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Mit einem herzhaften Lachen ernst, 20. September 2009
Rezension bezieht sich auf: Scharmützelwetter: Gedichte (edition suhrkamp) (Taschenbuch)
Saskia Fischer wurde 1971 im Erzgebirge geboren und sie ist nicht die gleichnamige Tochter von Nicole Heesters. Die vornehmlich als Lyrikerin arbeitende Saskia Fischer übersiedelte 1986 in die BRD und lebt seit 2005 mit einem Aufenthaltsstipendium des Senats in Berlin. "Scharmützelwetter" erschien 2008 und enthält fünf Abteilungen mit reimlosen Gedichten, die nur in einem Fall länger als eine Seite sind. Saskia Fischer ist eine pfiffige Dichterin, die sich auch gerne an Wortschöpfungen ("Miesepetra") und kalauerartigen Gebilden versucht ("Rodeo auf Rhodos"). In der ersten Abteilung ("Meteore") geht es fast ausschliesslich um Liebesbeziehungen, durchaus moderne, vom Flirt bis zum "schlussstrichverloren Scherbentaxi". Saskia Fischer hat einen knappen und oft sehr bissigen Stil, der einem die Faust nach dem Eröffnungsgong gnadenlos schnell ins Gesicht schlägt. Dabei verschlingen die Satzteile des einen Gedankens die Grammatik des anderen, ohne dass das Bild dabei Schaden nimmt, im Gegenteil.
Wenn ich gehe restlos aufgetrennt sein werden
ihre Socken die ich trug vier Tage unter eurem Dach.
Mein Fuss zu gross bohrte sich bohrte immer weiter einen Zeh
durch Nummer Achtunddreissig Mottenfrass. Ein Paar
Geballtes Nebeneinander in einer Kiste seit Jahren. (aus "Behutsmann")
Wenn es bei diesen Geschlechterscharmützeln geblieben wäre, dann hätte ich das schmale Buch (ihre zweite eigenständige Publikation) spätestens nach der zweiten Abteilung beiseite gelegt, aber Saskia Fischer kann viel mehr. Interessant finde ich vor allem auch die Gedichte mit einem biografischen Bezug, der lokalisiert werden kann und bis in die ehemalige DDR zurückreicht. Wie jede ernsthafte Dichterin, so ist auch Saskia Fischer in der Lage, durchs Fischauge der persönlichen Erfahrung hindurch, Leben allgemeingültig abzubilden, von der Wiege bis zur Bahre oder bis zur "Materialverdichtung auf Sargniveau", wie sie es mit einem Augenzwinkern sagen würde, nebenbei kann sie gut zitieren und Begebenheiten aus der Presse ("Einem ägyptischen Dienstmädchen"), dem Film ("liebesmüh an neujahr verlorne") und der Literatur ("Südwalisische Hochzeit") in erstaunliche Lyrik verwandeln.
Der Traum der Fischverkäuferin
Von Verkauf keine Rede.
Die Buchstaben geben der Sprache ein Zeichen:
Hatschek Makron Punkt.
Mir bedeuten sie nichts ich
spreche deutsch mit den aaligen Toten
wenn ich sie mit Eis zuschütte Wannen
ausgespült abgespritzt die Kacheln
morgens sieben. Die Markthalle zum Schreien:
Fünf Lats am Tag vom Neunauge der Kopf.
Wir werden nicht satt nur geruchsempfindlich.
Du machst unsre Wäsche später die Betten
einmal vor einmal nach
dem Schlaf mit der Obsthändlerin.
Du hast Zeit
Musik aus dem Netz zu ziehen. Lamprete
Lamprete dein Mund saugt sich fest raspelt
ein Loch in meine Sprache von der du
lebst dein Sekret das sie auflösen wird.
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