dokumentation aber erzaehlen, ist durchweg interessant und von der Sachlage her serioes. Untermalt werden die Berichte von Fotos und Karikaturen, von denen viele zu verschiedenen Themen und Zeitpunkten eingeblendet werden.
Insgesamt laesst sich sagen, dass "Schatten ueber Kongo" informiert, unterhaelt und schockiert - aber an der Tatsache, dass 130 Jahre Geschichte eines so rieseigen Landes nicht in 90 Minuten passen, scheitert und somit von mir nur vier von fuenf moeglichen Sternen, damit aber immernoch eine klare Empfehlung, erhaelt.
Leider gibt es auf der DVD kein Extramaterial. Hier waeren Karten, Fotos o.ae. sicherlich interessant gewesen.