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Schatten über Europa: Der Untergang der antiken Kultur
 
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Schatten über Europa: Der Untergang der antiken Kultur [Broschiert]

Rolf Bergmeier
4.1 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (11 Kundenrezensionen)
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Kurzbeschreibung

Beheizte Bäder, kühlende Brunnen, Fischteiche und Gärten – Mitte des vierten Jahrhunderts ist das Leben im Imperium Romanum von beeindruckenden zivilisatorischen Errungenschaften gekennzeichnet. In allen Städten gibt es Schulen, Gymnasien, Bibliotheken, Theater und Schauspiele. Nur hundert Jahre später ist alles vorbei. Die Wasserleitungen verfallen, die öffentlichen Schulen werden geschlossen, die Theater veröden, die meisten Menschen können nicht mehr lesen und schreiben. Wie ist es dazu gekommen? Ist die antike Kultur im „Germanensturm“ untergegangen? Hat die „spätrömische Dekadenz“ den Verfall herbeigeführt? Rolf Bergmeier sieht für den Kulturbruch eine andere, bislang wenig beachtete Ursache: das Christentum. Dessen Weltflucht, Leib- und Bildungsfeindlichkeit zieht eine Reihe von Entwicklungen nach sich, die zum Zusammenbruch von Kunst und Kultur, Bibliotheken und Schulsystem, Wissenschaft und Philosophie führen.

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50 von 55 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Das Anfang Dezember publizierte Buch "Schatten über Europa" widmet sich dem Untergang der antiken Kultur und dessen Ursachen. Das Buch kann als eine Fortsetzung des Konstantin-Buches aus dem Jahre 2010 (Kaiser Konstantin und die wilden Jahre des Christentums) verstanden werden. Beide Bücher bemühen sich unter Zuhilfenahme zahlreicher Quellen, Belege und Argumente der traditionell kirchenfreundlichen Spätantike-Geschichtsschreibung eine streng wissenschaftliche Sicht gegenüberzustellen.

Bereits der Untertitel "Untergang der antiken Kultur" schließt eine Absage an die beliebte "Kontinuitätstheorie" ein, die behauptet, die antike Kultur sei von der christlichen Kirche getreulich übernommen und als Klosterkultur fortgeführt worden.

Im Kapitel 1 wird die antike Kultur des vierten Jahrhunderts knapp und gut lesbar vorgestellt und im Kapitel 2 beschrieben, was davon im fünften und sechsten Jahrhundert übriggeblieben ist. Im Kapitel 3 diskutiert Bergmeier zwei Theorien, die in der Literatur als Hauptursachen für den Verfall der antiken Kultur benannt werden: Die Dekadenztheorie und den "Barbarensturm" (Völkerwanderung), um sich schließlich im 4. Kapitel der Staatskirche als Hauptursache zuzuwenden.

Im Mittelpunkt dieses Zentralkapitels steht das "neue Weltbild" der christlich-katholischen Kirche, das nunmehr, nach Ernennung zur Staatskirche, mit Macht durchgesetzt wird. Die Seite 101 bis 109, die das "neue christliche Weltbild" beschreiben, fallen durch kräftige Sprache auf und sind inhaltlich aufregend. Die Härte der Aussagen mögen den Christgläubigen zunächst schockieren, aber auch nach mehrmaligem Lesen vermag man keine ungerechtfertigten Urteile entdecken. Spätestens, wenn Bergmeier in den Kapiteln 5 und 6 die Folgen dieser Wende vorstellt, wird deutlich, dass das neue christliche Weltbild gar nicht kräftig genug beschrieben werden kann und mögliche Irritationen daher rühren, dass die Aussagen ungewohnt sind.

