1980 war das Hamburger Schanzenviertel, kurz Schanze genannt, noch ein
preiswertes Quartier. Ursprünglich wohnten hier hauptsächlich Arbeiter,
die im Hafen oder auf dem nahegelegenen Schlachthof ihrer Beschäftigung
nachgingen. Anfang der 80er Jahre wurde die Schanze von Künstlern, Punks,
Studenten und Ausländern auch wegen der günstigen Mieten entdeckt. Heute
gehört die Schanze mit zum Teil aufwändig restaurierten Immobilien zu
den gefragtesten und teuersten Gegenden der Hansestadt. Selbst die jährlich
medienwirksam inszenierten Krawalle vor der Roten Flora regen in der Stadt
wirklich niemanden mehr auf, Spektakel für Touristen halt.
Der Bildband von Thomas Henning erzählt von der spannenden Zeit vor
der Gentrifizierung der Schanze. Es riecht noch nach Kleinen Leuten,
körperlicher Arbeit, Schmutz und Improvisation. Da ist am Horizont noch
nichts Schickes oder Lifestyliges zu verorten.
Die New Color Photography um Eggleston, Meyerowitz, Shore und Sternfeld
hatte der Autor im Kopf, als er die farbprächtigen Momentaufnahmen vor
30 Jahren in Szene und dem Stadtteil damit ein dokumentarisches Denkmal
setzte.