Im Europa der Zwanziger Jahre sind zwei Pinkerton-Detektive dienstlich unterwegs. Er, Phil Beaumont, Amerikaner; sie, Jane Turner, Engländerin. Phil als Erzähler, Jane als Briefeschreiberin, schildern den Lauf der Handlung aus ihrem jeweiligen Blickwinkel. So erleben wir ein Stück Zeitgeschichte mit berühmten Persönlichkeiten, welche gern auf die Schippe genommen werden, aber durchaus respekt-, liebe- und verständnisvoll, mit einem Wort: gentleman-like.
Erste Station („Eskapaden“): ein Normannenschloss in England (Charaktere: Madame Sosostris, Medium; Arthur Conan Doyle; Harry Houdini, Lord Bob und Lady Purleigh, Lord Reginald, Gespenst).
Zweite Station („Maskeraden“): Paris (Charaktere: Hemingway, Gertrude Stein, Joyce, Satie, Picasso, Agatha Christie).
Dritte Station („Scharaden“): Frankfurt, Berlin, München, Bayrischer Wald.
Schluss mit lustig!
Hitler beauftragt die Detektei Pinkerton, ein Attentat auf ihn bei einem geheimen Treffen mit General von Seeckt, Oberbefehlshaber der Deutschen Reichswehr, im Berliner Tiergarten aufzuklären. Jane und Phil unter Nazis, Freikorps und der Familie Wagner. Langweiler und Widerlingen sie alle, armselig und pervers. Ihr Lebenselexier ist der Hass auf die Juden. Ihr Nationalismus Größenwahn und Vernichtungswille. „Alle. Alle hassen die Juden.“ (Jane Turner) Schon die Kinder, auch die Frauen (hallo, Feminstinnen, nehmt euch doch mal ein Beispiel an Klaus Theweleit), auch die Soldaten, die Freikorps, die Komponistenfamilie, der Hellseher und der Harvard-Absolvent. Letzterer ist Putzi Hanfstaengl, in den Vereinigten Staaten ein sehr bekannter Überläufer, wer kennt ihn bisher bei uns? Eine schillernde Figur, ebenso wie der Hellseher Erik von Dinesen, beide nicht nur Nazi-Freunde.
Geben wir dieses Buch unseren Jugendlichen zu lesen. Es zeigt den Judenhass der Nazis in all seiner Widerwärtigkeit.
Gut lesbar und verständlich geschrieben, die Sache auf den Punkt gebracht, ohne die ausländischen Sympathisantenkreise zu vergessen. Also bitte sehr: Lesen!
Und keine kleinliche und vor allem unwahre Krittelei, bitte, liebe Mitrezensentinnen!
1. Was ist so unwahrscheinlich daran, dass Leute mit Bildung der englischen Sprache mächtig sind, oder zwei, die in englischer Kriegsgefangenschaft waren, oder ein Portier?
2. Berlin war die Billig-Metropole der Zeit. Für die, die genug hatten, war da auch ein Auto inbegriffen. Das macht Verkehr!
3. Ist Hitler Ihnen zu wenig oder zu arg pervers dargestellt? Sie meinen, er sei ein „ganz normaler“ (?) Nazi?
4. Verwirrt es nicht allzu sehr, denkt man bei der Rezension eines Buches ständig an den nächsten „Tatort“? Wird da doch aus dem Fernsprechapparat von Wachtmeister, Kommunist und Technikfreak Hans Müller zauberhafter Weise ein Fernsehapparat! (Bitte nochmal lesen: Seite 271, Zeile 17, und dann noch mal von vorn!)
Viel Vergnügen!