Das mutige, zum Teil blendend formulierte, gut lesbare Buch kann als eine Zaesur in der traditionellen Geschichtsschreibung verstanden werden. Belege und Argumente, die der christlichen Kirche die Hauptschuld am Untergang der antiken Kultur zuweisen, sind derart vielfältig, dass man sich fragen muß, wie wissenschaftlich eigentlich noch Wissenschaft ist, wenn Historiker angesichts der Kulturagonie zwischen 400 und 1200 von einer "Höherstufung der Menschheit" sprechen (S. 53), um den Übergang der Antike in das frühe Mittelalter zu kennzeichnen. Das Buch "erhält seine besondere argumentative Durchschlagskraft durch das methodische Mittel des Vergleichs: Zum einen wird die kulturelle und zivilisatorische Leistung der 'heidnischen' Antike mit den Verhältnissen des christlichen Mitteleuropas des 5. bis 12. Jahrhunderts verglichen und zum zweiten wird die neue christliche Kirchenkultur der benachbarten Parallelkultur des islamisch-maurischen Spaniens und der von Damaskus, Alexandria und Bagdad gegenübergestellt" (zit. nach Presse-Interview, hpd Dezember 2011). Der Vergleich ist so ernüchternd, die Bedeutung des Wissenstransfers aus dem islamischen Spanien/Süditalien und aus Byzanz so bedeutsam, dass es sich verbietet, von einer christlichen Kultur Europas zu sprechen. Unbedingt lesenswert.
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47 von 54 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Das Konstantin-Buch des Autors hat für sein neues Buch "Schatten über Europa" große Erwartungen beim Rezensenten geweckt, denen der Autor in vollem Umfang gerecht wird.
Das Christentum trägt die Hautschuld am gewaltigen kulturellen Verfall der Spätantike, so die Hauptthese des Buches. Um dies zu belegen schärft Bergmeier zunächst den Blick für die enormen kulturellen Leistungen, die die heidnische Antike bereits hervorgebracht hatte. Ein dreigliedriges Schulwesen sorgte im römischen Reich dafür, dass mehr als 50 Prozent der römischen Bürger (auch Frauen) und viele Sklaven lesen und schreiben konnten. Gewaltige öffentliche Bibliotheken (in Rom alleine 28) und private Bibliotheken beherbergten wohl annähernd eine Million Titel der unterschiedlichsten Fachgebiete. Die Philosophie blühte in mannigfachen Richtungen und Schulen, die Architektur brachte gewaltige Bauten hervor. Von der weit fortgeschrittenen Kunstfertigkeit kann man sich noch heute in den römischen Museen ein Bild machen. 3785 Bronzestatuen gab es noch im 4. Jahrhundert in Rom auf öffentlichen Plätzen, darunter 22 Reiterstatuen. Es gab Theater, Thermen, eine Kanalisation, beheizte luxuriöse Villen, eine Reichspost und ein Fernstraßennetz, gewaltige Städte, Fernhandel, Tausende von Tempeln der unterschiedlichsten Kulte.
Wann kam der Knick? Bergmeier macht als entscheidenden Bruch nicht die Zeit Konstantins fest, dessen Christsein ja umstritten ist und zumindest nicht in einem "katholischen Sinne" zu verstehen wäre, sondern die Erlasse im Gefolge von Cunctos Populos des Kaisers Theodosius (379-395), durch die das Christentum quasi Staatsreligion wurde. Dadurch geht eine wichtige Voraussetzung der antiken Kultur verloren, nämlich die religiöse Toleranz. In der Folge finden großangelegte Heidenverfolgungen statt, Tempel werden zerstört, von fanatisierten Christen geköpfte Statuen finden sich heute noch in Museen, antike Schriften, weil von Heiden geschrieben, werden nicht mehr kopiert, darunter auch viele der größten Geister des Altertums. Die Philosophie gilt als widergöttlich, alles was man braucht, meinte man in der Bibel zu finden. Theater galten als sündhaft, Kunst insgesamt als wertlos. Statt einer sinnenfrohen Antike hielt jetzt ein christlicher Aberglaube mit übersteigertem Sündenbegriff, Verneinung der kulturellen Leistungen, mit Betonung der Jenseitigkeit statt des Diesseits, mit Weltverachtung statt Weltgestaltung Einzug, mächtig propagiert von Kirchenvätern, von denen viele selbst noch die antike Bildung genossen hatten. Augustinus schließlich versetzte dem optimistischen Lebens- und Menschenbild mit einer absurden Erbsündenlehre und einer Verachtung der Sexualität den Todesstoß. "Während der antike Mensch danach trachtete, auch in unbilligen Lagen seine Würde und seinen Stolz zu behalten, brütet der Christ über seine Unwürdigkeit nach. Bevor sich überhaupt etwas ereignet hat, bekennt er sich schon schuldig. Was für ein armseliges Menschenbild..."(S. 105)
Dieser Weg in den religiösen Fundamentalismus, die Rechthaberei einer einzigen Religion statt einer antiken, toleranten Vielfalt, ist laut Bergmeier die "Hauptursache" für den Untergang der antiken Kultur. Die Barbaren geraten bei Bergmeier zwar nicht aus dem Blick, treten hinter diesem Hauptgrund jedoch zurück. In der Folge dieser Entwicklung verschwinden die Bibliotheken, die Theater, schließen die Schulen, verkümmert die Bildung, breitet sich Analphabetismus aus, bekämpft die eine Religion alle anderen Religionen und Abweichler in den eigenen Reihen, versinkt die antike Kultur für fast 1000 Jahre im finsteren, weil christlichen Mittelalter.
Für Bergmeier sind die Klöster kein Ersatz für eine antike Bildung, wie oft in der Literatur zu lesen, denn nur Mönche hatten Zugang zu ihr. Zudem ging es nicht um Bildung in einem klassischen Sinne, sondern um Kenntnisse allein auf dem Gebiet der vorherrschenden religiösen Ideologie. Zudem gab es fast keine Bücher, über die eine antike Bildung noch hätte vermittelt werden können, die allermeisten Klöster dürften fast keine Bücher besessen haben, die größten hatten nicht einmal 800 Bände, von diesen die meisten mit (für eine lebendige Kultur nutzlosen) religiösen Inhalten. Auch bei der sog. "Karolingische Renaissance", der "dicke[n] Bertha" der Mittelalter-Apologeten (so Bergmeier S. 240) ging es vor allem um rein innerkirchliche Ziele, um Liturgie und einen einheitlichen Text der biblischen Schriften. Bis auf eine Vielzahl von Kirchen- und Klosterbauten war hier nichts von Dauer. Das Mittelalter, war, gemessen an fast allem, was es in der Antike bereits gegeben hat, tatsächlich "finster", ein Romantizismus ist nicht angebracht. Von 400 bis 1200 fast kein Fortschritt, nur schöne Buchmalereien und einige große Kirchenbauten. Das Christentum hatte im christlichen Mittelalter erstaunlich wenig zu bieten, während nebenan im maurischen Spanien und in den Gebieten des Islam überhaupt eine blühende Zivilisation bestand.
Bergmeier bringt eine Fülle von Belegen für seine Thesen. Es gelingt ihm den Kulturabbruch plastisch werden zu lassen, die gewaltige Differenz zwischen heidnischer Antike und christlichem Mittelalter und die Gründe dafür aufzuzeigen. Zweifellos hat die christliche Ideologie eine Mitschuld, vielleicht sogar die Hauptschuld an der Entwicklung. Dass man an manchen Stellen auch Anfragen hätte, tut seinem Buch keinen Abbruch. Bergmeier schreibt engagiert, bezieht Position, will sich bewusst nicht mit dem Standpunkt des neutralen Beobachters begnügen (den es ohnehin nicht gibt), er leidet an der Entwicklung, die er beschreibt. Sein Buch ist spannend, kenntnis- und lehrreich geschrieben. So soll es sein - mehr davon!
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32 von 37 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Das Buch "Schatten über Europa. Der Untergang der antiken Kultur" vergleicht die spätantike "heidnische" Kultur mit der des frühen "christlichen" Mittelalters und analysiert die Ursachen für den Verfall der antiken Kultur. Bergmeier sieht den Verfall nicht in der "Völkerwanderung" oder in der "Dekadenz der Römer" begründet, sondern sieht eine andere, bisher kaum beachtete Ursache: Das Christentum. Dessen Jenseitsorientierung, Leib- und Bildungsfeindschaft hätten den Zusammenbruch der öffentlichen Bibliotheken und des öffentlichen Schulsystems, von Kunst, Wissenschaft und Philosophie bewirkt.

Das belegstarke Buch erhält seine besondere argumentative Duchschlagskraft durch den Vergleich: Zum einen wird die kulturelle und zivilisatorische Leistung der "heidnischen" Antike mit den Verhältnissen des christlichen Mitteleuropas des 5. bis 12. Jahrhunderts verglichen und zum zweiten wird die neue christliche Kirchenkultur der Nachbarkultur des islamisch-maurischen Spaniens und der arabischen von Damaskus, Alexandria und Bagdad gegenübergestellt. Diese Parallel-Vergleiche quer durch die Territorien des ehemaligen Imperium Romanum fallen für das Christentum so ungünstig aus, dass es sich verbietet, vom Christentum als dem Träger abendländischer Kultur zu sprechen.

Da alle Welt von der "christlich-abendländischen Kultur", von einer "jüdisch-christlichen Leitkultur" und von den "uns prägenden" christlichen Werten spricht, dürfte dieses Buch für einige Aufregung sorgen. Wer auf diesen Gebieten mitreden will, muß das Buch gelesen haben.
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Vorweg: Ja, die mit der institutionelle Kirche liierten Machthaber des Frühmittelalters betrieben eine Politik, die der Breite und Vielfalt der antiken Bildung entgegenwirkte. Lesen Sie weiter...
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In bewährter Manier ...
... seziert Bergmeier hier (aufbauend auf seinem Konstantin-Buch), wiederum mit ca. 600 Anmerkungen, die nicht überlesen werden sollten (da sie z.T. Lesen Sie weiter...
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Antworten
Warum ist das Imperium Romanum und damit die antike Kultur untergegangen?

Weil die "spätrömische Dekadenz" das Reich militärisch schwächte? Lesen Sie weiter...
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